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Das jährliche Austauschtreffen machte durch das vielfältige Programm deutlich, wie umfassend das Thema Alphabetisierung und Grundbildung im Rahmen der AlphaDekade bearbeitet wird – von niedrigschwelligen Lern- und Beratungsangeboten über die Unterstützung von Fach- und Beratungskräften bis hin zur systematischen Auseinandersetzung mit den Wirkungen von Projektarbeit.
Mehrgenerationenhäuser - wichtiges Standbein der Alphabetisierung und Grundbildung
Den Start machte Diana Semmler vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). Sie stellte Ergebnisse aus dem Monitoring des Sonderschwerpunkts „Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen“ vor, der seit 2018 im Rahmen des Programms des „Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus“ durchgeführt wird.
Frau Semmler zeigte darüber hinaus auch die vielfältigen Begleitmaßnahmen auf, die das BAFzA seit 2018 für die Mehrgenerationenhäuser durchführte. Diese reichten von Informations- und Sensibilisierungsmaßnahmen über Online-Seminare und Workshops bis hin zu einem Imagefilm. Herauszuheben ist zudem die digitale Broschüre „Praxisbeispiele zur Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen Erwachsener“. Sie beinhaltet Erfahrungen, Ideen und Ansätze aus dem Netzwerk der MGH.
Wichtigstes Thema im Jahr 2026 war die auslaufende Förderung des Sonderschwerpunkts mit Ende der AlphaDekade. Dazu organisierte das BAFzA verschiedene Veranstaltungen. Eine der zentralen Fragen, über die sich die Teilnehmenden austauschen konnten, war: Welche aufgebauten Netzwerke und Angebote können die Mehrgenerationenhäuser im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterführen?
Beratungsmappe unterstützt Fachkräfte bei der Verweisberatung
Andreas Lück vom Projekt GrundBildungsBrücken Hamburg (GBHH) stellte die Hamburger Grundbildungs-Beratungsmappe vor. Sie wurde entwickelt, um Fachkräfte zu unterstützen, deren Arbeitsschwerpunkt nicht in der Alphabetisierung und Grundbildung liegt, die aber regelmäßig mit Menschen mit Grundbildungsbedarf in Kontakt kommen.
Die Mappe enthält unter anderem Informationen zum Erkennen und Ansprechen von geringer Literalität und einen Einschätzungsbogen zu Grundkompetenzen. Das zentrale Element ist eine Übersicht über kostenlose Lernangebote in Hamburg, die vier Zielgruppen zugeordnet und farblich gekennzeichnet sind. So steht Grün beispielsweise für Erwachsene mit Deutsch als Erstsprache, die ihre Lese- und Schreibkompetenzen verbessern möchten. Blau kennzeichnet Angebote für Menschen mit Deutsch als Zweitsprache, die sich gut verständigen können und ihre schriftsprachlichen Fähigkeiten ausbauen wollen. So können Beratende passende Angebote schnell identifizieren.
Die Beratungsmappe wird inzwischen breit genutzt. Seit ihrer Veröffentlichung im April 2024 wurden mehr als 22.000 Zugriffe auf die digitale Standortübersicht verzeichnet. Nachfrage besteht vor allem von Jobcentern, Einrichtungen der sozialen Arbeit, Bildungsträgern und Mehrgenerationenhäusern. Zudem erreichten das Projekt Anfragen aus mehreren Bundesländern, nach Baden-Württemberg und Berlin wird die Mappe regional angepasst transferiert. Sie eignet sich zusätzlich auch als „Türöffner“, um mit Institutionen ins Gespräch zu kommen.
Die Erfahrungen zeigten, so Lück, aber auch, dass ein solches Instrument dauerhaft gepflegt werden müsse. Der Nutzen hänge wesentlich von der Aktualität der aufgeführten Angebote ab. In Hamburg ist die zukünftige Nutzung inzwischen gesichert, die Koordinierungsstelle der Hansestadt wird diese weiterführen.
Wirkungsorientierung in der Grundbildungsarbeit
© Kompetenzzentrum GrundbildungsPFADE
Frau Dr. Sabine Schwarz vom Kompetenzzentrum GrundbildungsPFADE gab Einblicke in die wirkungsorientierte Begleitung von Projekten. Dabei beschrieb sie Wirkungsorientierung als Begleitprozess, in dem sich der Blick vom „Was machen wir?“ zum „Was soll sich dadurch verändern?“ verschiebe.
Das Kompetenzzentrum unterstützt die zehn regionalen Projekte während der Förderlaufzeit bei der wirkungsorientierten Ausrichtung ihrer Arbeit. Zu dieser „Wirkungsreise“ gehören die Punkte „Herausforderung und Bedarfe verstehen“, „die Entwicklung einer eigenen Wirkungslogik“, die „Vorbereitung und Umsetzung einer Wirkungsanalyse“ und die „Nutzung der Ergebnisse dieser Wirkungsanalyse“. Frau Dr. Schwarz betonte, dass diese „Wirkungsreise“ kein linearer Prozess sei, sondern die einzelnen Schritte immer wieder überprüft und rückgekoppelt würden.
Im anschließenden Teil ihres Vortrags ging Frau Dr. Schwarz auf die übergreifenden Erkenntnisse ein, die das Kompetenzzentrum durch die Arbeit mit den regionalen Projekten gewinnen konnte.
Sie erklärte, dass Wirkung auf mehreren Ebenen entstehe:
- auf der individuellen Ebene (Lernende)
- auf der organisationalen Ebene (Lehrende/Fachkräfte/Multiplikatorinnen und Multiplikatoren)
- auf der System- /Strukturebene
Nachhaltige Wirkung, so Dr. Schwarz, entstünde dort, wo Veränderungen auf mehreren Ebenen zusammenwirkten.
Zudem habe sich gezeigt, dass es nicht die eine Zielgruppe in der Grundbildung gebe und es nicht nur einen Weg in die Grundbildung gebe. Die Projekte der Förderrichtlinie „Grundbildungspfade“ adressierten insgesamt 26 verschiedene Zielgruppen, die unterschiedliche Lebenslagen, Lernvoraussetzungen und Unterstützungsbedarfe hätten.
Frau Dr. Schwarz ging zudem darauf ein, dass sich sieben verschiedene Handlungsansätze aus der Arbeit der Projekte herauskristallisierten. Diese würden häufig kombiniert, daher ließen sich daraus keine verschiedenen „Projekttypen“ ableiten.
Als Fazit erklärte Frau Dr. Schwarz, dass ein wirkungsorientierter Ansatz insbesondere in Zeiten eines erhöhten Legitimationsdrucks Chancen für die Grundbildung böte. So könne man selbstbewusster über seine Arbeit sprechen, wenn man deren Wirkung beschreiben, aber auch deren Grenzen deutlich machen könne.
Entwicklungen aus den Ländern
In der abschließenden offenen Runde berichtete Knut Becker von der Fachstelle für Grundbildung und Alphabetisierung Baden-Württemberg über die positiven Entwicklungen im Projekt „Grundbildung am Bodensee“. Dort wurde die Kooperationsvereinbarung um zwei Jahre verlängert. Im Projekt arbeiten das Jobcenter Bodenseekreis und die Volkshochschule Friedrichshafen gemeinsam daran, gering literalisierte Erwachsene in sozialversicherungspflichtige Arbeit zu bringen.
Mehr zum Projekt findet sich in der Handreichung „Arbeitsorientierte Grundbildung“ der Fachstelle sowie auf der Website der Servicestelle SGBII.