Wirkung zeigen, Vernetzung stärken: Austausch der Fach- und Koordinierungsstellen

Zwei Frauen präsentieren  bei einer Veranstaltung, während Teilnehmer am Tisch sitzen. Im Hintergrund ist ein Informationsbanner zu sehen. © Koordinierungsstelle AlphaDekade

Von der Wirkungsanalyse von Alphabetisierungsmaßnahmen über die Entwicklungen in den Bundesländern bis hin zu neuen Informationen aus der Förderrichtlinie „Grundbildungspfade“: Das jährliche Treffen der Fach- und Koordinierungsstellen bot den Teilnehmenden ein abwechslungsreiches Programm – und darüber hinaus ausreichend Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen und sich zu vernetzen.  

Ein erster thematischer Schwerpunkt der Veranstaltung widmete sich der Frage, wie Maßnahmen aus AlphaDekade-Projekten gewirkt haben: Das Projekt „vhs-Lerntreffs im Quartier“ stellte Zwischenergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung vor, das Projekt „GEMEINSAM. GRUNDBILDUNG“ berichtete aus der Wirkungsanalyse zur Einzelförderung.

Der zweite Schwerpunkt befasste sich mit der aktuellen Förderrichtlinie „Grundbildungspfade“. Hier präsentierte das Projekt „Grundbildung in der Pflege stärken“ (GriPs) seine Arbeit. Zudem stellte das „Kompetenzzentrum GrundbildungsPFADE“ das neu entwickelte Professionalisierungsangebot vor. 

Positive Wirkung der vhs-Lerntreffs

Das seit 2023 laufende Projekt „vhs-Lerntreffs im Quartier“ eröffnet mit aufsuchender Grundbildungsarbeit neue niedrigschwellige Lernorte im Sozialraum. Seit Projektstart schufen 122 Volkshochschulen rund 150 neue Lerntreffs und erhielten dafür eine einjährige Anschubfinanzierung.

Die wissenschaftliche Begleitung untersucht derzeit, inwieweit es den vhs-Lerntreffs gelingt, gering literalisierte Erwachsenen anzusprechen, zu binden und ins reguläre Fördersystem überzuleiten. Die ersten Zwischenergebnisse zeigen in vielen Bereichen positive Entwicklungen: Etwa die Hälfte der beteiligten Volkshochschulen führt mindestens einen Lerntreff nach Ende der Förderung fort. 60 Prozent berichteten, über die Lerntreffs andere Personengruppen zu erreichen als über reguläre Angebote. Eine dauerhafte Überleitung von Besucher/-innen in Kursangebote gelang in rund drei Vierteln der Lerntreffs zumindest in Einzelfällen.

Die Ansprache von gering literalisierten Erwachsenen gelingt

  • im jeweiligen Lebensumfeld,
  • im persönlichen Kontakt, auch über Kooperationspartner.

Die Bindung an Lernangebote gelingt

  • durch eine bedarfsgerechte, individualisierte Ausgestaltung,
  • durch das Sichtbarmachen individueller Lernerfolge,
  • durch Verlässlichkeit und Kontinuität in der Bereitstellung.

Die Überleitung gelingt

  • mithilfe einer persönlichen Vertrauensbasis,
  • bei einer Passung der regulären Angebote.

Einzelförderung bringt Erfolge

Auch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung zur Einzelförderung zeigen positive Wirkungen. Nach einer Einführung zu Definition, Angebotsformen und Finanzierungsmodellen stellten die Referierenden Ergebnisse aus dem Projekt „GEMEINSAM. GRUNDBILDUNG“ vor.

Demnach werden Einzelfördermaßnahmen von Teilnehmenden als bedeutsam und erfolgreich wahrgenommen. Sie fördern gesellschaftliche Teilhabe und Selbstwirksamkeit und ermöglichen Lernerfolge für die Lernenden, die sehr motivierend wirken. Zudem eröffnen sie Erwachsenen Lernchancen, die sie sonst nicht hätten – und senken damit Zugangsbarrieren zur Bildung. Die Unterstützung wird als vertrauensvoll, wertschätzend und motivierend erlebt. Das Projekt schließt daraus, dass Einzelfördermaßnahmen in jedem Fall lohnen. Zugleich blieben wichtige Fragen zur Finanzierung, Ausgestaltung und Professionalisierung des Lehrpersonals offen.

  • Erweiterung und Flexibilisierung von Einzelförderangeboten
  • Zielgerichtete Ansprache und Unterstützung bei der Auswahl von Bildungsangeboten
  • Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und psychologischen Hürden der Lernenden
  • Förderung von beruflichen und sozialen Perspektiven
  • Ressourcen und Rahmenbedingungen verbessern
  • Berücksichtigung von Altersgruppen und unterschiedlichen Lernbiographien

Entwicklungen in NRW

Die Fach- und Koordinierungsstelle für Grundbildung des Landes Nordrhein-Westfalen berichtete über die Initiativen des Landes in den vergangenen Jahren. Dabei thematisierte die Referentin insbesondere die Evaluation des „AlphaNetzes NRW“, die Novellierung des Weiterbildungsgesetzes in NRW und die Weiterbildungskonferenz zum Thema Grundbildung im Düsseldorfer Landtag.

Die Evaluation des AlphaNetz NRW zeigt, dass dem Bündnis – derzeit mit rund 145 Mitgliedern – und der Koordinierungsstelle eine hohe Relevanz für das Land zugeschrieben wird. Empfohlen wird daher ein weiterer Ausbau sowie die Verstetigung des Netzwerks und seiner Strukturen.

Positiv bewertet wurde auch die Novellierung des Weiterbildungsgesetzes NRW, insbesondere des § 13a. Rund die Hälfte der Anträge beschäftigen sich inzwischen mit dem Themenfeld Alphabetisierung und Grundbildung. Erfolgreich verlief zudem die Weiterbildungskonferenz zum Weltalphatag im Düsseldorfer Landtag mit rund 200 Teilnehmenden aus Vereinen, Volkshochschulen, Ministerien und Verbänden. Dort gelang es, das Thema prominent im politischen Raum zu platzieren.

Förderrichtlinie „Grundbildungspfade“: Einblicke und Erfahrungen

Eine Frau spricht vor einer Präsentation, die das Logo "GriPs" zeigt. Am Tisch sitzen mehrere Teilnehmer, und ein Informationsbanner ist ebenfalls sichtbar. © Koordinierungsstelle AlphaDekade

Im zweiten Teil der Veranstaltung gab das Projekt „GriPs“ Einblicke in seine Arbeit. Das Projekt entwickelt einen Grundbildungspfad für die Pflegehilfe/Pflegefachassistenz im Landkreis Vorpommern-Rügen und vernetzt Akteure der Grundbildung und Pflege in der Region. Ein zentrales Ziel ist die Etablierung sogenannter Beratungsanker bei Netzwerkpartnern. Dort berät geschultes Personal zu Grundbildung in der Pflege. Ergänzend werden Beratungsangebote und -materialien entwickelt, aus denen ein Blended-Learning-Angebot entstehen soll.

Besondere Herausforderungen entstehen im Projektzeitraum durch die Neuregelung der Pflegefachassistenzausbildung. Dort ersetzt ab 2027 eine bundeseinheitliche Regelung insgesamt 27 landesrechtliche Regelungen im Bereich der Pflegehilfe/Pflegefachassistenz. Dabei werden aber die Zugangsvoraussetzungen im Bereich der Sprachkenntnisse erhöht, sodass laut aktuellem Gesetzentwurf für die Ausübung des Berufs Deutschkenntnisse auf B2-Niveau nötig sind. Der Erwerb dieser Sprachkenntnisse zusätzlich zur Ausbildung kann für die Auszubildenden eine hohe Hürde darstellen. Gleichzeitig böten sich aber auch Chancen: In den neuen geplanten Regelungen gibt es niedrigere Voraussetzungen beim formalen Schulabschluss und zudem erhöhen bundeseinheitliche Vorgaben die Chance des Transfers zwischen den Regionen.

Professionalisierungsangebot des Kompetenzzentrums

Zum Abschluss des Tages stellte das Kompetenzzentrum „GrundbildungsPFADE“ sein neues Professionalisierungsangebot vor, für das sich im ersten Durchlauf zunächst die Mitarbeitenden aus den zehn regionalen Projekten der Förderrichtlinie sowie deren Netzwerkpartner anmelden konnten. Das Professionalisierungsangebot beinhaltet das Grundlagenmodul „Grundbildung als Handlungsfeld in der Erwachsenenbildung“, das alle Teilnehmenden absolvieren. Daran schließen die Schwerpunkte „Grundbildungsberatung“ und „Netzwerkkoordination“ an - die Teilnehmenden können sich für einen Schwerpunkt entscheiden oder beide belegen.

Die Fortbildung findet über einen Zeitraum von knapp zwei Monaten statt und ist in die EULE-Lernumgebung des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) eingebunden. Die rund 40 Teilnehmenden der ersten Runde durchlaufen dabei sowohl Selbstlernphasen als auch gemeinsame digitale Termine zur Reflexion und zum Praxistransfer. In die thematische Ausgestaltung des Angebots eingeflossen sind die bereits bestehenden Professionalisierungskonzepte, die in Projekten der AlphaDekade entwickelt und erprobt wurden.

Integriert in die Fortbildung sind auch KI-generierte Designs, Videos und Audios. Perspektivisch soll das neue Professionalisierungsangebot für einen größeren Teilnehmendenkreis geöffnet werden, denn grundsätzlich ist es für alle Fachkräfte in der Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit oder Beratung geeignet.

Als besonderen Input informierten bei der Veranstaltung zwei Referentinnen der Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) die Teilnehmenden zu den Möglichkeiten von Lernreisen im Rahmen von Erasmus+. Dabei können sowohl Aufenthalte von Personal als auch Lernenden in Weiterbildungseinrichtungen gefördert werden.

Mehr Informationen gibt es unter: