ABCami - ABC in der Moschee

ABCami bietet Alphabetisierungs- und Grundbildungskurse für Zugewanderte an, die bereits länger in Deutschland leben. Dabei setzt das Projekt auf Lernorte und Fachkräfte, die den Teilnehmern vertraut sind und auf Lernmethoden, die ihre Muttersprache (türkisch und arabisch) wertschätzen. Vor allem Frauen nutzen das kostenlose Angebot.

Seitdem der Alphabetisierungskurs in Frankfurt die konstrastive Methode anwendet, lernen die Frauen viel schneller.

Seitdem der Alphabetisierungskurs in Frankfurt die konstrastive Methode anwendet, lernen die Frauen viel schneller.

© BMBF


Langjährig Zugewanderte besuchen nur selten gängige Kursangebote

Mit dem Projekt „ABCami" erreicht die Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben (GIZ) e.V.  Menschen, die bisher für bestehende Alphabetisierungskurse schwer zu aktivieren waren, zum Beispiel türkische Migrant/innen und geflüchtete Menschen. Das Projekt hat sich auf die so genannte kontrastive Lehrmethode spezialisiert. Diese stellt die Gemeinsamkeiten der Muttersprache und der Fremdsprache in den Fokus und erleichtert den Zugang zu und das Verständnis für die jeweilige Sprachstruktur – und damit das Lernen. Zudem findet kontrastives Lernen an Orten statt, an denen sich die Teilnehmenden im Alltag ohnehin regelmäßig aufhalten.   So bietet ABCami seine Kurse für muslimisch Gläubige in der Moschee an. Den Unterricht gestalten Fachkräfte aus den Gemeinden. Neuerdings finden für Lerner mit christlichen Glauben auch Kurse in der Kirche statt und für religiös Ungebundene in Migrantenorganisationen. 80 Prozent der Lernenden sind Frauen. Seit 2015 wird das Projekt nun auf ganz Deutschland ausgeweitet.

Mindestens 30 Gemeinden gewinnen und Geflüchtete erreichen

Für die laufende Förderphase hat sich ABCami zum Ziel gesetzt, bundesweit mindestens 30 Gemeinden an dem Projekt beteiligen. Darüber hinaus weitet ABCami das Angebot auch auf geflüchtete Menschen aus. Neben dem Sprachpaar Deutsch-Türkisch kam 2016 auch die Kombination Deutsch-Arabisch in das Projektportfolio hinzu. Da die kontrastive Alphabetisierung bisher wenig praktisch erprobt ist, hat das Projekt über 1.000 Seiten Lehrmaterialien für die Alpha-Level 1- 3 entwickelt. 

Zwei Mal Unterricht in der Woche + ein starkes Netzwerk

  • Kern von ABCami sind Alphakurse in den beteiligten Moscheegemeinden. Termin ist zweimal pro Woche für jeweils drei Stunden. Der Ein- und Ausstieg in die Kurse ist jederzeit möglich. Eine Anwesenheitspflicht gibt es nicht. Das Angebot ist für Gemeinden und Teilnehmende kostenlos. Betreut werden die Teilnehmenden von einer Lehrkraft, die die Muttersprache der Teilnehmer spricht und deren Kultur kennt.
  • Als Lehrkräfte gewinnt ABCami gut integrierte Migrantinnen und Migranten mit einem einschlägigen Hochschulabschluss, der sie zu Sprachunterricht befähigt. Während des Projekts absolvieren sie die Weiterbildung zur Lehrkraft für die Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF).
  • Die Auswahl und Begleitung der Gemeinden erfolgt nach Prüfung des Bedarfs für ein Alphabetisierungsangebot, der örtlichen Rahmenbedingungen und einer vorhandenen Lehrkraft aus der Gemeinde. Jede Kooperation wird ohne Einbeziehung der Dachverbände direkt mit der Gemeinde abgeschlossen. Verbindlich ist eine Erklärung des Eintretens für die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik.  Gemeinden verschiedener Dachverbände (DITIB, IGMG, ATIB, ZMD) sind ebenso wie freie Moscheen, zwei orientalische Kirchen (ZOC) und Migrantenorganisationen (Paritätischer Wohlfahrtsverband) beteiligt.
  • Über die Moscheegemeinden hinaus knüpfen die lokalen Koordinatorinnen und Koordinatoren ein starkes Netzwerk mit weiteren Einrichtungen und Institutionen. Dazu gehören Volkshochschulen, Kirchen, Bibliotheken, Kitas, regionale Politik, Bildungsinstitutionen oder die Jobcenter. Ziel ist es, das Angebot von ABCami nachhaltig über die Projektlaufzeit hinaus durch Partnerschaften für Alphabetisierung in den Gemeinden zu verstetigen.
  • Für den fachlichen Austausch gibt es eine eigene Online-Plattform, Sure-Online (www.sureonline.org), einen monatlichen Newsletter und einmal pro Jahr eine Fachkonferenz in Berlin. Zudem hospitiert das Team mindestens einmal monatlich im Unterricht und führt inhaltliche Workshops zu den Themen Interkulturelles Lernen, kontrastive Alphabetisierung sowie Projektmanagement durch und sichert damit die Qualität. Zunehmend publiziert das Team auch wissenschaftlich zu dem Ansatz und nimmt an Fachtagungen und an Beratungen teil.