Rückblick und Ausblick: Ein Jahr auf dem „Grundbildungspfad“

Zwei Personen sprechen bei einer Veranstaltung vor einem Bildschirm, der eine illustrierte Crew auf einem Schiff zeigt. Der Text auf dem Bildschirm lautet 'Crew an Deck, Route steht, Boarding begonnen'. Der Raum ist mit Teilnehmenden besetzt. © Koordinierungsstelle AlphaDekade
Dr. Johannes Bonnes und Dr. Sabine Schwarz rekapitulierten die bisherige Laufzeit der Projekte

Ein Jahr nach dem erfolgreichen Kick-off bot die zweitägige Veranstaltung eine Gelegenheit, die gesammelten Erfahrungen auszutauschen, Herausforderungen zu reflektieren und Handlungsansätze für die Gestaltung und Weiterentwicklung der Grundbildungspfade in den kommenden Monaten und Jahren zu diskutieren. Dr. Gudrun Steeger, zuständige Referentin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), dankte in ihrem Grußwort allen Beteiligten für die bisher geleistete Arbeit. Die Motivation sei hoch, im Rahmen der Förderrichtlinie neue Wege zu beschreiten und nebeneinanderstehende Angebote zu längeren Grundbildungspfaden zusammenzuführen. Darüber hinaus thematisierte Frau Dr. Steeger auch die Evaluationsergebnisse der Startphase der Förderrichtlinie sowie eine mögliche Anschlussperspektive für die geförderten Projekte.

Grundbildung in Pfaden gestalten – ein Reisebericht aus dem letzten Jahr

Seit dem Beginn der Förderlaufzeit haben die geförderten Projekte einen arbeitsintensiven Weg zurückgelegt – und das Kompetenzzentrum „GrundbildungsPFADE“ blickte zu Beginn der Veranstaltung auf diese „Reise“ zurück. Dabei stellten die Referierenden heraus: Die Gestaltung von Grundbildungspfaden ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Einerseits hätten die Projekte viele Freiheiten in der Ausgestaltung, andererseits zeigten sich auch große Unsicherheiten. Insbesondere weil viele Projekte Neuland beträten und es keine fertigen Lösungen gebe.

Das Kompetenzzentrum betonte jedoch, dass der Entwicklungsspielraum genutzt werde und die Zwischenergebnisse nach einem Jahr ermutigend seien. So seien inzwischen bspw. neue Netzwerke entstanden, bestehende Netzwerke ausgebaut und Websites und Newsletter eingerichtet worden. Darüber hinaus hätten die verschiedenen Projekte ihre Arbeit auf Netzwerktreffen und Tagungen sowie in Fachartikeln und Publikationen vorgestellt. Allerdings seien auch weiterhin Herausforderungen zu bewältigen, bspw. durch Kürzungen bei Maßnahmen für Langzeitarbeitslose oder Integrationskursen.

Zum Abschluss gab das Kompetenzzentrum noch einen Einblick in die eigene Arbeit des vergangenen Jahres. Das Metavorhaben führte seit dem Start unter anderen die erste Welle der Netzwerkanalyse durch, entwickelte und startete erstmals das Professionalisierungsangebot mit den Schwerpunkten „Grundbildungsberatung“ und „Netzwerkkoordination“, installierte eine neue Website sowie einen Newsletter und etablierte verschiedene Austauschformate wie Werkstattgespräche, Dialogforen oder individuelle Beratungen vor Ort.

Vier Workshops zu übergreifenden Themen

In vier parallelen Workshops arbeiteten die Teilnehmenden anschließend an projektübergreifenden Fragestellungen.

Workshop 1: Grundbildungspfade – Blick auf Lücken und Übergänge

Der Workshop setzte sich damit auseinander, Grundbildungspfade so zu gestalten, dass Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen Zugang zu passenden Angeboten erhalten und sich in bestehenden Unterstützungsstrukturen orientieren können. Wichtige Impulse lieferten die drei Projekte Mind the GAP, Zukunftswege und GrubiTZ. Ihre Analysen stützen alle drei Projekte auf Daten, die sowohl aus der der Auswertung der Teilnehmendenperspektive wie auch den Einschätzungen von Netzwerkpartnern gewonnen wurden.  

Für Mind the GAP bildet das Erkennen und Abbauen von Lernhemmnissen die zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Literalisierung, insbesondere bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Wichtig sei dafür auch die Sensibilität des Bildungspersonals sowie eine kontinuierliche Begleitung der Lernenden und die Vermittlung von System- und Orientierungswissens an sie. Befragungen zeigten zudem, dass sich junge Erwachsene häufig „von Stelle zu Stelle geschickt“ fühlen, ohne individuell gehört oder begleitet zu werden.

GrubiTZ berichtete, dass knapp die Hälfte der befragten Teilnehmenden in Integrationskursen das angestrebte Sprachniveau (B1) nicht erreichten. Dies kann auch den BAMF-Statistiken entnommen werden1. Einen möglichen Grund sieht das Projekt im unzureichenden bzw. trägergebundenen Sprachkompetenz-Screening. In der Konsequenz können etwa Menschen mit Alphabetisierungsbedarf nicht in die für sie passenden Kurse einmünden (Integrationskurs mit Alphabetisierung), sondern nehmen ohne realistische Erfolgsaussicht an regulären Integrationskursen teil. Diskutiert wurde die Bedeutung eines trägerneutrales Sprach-Screenings mit anschließender Vermittlung in ein passendes Angebot. Eine solche Trennung würde verhindern, vorhandenen Angebotsstrukturen vermitteln. Als Best Practice wurde auf Bayern verwiesen, die in der Stadt Nürnberg eine solche zentrale Anlaufstelle eingerichtet haben.2

Zukunftswege betonte die Bedeutung flexibler, niedrigschwelliger und sozialpädagogisch begleiteter Wege in Ausbildung oder Beschäftigung für erfolgreiche Bildungspfade bei jungen Erwachsenen ohne Schulabschluss. Wertschätzender Umgang, Beziehungsarbeit und konstante Bezugspersonen sorgten gerade bei jungen Menschen für mehr Sicherheit und Orientierung und seien damit zentrale Erfolgsfaktoren, vor allem für die Übergänge zwischen verschiedenen Angeboten.

Viele der geschilderten Herausforderungen fanden sich auch in den Erfahrungen der Workshopteilnehmenden wieder. Die Diskussion verdeutlichte, dass Barrieren häufig erst sichtbar werden, wenn individuelle Bildungswege detailliert analysiert werden – etwa durch Personas oder grafisch aufbereitete und visualisierte Bildungsbiografien. Dabei treten sowohl individuelle als auch institutionelle Hindernisse zutage: lange Wartezeiten, fehlende Informationen, unklare Zuständigkeiten oder Zufallskontakte, die über Bildungsverläufe entscheiden können. Zusätzlich wurde als Problem benannt, dass ursprünglich eingeplante Angebotsstrukturen aufgrund kommunaler Budgetkürzungen wegfallen. Damit stellen sie zum einen keine verlässlichen Pfadpunkte mehr dar und können andererseits die Wirksamkeit der neu erarbeiteten Projektangebote negativ beeinflussen.

In der anschließenden Kleingruppenarbeit sammelten die Workshopteilnehmenden weitere Hürden und Barrieren sowie Lösungsansätze für gelungen gestaltete Grundbildungspfade. Die Ergebnisse der Gruppenarbeit wurden in der nachträglich ergänzt. Auch äußerten die Teilnehmenden ein großes Interesse an der Fortführung des projektübergreifenden Austauschs zum Thema und der Entwicklung gemeinsamer Produkte – wie z.B. der grafischen Darstellung von Bildungsbiografien.

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1 https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Statistik/BundesamtinZahlen/bundesamt-in-zahlen-2024.pdf

2 https://www.nuernberg.de/internet/integration/zambe.html

Workshop 2: Jobcenter & Co im Blick – Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung stärken

Der Workshop richtete den Fokus darauf, wie Projekte Jobcenter (JC) und Agenturen für Arbeit (AA) als kontinuierliche Partner für arbeitsorientierte Grundbildung gewinnen können. Gleich zu Beginn zeigte eine Einstiegsabfrage, dass die Teilnehmenden der Zusammenarbeit mit beiden Institutionen überwiegend optimistisch gegenüberstehen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Projekte noch nicht überall eine klaren Zugangsmöglichkeit haben und mögliche Ansatzpunkte nicht immer eindeutig erkennbar oder vorhanden sind.

Ein Impulsvortrag bot zunächst einen Überblick über den Aufbau und die Strukturen von JC und AA.

In Kleingruppen arbeiteten die Teilnehmenden anschließend an zwei Thementischen weiter:

  • Netzwerkanalyse: Die Gruppen visualisierten bestehende Netzwerkpartner von JC und AA und hielten fest, welche Kontakte die Projekte bislang zu diesen Institutionen aufgebaut haben und welche offenen Kontaktpunkte existieren.
  • Stakeholderanalyse: Die Teilnehmenden sammelten relevante Funktionen, Personen und Abteilungen innerhalb der Jobcenter und reflektierten, wo bereits Austausch stattfindet und wie eine Kontaktaufnahme zu spezifischen Themen künftig gelingen kann.

Zum Abschluss präsentierte Andreas Lück (GrundbildungsBrücken Hamburg) die Hamburger Grundbildungs-Beratungsmappe und demonstrierte, wie deren gezielte Implementierung in Jobcenter-Strukturen als wirksamer Ansatz für eine langfristige Zusammenarbeit dienen kann.

Der Workshop machte deutlich: Erfolgreiche Kooperationen entstehen, wenn Projekte das System und dessen Aufbau verstehen, strategisch analysieren und themenorientierte Ansprachestrategien für den Kontaktaufbau gezielt einsetzen.

Workshop 3: Kompetenzen und Kompetenzentwicklung – Instrumente und Strategien

Im Workshop 3 standen die Erfahrungen von Teilnehmenden mit Verfahren und Instrumenten zur Kompetenzfeststellung im Vordergrund. Das Thema „Kompetenzen und Kompetenzentwicklung“ findet bei Grundbildungspfad-Projekten ein hohes Interesse, wie eine Abfrage des Kompetenzzentrums GrundbildungsPFADE auch gezeigt hatte. So war es wenig überraschend, dass bei der Einstiegsfrage „Wer hat bereits Tools zur Kompetenzfeststellung eingesetzt bzw. plant dies?“ sich viele Teilnehmende meldeten.

In Ihren Impulsbeiträgen gaben Madlen Butkewitz (Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft; Projekt Zukunftswege), Dominique Dauser (Forschungsinstitut Betriebliche Bildung; Projekt AoG-plus-TQ) und Dr. Regina Ryssel (Humboldt Universität Berlin; Projekt GriPS) Einblicke in die Relevanz von Kompetenzfeststellungen in ihrer Projektarbeit und berichteten von Erfahrungen mit Ansätzen und Tools. Dabei wurden Chancen und Grenzen von Verfahren deutlich. Kompetenzfeststellungen lassen sich mit verschiedenen Zielsetzungen verbinden, u.a. kann es um die Einstufung von potenziellen Teilnehmenden für ein bestimmtes Lernangebot gehen oder um die Bescheinigung eines Zertifikats. Im Kontext der Grundbildungspfade ist eine weitere Zielsetzung wichtig: Kompetenzlücken bei der Zielgruppe identifizieren und darauf aufbauend Maßnahmen zur Lückenfüllung einleiten. Allerdings ist auch festzuhalten, dass viele Tools einseitig sind. Oft werden Kompetenzen gemessen, die sich lediglich auf das Sprachniveau beziehen. Damit bleiben berufliche Kompetenzen einer Person mit Deutsch als Zweitsprache außer Acht, die häufig formal nicht dokumentiert, aber de facto vorhanden sind.   

In der Diskussionsrunde waren sich die Teilnehmenden über die Notwendigkeit einig, dass bestehende Testverfahren auf Individuen heruntergebrochen werden müssen. Denn eine dem Test unterzogene Person macht damit Erfahrungen, oft auch negative. Diese gilt es zu vermeiden. In einem weiteren Aspekt gab es ebenfalls Einigkeit: Wenn Kompetenzfeststellungen zielführend sein sollen, reicht es nicht aus nur die Zielgruppe der gering Literalisierten im Blick zu haben. Lehrkräfte haben oft nicht die Kapazitäten sich mit dem einzusetzenden Verfahren zu befassen. Daher sollten sie auch in die Überlegungen und Planungen einbezogen werden.  

Zum Abschluss arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen zusammen. Aufgabe war es, im Anschluss an die Impulse gemeinsame Anschlussfragen zu entwickeln und zur Diskussion zu stellen. Insbesondere bei einer Fragestellung, die sich auf das Wie von Feststellung arbeitsmarktrelevanter Kompetenzen bezog, gab es einen hohen Gesprächsbedarf in der großen Runde. Denn wie Erfahrungen mit gering Literalisierten häufig zeigen, stecken diese Menschen in einer fatalistischen Haltung und stehen sich somit vor besonderen Hürden auf dem Weg ins Berufsleben.

Die Frage danach, wie bestehende Verfahren weiterentwickelt werden können, soll in einer Fach- und Entwicklungsgruppe aufgegriffen werden, die vom Kompetenzzentrum geplant wird.

Workshop 4: Transfer – Wann, Wohin, Wie?

Im Workshop 4 tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, wie Ergebnisse aus den regionalen Projekten in andere Kontexte wie kommunale Bildungsstrukturen, bestehende Weiterbildungsangebote oder Landesstrategien überführt werden können. Der Begriff „Transfer“ kann dabei verschiedene Dimensionen haben: So können zum Beispiel Angebotsformate oder Curricula von einem Bildungsträger zum anderen oder in andere Regionen transferiert werden oder Erfahrungen und Ansätze an andere Bildungseinrichtungen und Akteure weitergegeben werden. Auch die Überführung von Grundbildungsangeboten in Regelsystemen (z.B. Arbeitsförderung) kann eine Form des Transfers sein.

Anhand von drei Leitfragen erarbeiteten die Projekte, welche Ergebnisse an welche Transfernehmer in ihren Vorhaben weitergegeben werden sollen, welche Strategien dafür eingesetzt werden können und welche Erfolge sowie Hürden es dabei gibt. Deutlich wurde in der Diskussion, dass im Transferprozess die regionalen Voraussetzungen unterschiedlich sind und nicht jeder Transferprozess linear verläuft.

Großer Gesprächsbedarf entwickelte sich bei der Frage nach den Transferstrategien und die Rolle der eigenen Netzwerkpartner. Die Teilnehmenden identifizierten die frühzeitige Einbindung der potenziellen Transfernehmer als ein wichtiges Erfolgskriterium. Diese sollten sich im besten Fall „verantwortlich“ fühlen, die Projekte sollten zudem die unterschiedlichen Bedürfnisse der Zielgruppen berücksichtigen und die ganz konkreten Chancen für den jeweiligen Partner gezielt herausstellen.

Die Teilnehmenden berichteten von ersten erfolgreichen Beispielen, etwa der Überführung der „Grundbildungsberatungsmappe“, die als Best Practice für die Entwicklung von Beratungsstrukturen dient, von Hamburg nach Berlin. In Offenbach soll Grundbildung zukünftig im kommunalen Bildungsbericht integriert werden. Positiv bewerteten die Teilnehmenden das generelle Interesse an den Projektergebnissen. Schwierig sei jedoch, dass es bei den Netzwerkpartnern teilweise keine hauptamtlichen Ansprechpersonen gebe und Grundbildung nicht immer die höchste Priorität genieße. Einig waren sich die Teilnehmenden in der abschließenden Runde, dass Transfer ein herausfordernder und vielschichtiger Prozess ist, bei dem es einen langen Atem braucht und bei dem man aber in seinen Bemühungen nicht nachlassen dürfe.

Fishbowl-Diskussion: Grundkompetenzen vs. Zukunftskompetenzen?

Menschen beim Diskutieren in einem kleineren Kreis. Außenherum sitzen Menschen in einem größeren Kreis © Koordinierungsstelle AlphaDekade

Zum Abschluss des ersten Tages diskutierten die Teilnehmenden über die spannende Frage: Reichen Grundkompetenzen für eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration aus – oder braucht es neue Zukunftskompetenzen? Das Thema war nach einer Community-Abfrage ausgewählt worden und sorgte für einen lebhaften Austausch im Fishbowl-Format. Interessante Beiträge gab es beispielsweise zur Frage, was denn überhaupt Zukunftskompetenzen seien. So berichtete eine Teilnehmende, dass Lesen, Schreiben und Rechnen nicht mehr ausreichten, um in der modernen Arbeitswelt zurechtzukommen. Dieses Ergebnis hätte sich im Rahmen einer gemeinsamen Analyse mit Arbeitgebern gezeigt. Vielmehr sei die Fähigkeit, mit Neuem umzugehen, von entscheidender Bedeutung – eine Kompetenz, bei der auch gering literalisierte Erwachsene unterstützt werden müssten. Gleichzeitig wurde aber auch die Frage aufgeworfen, ob die Integration in den Arbeitsmarkt überhaupt zum „Kerngeschäft“ von Akteuren aus der Alphabetisierung und Grundbildung gehöre – oder ob dies nicht Aufgabe anderer Organisationen sei.

Andere Wortmeldungen hoben hervor, wie wichtig es sei, Erfahrungen im Kontext von Selbstwirksamkeit zu fördern, da diese auch die Persönlichkeitsentwicklung stärken. Dies sei ein zentrales Ziel der Alphabetisierung und Grundbildung. Daher müsse das Individuum immer im Mittelpunkt stehen, und es müsse unterstützt werden, selbst Ziele zu entwickeln. Es wurde auch die Frage aufgeworfen, ob sich nicht auch die Zielgruppen bei der Vermittlung neuer Kompetenzen ändern würden.

PIAAC-Ergebnisse zu ausgewählten Zielgruppen

Zu Beginn des zweiten Tages stellte Dr. Johannes Bonnes in seinem Vortrag zunächst kurz die Hintergründe, Ziele und Grenzen der PIAAC-Erhebung (Programm for the International Assessment of Adult Competencies) vor. Neben den Kompetenzen von Erwachsenen (16-65 Jahre) in den Bereichen Lesen, Alltagsmathematik und adaptives Problemlösen werden mittels eines umfangreichen Hintergrundfragebogens soziodemographische Informationen sowie Daten zur formalen Bildung, Weiterbildung, Erwerbstätigkeit etc. erhoben.

PIAAC ermöglicht keine Differenzierung der Daten in Bezug auf die Bundesländer oder auf die regionale Ebene; ebenso werden keine Schreibkompetenzen und informelle Lernprozesse berücksichtigt. Darüber hinaus sind Erwachsene mit Grundbildungsbedarf (PIAAC-Stufe 1 und darunter) in der Stichprobe unterrepräsentiert, wodurch sich bei den Merkmalkombinationen der Zielgruppen der Verbundvorhaben nur sehr geringe Fallzahlen ergeben. Hier könne man sich allenfalls annähern, so Dr. Bonnes. Er zeigte anschließend die Entwicklung der Kompetenzen in den Bereichen Lesen und Rechnen zwischen den beiden PIAAC-Zyklen (2012 und 2023).

Insgesamt lässt sich bei allen Zielgruppen eine Degression feststellen, insbesondere bei den Geringqualifizierten mit einer anderen Erstsprache als Deutsch. In der anschließenden Diskussion wurde thematisiert, wie man die Daten für die Kommunikation mit Netzwerkpartnern nutzen kann. Es wurde deutlich, dass die höheren PIAAC-Zahlen im Vergleich zu den LEO-Ergebnissen Erläuterungen benötigen. So haben sich verschiedene Faktoren wie die Pandemie oder die Zuwanderung aus der Ukraine auf die PIAAC-Ergebnisse ausgewirkt.

Foren zur Wirkungsorientierung und Öffentlichkeitsarbeit

Zum Ende des Vernetzungstreffen standen noch zwei Foren auf dem Programm. Im Forum 1 wurden die Werkstattgespräche zur Wirkungsorientierung fortgeführt. Die Moderatorinnen gaben zunächst einen kurzen Überblick über den Stand der Entwicklung von projektbezogenen Wirkungslogiken. Mithilfe einer Aufstellung klärten die Moderatorinnen anschließend noch bestehende Fragen der Teilnehmenden zu den einzelnen Begriffen des wirkungsorientierten Ansatzes. Im Folgenden erarbeiteten die Teilnehmenden in drei Arbeitsgruppen anhand von unterschiedlichen Fallbeispielen konkrete Formulierungen für

  • das gesellschaftliche Problem, das verändert werden soll,
  • den Bedarf der jeweiligen Zielgruppe und
  • den Impact, also die angestrebten langfristigen Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene.

Als Arbeitshilfe wurden den Teilnehmenden Checklisten für die drei Aufgaben an die Hand gegeben. Die Arbeitsgruppen stellten ihre jeweiligen Ergebnisse auf einer Metaplanwand zusammen und diskutierten sie mit den anderen.  

Es wurde deutlich, dass gesellschaftliches Problem und Impact in einem engen Wechselverhältnis stehen. Die Formulierung eines gesellschaftlichen Problems sowie die Formulierung der angestrebten Veränderung auf der gesellschaftlichen Ebene des Impacts müssen in Bezug zueinanderstehen. Der Impact ist dabei durchaus gleichzusetzen mit der Lösung bzw. der Verbesserung des identifizierten gesellschaftlichen Problems. Die Projekte können in diesem Zusammenhang auch gut überprüfen, ob sie mit ihrem Ansatz angemessen und wirkungsorientiert auf das identifizierte gesellschaftliche Problem reagieren.

Rund um das Thema Öffentlichkeitsarbeit und Communitymanagement ging es im zweiten Forum. In abwechslungsreichen Formaten arbeiteten die Teilnehmenden zu verschiedenen Aspekten des Themas. Kreative Ideen gab es gleich zu Beginn, als die Teilnehmenden einen zufälligen Gegenstand zogen und sich dazu spontan mögliche öffentlichkeitswirksame Aktionen überlegten.

In drei „Speed-Debating-Runden“ tauschten sich die Teilnehmenden anschließend zu fünf Leitfragen aus und reflektierten so ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit in den Bereichen Maßnahmen, Zielgruppen, Ziele, Formate und Kanäle sowie Akteure/Rollen. Danach notierten die Beteiligten wichtige Beobachtungen auf Pinnwänden und diskutierten einzelne Punkte mit der gesamten Gruppe. Zum Abschluss stellten die Moderierenden noch verschiedene Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit vor und wiesen auf Unterstützungsangebote durch das Kompetenzzentrum und die Koordinierungsstelle hin.

Die regionalen Projekte und das Kompetenzzentrum haben zwischen August und Oktober 2024 ihre Tätigkeiten aufgenommen und arbeiten in den kommenden Jahren daran, die Strukturen für Grundbildung vor Ort auf- bzw. auszubauen.

Ziele der BMBFSFJ-Förderung sind unter anderem:

  • der Auf- und Ausbau von Grundbildungsnetzwerken vor Ort,
  • die Verbesserung der Zusammenarbeit der relevanten Akteure,
  • der Ausbau von Beratungs- und Angebotsstrukturen sowie
  • die Entwicklung und Erprobung von modellhaften Grundbildungspfaden.

Mehr Informationen zu Zielen und Ausrichtung des Förderschwerpunkts finden Sie auf unserer Themenseite.