Neues Selbstlernmodul „Alphabetisierung und geringe Literalität“ der Bundesagentur für Arbeit

Drei Illustrationen zeigen mögliche Anzeichen geringer Literalität im Jobcenter: Orientierung trotz Einladung, ignorierte Öffnungszeiten sowie fehlende Unterlagen und versäumte Termine. © Bundesagentur für Arbeit
Screenshot aus dem Selbstlernmodul

Immer wieder kommen Mitarbeitende der BA in ihrer täglichen Arbeit mit gering literalisierten Erwachsenen in Kontakt. Viele Kundinnen und Kunden sprechen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben jedoch nicht von sich aus an, sodass Unterstützungsbedarfe unerkannt bleiben oder Vermittlungsprozesse erschwert werden. Denn ausreichende Grundkompetenzen sind eine wichtige Voraussetzung für Beschäftigungs- und Qualifizierungsfähigkeit.

Um ihre Mitarbeitenden in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen und für Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben bei Erwachsenen zu sensibilisieren, entschloss sich die BA zu einer Kooperation mit Lernende Region – Netzwerk Köln e.V., ein Verbundpartner des Kompetenzzentrums GrundbildungsPFADE.

„In den Jobcentern und Agenturen für Arbeit versteckt sich geringe Literalität bei Kundinnen und Kunden manchmal hinter Aussagen wie ‚Mit Computern kenne ich mich gar nicht aus‘ oder ‚Füllen Sie doch bitte das Formular für mich aus, ich habe meine Brille vergessen‘. An solchen Stellen achtsam zu sein, sensibel anzusprechen sowie passende Netzwerkpartner und ihre Angebote zu kennen – all das und noch mehr ist Teil unseres Lernprogramms, das wir in enger Zusammenarbeit mit den Fachexperten der Lernenden Region – Netzwerk Köln e.V. umgesetzt haben“, erklärt Daniel Elferich von der Bundesagentur für Arbeit: „Ein gutes Produkt erkennt man an den Details, zum Beispiel in Form von fachlich fundierten Formulierungen. Die Zusammenarbeit empfanden wir daher als gewinnbringend und sehr erfolgreich.“

„Wer geringe Literalität erkennt, kann wirksamer unterstützen“

Zunächst entwickelten beide Partner mit Unterstützung eines externen Dienstleisters das Selbstlernmodul „Alphabetisierung und geringe Literalität“. Es ist seit Frühjahr 2026 in der internen BA-Lernwelt verfügbar und damit dauerhaft in den bestehenden Lern- und Qualifizierungsstrukturen der BA verankert. Unter dem Motto „Erkennen, Ansprechen, Handeln“ lernen u.a. Integrationsfachkräfte, mögliche Anzeichen geringer Literalität wahrzunehmen, das Thema wertschätzend anzusprechen und regionale Unterstützungsangebote einzubeziehen.

„Wer geringe Literalität erkennt, kann wirksamer unterstützen. Das Selbstlernmodul schafft daher Wissen, Sensibilität und Orientierung für die Beratungspraxis", betont André Hamann. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Lernenden Region – Netzwerk Köln e.V. und war als Mitglied des Kompetenzzentrums GrundbildungsPFADE an der Entwicklung beteiligt.

Im Vorfeld führte die BA mehrere Online-Thementage zu geringer Literalität für Führungskräfte der Jobcenter durch. Dort wurde das geplante Selbstlernmodul vorgestellt und beworben; Lernende Region – Netzwerk Köln e.V. war mit eigenen Beiträgen zu bestehenden Angeboten und Netzwerken inhaltlich in die Thementage eingebunden. Damit trugen die Thementage dazu bei, auch Führungskräfte für die Bedeutung von Alphabetisierung und Grundbildung zu sensibilisieren.

Als Bestätigung für die Arbeit der Beteiligten gewann das Selbstlernmodul auch bereits einen Preis: Beim 31. Comenius EduMedia Award wurden die beteiligten Organisationen in der Kategorie „Bildungsmedien für eine nachhaltige Entwicklung (BMN)“ mit dem Comenius-GreenUp-Siegel ausgezeichnet.