AlphaDekade-Konferenz am 24./ 25. April in Hamburg

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek: „Erwachsene mit geringer Grundbildung müssen am Arbeitsmarkt und im Alltag teilhaben können!“

Berlin, 20. April 2018 – Wie erfahren funktionale Analphabeten von passenden Bildungsangeboten, wenn sie entsprechende Hinweise nicht lesen können? Wie kann man sie mit Lernangeboten im Alltag und Beruf erreichen? Die zunehmende Digitalisierung und wachsende schriftsprachliche Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt stellen Erwachsene, die nicht richtig Lesen und Schreiben können, vor große Herausforderungen: selbst einfache Arbeitsplätze sind heute ohne Bildschirm und Tastatur kaum noch denkbar. Gleichzeitig gilt jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland als funktionaler Analphabet.
„Unser Berufsleben und Alltag sind auf Schriftsprache aufgebaut. Wir können und dürfen nicht zulassen, dass Menschen ohne ausreichende Kompetenzen im Lesen  und Schreiben in Deutschland abgehängt werden“, erklärt Bundesministerin Anja Karliczek anlässlich der diesjährigen AlphaDekade-Konferenz am 24. April im Hamburg.
Zu der Fachkonferenz unter dem Titel „Zugänge schaffen“ hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz (KMK) im Rahmen der „Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung 2016-2026“ rund 200 Expertinnen und Experten aus dem ganzen Bundesgebiet eingeladen. Neben Fachleuten aus Forschung, Bildung, Politik und Praxis kommen auch Betroffene zu Wort, wie Ernst Lorenzen, der Mitbegründer der ABC Selbsthilfegruppe Oldenburg: „Wenn ich anderen Betroffenen, Lehrern oder Jobvermittlern von meinen eigenen Erfahrungen berichte, ist das überzeugender als manch Info-Broschüre oder Film. Ich habe das Lesen und Schreiben mit 55 Jahren gelernt. Dadurch habe ich jetzt viel mehr Möglichkeiten. Ich möchte auch andere ermutigen, diesen so wichtigen Schritt zu tun!“

Um mehr Menschen mit Grundbildungsbedarf zu erreichen, fördert das BMBF zahlreiche Projekte, die neue Konzepte und Angebote entwickeln und erproben. Dabei haben sich drei erfolgreiche Ansätze herausgestellt, die Schwerpunkte der AlphaDekade-Konferenz sind:

Arbeitsplatzorientierte Grundbildung
Mehr als jeder zweite funktionale Analphabet ist erwerbstätig, häufig in ungelernten Helfertätigkeiten. Betroffene sind am Arbeitsplatz gut für nachholende Grundbildung zu erreichen. So bildet das Projekt MENTO  Kolleginnen und Kollegen zu Lernmentoren aus. Das Projekt BasisKomPlus macht Grundbildung in den Partnerbetrieben zum festen Bestandteil der Personalentwicklung. Das Projekt AlphaGrund entwickelt passgenaue Weiterbildungsmaßnahmen für Beschäftigte mit Grundbildungsbedarfen in Unternehmen.
 
Lernen im Alltag
Ein weiterer Ansatz ist es, Lerneinheiten zur Alphabetisierung und Grundbildung mit dem Alltag der Betroffenen zu verknüpfen. So erprobt beispielsweise ABCami Lese- und Schreibkurse in Moscheen, die für viele Zugewanderte zum vertrauten Lebensumfeld gehören. In Zusammenarbeit mit dem Bundesfamilienministerium werden Grundbildungsangebote für den Alltag in Mehrgenerationenhäusern angeboten. Das ALFA-Mobil bringt Aufklärung in Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen.
 
Digitale Lernwelten
Bildungsträger haben eine Reihe von Online-Angeboten entwickelt, die Lernen unabhängig von einem festen Ort oder einer festen Zeit ermöglichen. Bei ich-will-lernen.de sind mittlerweile mehr als 500.000 Menschen angemeldet. iCHANCE.de erreicht mit seinen viralen Kampagnen hunderttausende junge Erwachsene, die zum funktionalen Analphabetismus informiert werden. eVideoTransfer ist ein mittlerweile mehrfach ausgezeichnetes webbasiertes Training für Berufe aus der Logistikbranche, dem Gastgewerbe und der Gebäudereinigung. Einen Überblick aller Praxisprojekte im Rahmen der AlphaDekade finden Sie hier  

Hinweis für die Medien:
Sie haben die Gelegenheit, im Rahmen der Fachkonferenz am 24. und 25. April im Besenbinderhof in Hamburg mit Betroffenen, Experten und Praxisprojekten ins Gespräch zu kommen. Bitte melden Sie sich hierfür unter presse@alphadekade an.
Das vollständige Programm der Konferenz finden Sie hier 
 
Über die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung
Die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern und gesellschaftspolitischen Partnern. Ziel ist es, im Zeitraum von 2016 bis 2026 die Schriftsprachkompetenz zu verbessern und das Grundbildungsniveau Erwachsener zu erhöhen. Dazu gehören nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch soziale Fähigkeiten, Problemlösekompetenzen, Medienkompetenzen und Kommunikationsfähigkeit.

Pressekontakt
Maike Just
Koordinierungsstelle Dekade für Alphabetisierung
Tel. 0228/ 107 2602
Mobil: 0177 825 4514
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