Alphabetisierung und Grundbildung in Mehrgenerationenhäusern

Das Bundesbildungsministerium (BMBF) und das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) unterstützen Mehrgenerationenhäuser (MGH) dabei, neuartige Lernangebote für Erwachsene mit Grundbildungsbedarf zu schaffen. Rund 180 MGH haben hierfür zusätzliche Mittel erhalten – und sie gut genutzt.

Mehrgenerationenhäuser

In einem Workshop werden Beschäftige eines Mehrgenerationenhauses in Berlin für fehlende Lese- und Schreibkompetenzen sensibilisiert und erfahren, wie sie Betroffene im Alltag unterstützen können.

© BMBF/ Reiher


In Deutschland gibt es rund 540 Mehrgenerationenhäuser (MGH), die in einem gleichnamigen Bundesprogramm vom Bundesfamilienministerium gefördert werden. Sie sind bestens vernetzte Orte der Begegnung, des Austauschs und der Unterstützung im Alltag. Die Mehrgenerationenhäuser setzen nicht nur ein umfangreiches Freizeit- und Kulturprogramm um. Viele der Häuser führen auch Sozialberatung durch, unterstützen in Krisensituationen und stärken Menschen durch gezielte Weiterbildung.

Kontakte besser nutzen, neue Angebote schaffen

Die guten Kontaktpunkte machen die Mehrgenerationenhäuser zu wichtigen Lernorten und Partnern der AlphaDekade. Seit 2018 gibt es daher im Rahmen des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus den Sonderschwerpunkt „Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen“. Rund zwei Millionen Euro jährlich stellt das Bundesbildungsministerium hierfür bereit. Ergänzend zu den formalen Angeboten der Alphabetisierung und Grundbildung können die Mehrgenerationenhäuser mit diesen Mitteln neuartige und niedrigschwellige Ansätze entwickeln und umsetzen wie beispielsweise flexible Lerncafés, Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Aufbau starker Bündnisse für Alphabetisierung und Grundbildung vor Ort.

180 Mehrgenerationenhäuser haben bereits Mittel erhalten – und sie gut genutzt:

  • Die MGH haben im Jahr 2018 rund 3.000 Menschen mit Lernbedarf erkannt, angesprochen und in eine ihrer Maßnahmen einbezogen. Diese Kontakte haben sich häufig über andere Freizeit- oder Beratungsangebote der MGH ergeben.
  • Die Häuser haben 2018 mehr als 1.000 neue Lerngebote geschaffen. Am häufigsten sind Angebote der Information und Beratung (85,8 %), niedrigschwellige Bildungsangebote (73,5 %) oder offene Lerntreffs (60 %). Die MGH vermitteln aber auch in Bildungsmaßnahmen anderer Träger (34,6 %), stellen ihre Räume für die Alphabetisierung und Grundbildung zur Verfügung  (31,5 %) oder unterstützen Lernende beim Einsatz von Online-Portalen wie www.ich-will-lernen.de (32,7 %).
  • Rund 750 Beschäftigte der Mehrgenerationenhäuser haben eine Weiterbildung erhalten. Sie sind nun besser darauf vorbereitet, unter den Besucherinnen und Besuchern gering literalisierte Erwachsene zu erkennen, anzusprechen und zum Lernen zu motivieren.

Eine Liste aller im Sonderschwerpunkt „Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen“ aktiven Mehrgenerationenhäuser finden Sie hier.

Der Sonderschwerpunkt ist zunächst bis 2020 geplant. Besonders kreative und erfolgreiche Projekte aus dem Sonderschwerpunkt stellen wir im Folgenden vor:

Wuppertal-Elberfeld: Die App-Tester

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Im Lerncafé alfred testen Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten verschiedene Lern-Apps. Weiterlesen

Berlin-X-berg: Die Sensibilisierungsschulung

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Sozialfachkräfte lernen, dass Sucht und Schulden oft mit Lese- und Schreibproblemen einhergehen. Weiterlesen

Gotha: Das Aufklärungsvideo

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Wie kommen Menschen mit Lese- und Schreibproblemen im Alltag zurecht? Ein Film aus Gotha über kluge Strategien. Weiterlesen

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Gerolstein: Fit fürs Online-Banking 

Lesende und Nicht-Lesende lernen in Gerolstein sicheres Einloggen, überweisen per Mausklick und mehr. Weiterlesen

Hamburg-Hohenhorst: Das Lerncafé

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Keine Anwesenheitspflicht, keine Hausaufgaben, keine Prüfungen: In Lerncafés sollen Menschen mit geringer Lese- und Schreibkompetenz die Lust am Lernen wiederfinden. Weiterlesen