Alpha-Kooperativ: Mitten im Leben lernen - Grundbildung für alle

Grundbildung soll überall dort eine Rolle spielen, wo Menschen bereits lernen, ihren Alltag besser zu organisieren. Der bayrische Volkshochschulverband e.V. entwickelt einen transferfähigen Ansatz der Trägerkooperation über fachliche Zuständigkeiten und institutionellen Grenzen hinweg. Neue Lernangebote sollen bereits vorhandene Lernanlässe aufgreifen und die soziale Beratung und Betreuung Erwachsener unterstützen.

Alpha-Kooperativ

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Der Freistaat Bayern möchte bis zum Ende der Alphadekade 2026 die Zahl der Erwachsenen mit geringer Literalität halbieren. Rund 45.000 Menschen müssten dafür jährlich an einem entsprechenden Lernangebot teilnehmen – drei Mal mehr als heute. Eine wesentliche Herausforderung besteht darin, die Angebote für Alphabetisierung und Grundbildung inhaltlich um ein Vielfaches zu erweitern.

Lesen und Schreiben in der Verbraucherbildung, Schulden- oder Gesundheitsprävention

Das Projekt Alpha-Kooperativ knüpft an bereits vorhandene Angebote der allgemeinen Sozialberatung an. Es will Alphabetisierung überall dahin bringen, wo Menschen bereits lernen, ihren Alltag besser zu organisieren. In der Verbraucherbildung, der Schulden- oder Gesundheitsprävention sollen situations- und problembezogene Grundbildungsangebote entwickelt und erprobt werden, die Erwachsenen helfen, besser lesen, schreiben und rechnen zu können.

Unter Koordination des bayrischen Volkshochschulverbandes wird das Projekt den Bedarf an praxis- und alltagsnahen Alphabetisierungsangeboten im Sozialraum erheben:  Wie zeigt sich geringe Literalität in der Sozialberatung, der Wohlfahrtspflege, der Kinder- und Jugendhilfe oder bei den Krankenkassen? Was wollen die Teilnehmenden dort lernen? Wie lassen sich diese Bedarfe maßgeschneidert in die bereits vorhandenen Strukturen einbinden? Alle Trägereinrichtungen sind aktiv in die Entwicklung konkreter Lernanlässe und Lernangebote eingebunden.

Acht Unterrichtskonzepte greifen alltägliche Herausforderungen und Lernanlässe auf

Aus dieser Erhebung sollen acht konkrete Lernangebote entstehen, sie sich auf die Lebenswelt und alltägliche Herausforderungen der Betroffenen beziehen. Angesprochen sind insbesondere Familien und Frauen mit Migrationshintergrund, einkommensschwache Familien und geringqualifizierte Erwachsene sowie junge Menschen am Übergang von der Schule in den Beruf. In erster Linie sollen die Lernangebote diese Menschen in den Situationen stärken, in denen sie Hilfe suchen. Grundbildung ist ein Teil der Lösung, welche die Beteiligten erarbeiten. Die Angebote sollen den Anschluss an weiterführende Bildungs-, Beratungs- und Unterstützungsleistungen schaffen.

Alpha-Kooperativ wird zunächst in München, den Landkreisen München, Kelheim, Ostallgäu sowie in der kreisfreien Stadt Kaufbeuren tätig sein. Verbundpartner sind die vhs SüdOst gGmbH, der vhs Mainburg e.V. und der vhs Marktoberdorf e.V. sowie der Donna Mobile AKA e.V. als Gesundheits-, Beratungs- und Bildungseinrichtung in München. Der landes- und bundesweite Transfer der Ergebnisse erfolgt in Form von Handreichungen und Anleitungen zur Vorgehensweise für gelingende Trägerkooperation im sozialräumlichen Umfeld, die Beschreibung von Unterrichtskonzepten, Formaten und Materialien sowie durch Fortbildungen und Workshops für Lehrkräfte und planendes Bildungspersonal. Für Dezember 2019 ist eine Fachkonferenz geplant.