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Der Erfolg der Grundbildungs-Beratungsmappe hat auch Andreas Lück überrascht. „Ich habe gar nicht daran gedacht, dass es bundesweit so viel Interesse geben könnte“, sagt Lück, wissenschaftlicher Mitarbeiter im AlphaDekade-Projekt „GrundBildungsBrücken Hamburg“ (GBHH): „Es gibt Anfragen aus Regionen, bei denen ich mich frage, wie die Informationen überhaupt dorthin gelangt sind.“
Die Grundbildungs-Beratungsmappe hat mit ihrem Mix aus Informationen und praxistauglicher Unterstützung ganz offensichtlich einen Nerv getroffen. Inzwischen liegt bereits die dritte Auflage der gedruckten Mappe vor. Es gibt zahlreiche Anfragen – unter anderem aus acht Bundesländern, von Jobcentern, Grundbildungszentren und Mehrgenerationenhäusern. Zudem wurden die Verweislandkarten, auf denen Lernangebote eingetragen sind, bereits mehr als 15.000-mal aufgerufen.
„Der entscheidende Punkt ist, dass viele Menschen sie im Berufsalltag schnell nutzen können“, betont Lück. Denn Beratende kommen immer wieder mit Erwachsenen in Kontakt, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Für diese Multiplikatorinnen und Multiplikatoren bietet die Mappe Antworten auf zentrale Fragen: Wie lassen sich Schwierigkeiten erkennen? Wie können Lese- und Schreibprobleme sensibel angesprochen werden? Und wo finden sich passende Lernangebote?
Für eine einfache und schnelle Verweisberatung entwickelte das Projektteam eine übersichtliche Struktur: Die Lernangebote sind vier Zielgruppen zugeordnet und farblich gekennzeichnet. Grün steht beispielsweise für Erwachsene mit Deutsch als Erstsprache, die ihre Lese- und Schreibkompetenzen verbessern möchten. Blau kennzeichnet Angebote für Menschen mit Deutsch als Zweitsprache, die sich gut verständigen können und ihre schriftsprachlichen Fähigkeiten ausbauen wollen. So können Beratende passende Angebote schnell identifizieren.
„Die Mappe ist eine sehr gute Möglichkeit, um mit Institutionen ins Gespräch zu kommen“
Darüber hinaus hat die Mappe weitere Vorteile – auch für das Projekt selbst. „Sie ist ein Türöffner für Einrichtungen“, erklärt Lück. „Wir bieten immer gemeinsam mit der Mappe Professionalisierungsworkshops für interessierte Institutionen an.“ Mit Erfolg: Rund 30 Schulungen ergaben sich alleine durch die Verbreitung der Mappe. Dabei zahlt sich auch die gute Vernetzung der beiden Verbundpartner von „GrundBildungsBrücken Hamburg“ – KOM gGmbH und Arbeit und Leben DGB/VHS Hamburg e.V. – in der Stadt aus. Zudem ist das Thema geringe Literalität in den vergangenen Jahren stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Wie wichtig diese Türöffner-Funktion ist, bestätigt auch Arno Kunz, Projektleiter im AlphaDekade-Projekt „Grundbildungsteilzeit – Wege in gute Arbeit“ (GrubiTZ). „Die Mappe ist eine sehr gute Möglichkeit, um mit Institutionen wie zum Beispiel Jobcentern oder Arbeitsagenturen ins Gespräch zu kommen“, sagt Kunz. GrubiTZ hat die Mappe von Hamburg nach Baden-Württemberg übertragen und an die regionalen Gegebenheiten angepasst.
Transfer nach Baden-Württemberg und Berlin
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„Unser Ziel ist, die Beratungsstruktur in Baden-Württemberg zu sensibilisieren. In der allgemeinen Weiterbildungslandschaft ist Grundbildung noch nicht überall ausreichend präsent“, erklärt Kunz: „Daher stellen wir die Mappe zur Verfügung und haben ergänzend eine Schulung konzipiert, die auch auf die Mappe verweist.
Ein Unterschied zu Hamburg: Der Verweis auf konkrete Angebote spielt eine geringere Rolle, da im Flächenland Baden-Württemberg die Wege deutlich weiter sind als im Stadtstaat Hamburg. Zusätzlich wurde aber eine Kurzdiagnostik integriert. Das zeigt, wie flexibel die Grundbildungsberatungsmappe angepasst werden kann.
Auch in Berlin wird an einer Adaption gearbeitet – im Projekt „BerKo“. Eine Arbeitsgemeinschaft des vom Projekt ins Leben gerufenen Berliner Kooperationsverbunds Arbeitsorientierte Grundbildung mit Mitgliedern aus Jobcentern und der Beratung zu Bildung & Beruf beschäftigt sich aktuell mit der Umsetzung. Angestrebt wird dabei eine digitale Verzahnung mit dem bereits bestehenden Angebotsverzeichnis der Stiftung Grundbildung Berlin.
Tipps zum Übergang zwischen Bildungsangeboten
Die drei Projekte „GrundBildungsBrücken Hamburg“, „GrubiTZ“ und „BerKo“ arbeiten alle im Förderschwerpunkt „Grundbildungspfade“. Eines der Ziele ist dabei die Verbesserung von Übergängen zwischen Bildungsangeboten – und auch hier unterstützt die Mappe. „Sie hilft auf zwei Ebenen: Erstens ganz praktisch, weil Beratende wissen, wohin Lernende als Nächstes gehen können“, erklärt Lück. Dafür enthält die Mappe unter anderem einen Laufzettel sowie Hinweise zur Begleitung von Übergängen: „Und zweitens wird durch die Mappe vielen Nutzerinnen und Nutzern überhaupt erst bewusst, dass es auch das Angebot einer professionellen Grundbildungsberatung inklusive sprachsystematischer Diagnostik gibt. Auch dorthin können sie Lernende verweisen.“ Wichtig bleibt jedoch: Die Mappe ersetzt keine individuelle Beratung.
Der Erfolg der Mappe bringt allerdings auch eine Menge Arbeit mit sich. „Sie ist nur dann hilfreich, wenn die enthaltenen Angebote aktuell sind“, betont Lück. Die Pflege ist entsprechend aufwendig. Dennoch zeichnet sich ab, dass die Mappe langfristig verstetigt werden kann, auch wenn es für konkrete Erfolgsmeldungen (noch) zu früh ist. Doch auch unabhängig davon lohnt sich der Einsatz: „Es macht mich immer sehr zufrieden, wenn jemand über die Mappe in ein passendes Lernangebot gekommen ist“, betont Lück, „und dabei keine drei oder vier Anläufe nehmen musste.“