ABAG II - Arbeitsorientierte Grundbildung aus einem Guss

ABAG II konzipiert für und mit Unternehmen individuell zugeschnittene und zielgruppenspezifische Angebote der arbeitsorientierten Grundbildung – aus einer Hand und zum Vorteil aller. Zwei Projektpartner setzen arbeitsteilig das Projekt um: Lernende Region – Netzwerk Köln e.V. ist dabei Ansprechpartner für die Unternehmen und übernimmt das Bildungsmanagement der Angebote. Zudem werden wichtige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wie etwa Personalverantwortliche sensibilisiert und professionalisiert. Die Universität zu Köln begleitet das Projekt wissenschaftlich und untersucht die Wirkung der Angebote auf die Lernenden und das Wissen und Können der Lehrenden.

ABAG II

Arbeitsorientierte Grundbildung ist häufig nicht Teil der Personalentwicklung in Unternehmen

Lernende Region – Netzwerk Köln beschäftigt sich seit 2008 mit den Themen Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener. Seit 2012 setzt der Verein im Projekt „Arbeitsplatzbezogene Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“ erfolgreich mit Unternehmen unterschiedlicher Größe und aus verschiedenen Branchen Alphabetisierungs- und Grundbildungsangebote um.  

Aus den bisherigen Erfahrungen lässt sich ableiten, dass die inhaltlichen Schwerpunkte der Angebote in der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung zielgruppenunabhängig und branchenübergreifend ähnlich sind. Diese beziehen sich auf:

  • mündliche und schriftliche Sprachkompetenzen
  • Rechenkompetenzen
  • Kompetenzen im Umgang mit IT
  • Basiskompetenzen in Englisch
  • Gesundheitskompetenzen
  • finanzielle Grundbildungskompetenzen
  • Schlüsselkompetenzen

Oft müssen die Verantwortlichen im Unternehmen von der Notwendigkeit und dem Nutzen solcher Angebote für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überzeugt werden. Dafür fehlen jedoch bislang belastbare Aussagen darüber, ob und wie entsprechende Maßnahmen in Unternehmen wirken. Für Lehrende ist das Arbeitsfeld „Unternehmen“ eine besondere Herausforderung. Sie müssen beispielsweise ohne feste Curricula arbeiten. Grundsätzlich müssen Lernangebote immer sowohl spezifische organisatorische wie auch inhaltliche Anforderungen des Unternehmens berücksichtigen.

Das Ziel: Grundbildung nachhaltig in der Personalentwicklung von Unternehmen etablieren und Akteure in diesem Bereich professionalisieren

Zur Erreichung dieses Ziels stellen sich die Projektpartner in dem Transferprojekt „ABAG²“ die Aufgabe, zu folgenden Fragestellungen Erkenntnisse zu gewinnen:

  • Wie lassen sich die Adressatinnen und Adressaten von arbeitsplatzbezogenen Alphabetisierungs- und Grundbildungsmaßnahmen genauer und differenzierter beschreiben?
  • Welche Effekte erzielen die Lernangebote und wie lassen sich diese finanzieren?
  • Was braucht es, damit Grundbildung ein Bestandteil der Personalentwicklung wird?
  • Was sind Merkmale guter Lehre in diesem speziellen Feld und welche Anforderungen müssen Trainerinnen und Trainer erfüllen?

Teilprojekt 1: Konzepte, Professionalisierung, Sensibilisierung und Marketing

Hauptbestandteil der Projektarbeit vom Verein Lernende Region – Netzwerk Köln ist die Entwicklung von Konzepten zu arbeitsplatzorientierten Alphabetisierungs- und Grundbildungsangeboten. Dabei werden die Besonderheiten der unterschiedlichen Zielgruppen – wie gering qualifizierte Beschäftigte, Auszubildende, Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter sowie leistungseingeschränkte Beschäftigte – berücksichtigt. Die Erfahrungen und Ergebnisse werden zielgruppen- bzw. branchenspezifisch für Publikationen aufbereitet.

Im Bereich der Professionalisierung und Sensibilisierung werden verschiedene Bildungsformate entwickelt, erprobt, evaluiert und publiziert. Adressatinnen und Adressaten der Bildungsformate sind Personalverantwortliche in Unternehmen, Beschäftigte bei Weiterbildungsträgern, freiberufliche Trainerinnen und Trainer, Beraterinnen und Berater sowie weitere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die in ihren jeweiligen Arbeitskontexten Kontakt zu den Zielgruppen haben. Gemeinsam mit der Universität zu Köln werden zudem Studierende der Erwachsenenbildung in Seminarangeboten adressiert. Diese unterschiedlichen Gruppen sollen durch die Teilnahme an den jeweiligen Bildungsformaten in die Lage versetzt werden, Alphabetisierung und Grundbildung als Bestandteil ihres eigenen beruflichen Handelns in die Praxis umzusetzen. Studierende der Erwachsenenbildung lernen das Thema Grundbildung für Erwachsene als ein potentielles Beschäftigungsfeld kennen.

Durch das Erarbeiten eines Marketingkonzeptes und die Präsentation gelungener Praxis werden weitere Unternehmen ermutigt, sich ebenfalls strategisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Ergebnisse der Universitätsstudie fließen in die Ausarbeitung des Marketingkonzeptes mit ein.

Teilprojekt 2: Wissenschaftliche Begleitstudie und wissenschaftliches Symposium

Im Projekt ABAG2 werden von der Universität zu Köln sowohl die Effekte auf Seiten der Beschäftigten, das Wissen und Können der Lehrenden, als auch die Faktoren zur Etablierung der Angebote in den Unternehmen untersucht:

  • Die Teilnehmenden der arbeitsorientierten Grundbildung schätzen zu drei aufeinanderfolgenden Messzeitpunkten ihre eigenen Kompetenzen ein. Zur Gewinnung systematischer Erkenntnisse dient eine begleitete schriftliche Befragung. Dabei werden die heterogenen Zielgruppen, die jeweiligen Angebote und die verschiedenen betrieblichen Kontexte berücksichtigt.
  • In Gruppeninterviews werden die Erfahrungen der Trainerinnen und Trainer erhoben, um das notwendige Wissen und Können im Kontext der arbeitsorientierten Grundbildung abzubilden. Darüber hinaus werden die Bedingungen des Lehrens im betrieblichen Kontext aufgeschlüsselt. Die Trainerinnen und Trainer erhalten außerdem ein Feedback aus der Selbsteinschätzung ihrer Lernenden.
  • Mit leitfadengestützten Interviews werden die Erwartungen an und die Erfahrungen mit arbeitsorientierten Grundbildungsangeboten der betrieblichen Akteure erfasst. Auf der Grundlage dieser Untersuchung lassen sich die Voraussetzungen erfolgreicher Lernangebote ableiten.

Darüber hinaus sollen bis zu 50 Studierende im Rahmen ihres Studiums in Seminaren zu Fragen der arbeitsorientierten Grundbildung erreicht werden. Hierbei sollen Einblicke in die Praxis und Forschung gleichermaßen ermöglicht werden, um die Studierenden für das Thema zu sensibilisieren und eine Perspektive auf zukünftige Beschäftigungsfelder zu eröffnen.

Zum Projektende sind ein Wissenschaftssymposium und ein Transferkongress für die Fachöffentlichkeit geplant.