Arbeitsorientierte Grundbildung ergänzt zunehmend die berufliche Aus- und Weiterbildung

Ein älterer Mann in blauer Pulloverjacke sitzt zwischen zwei jüngeren Männern in weißen Arbeitskleidern an einem Tisch in einem hellen, modernen Schulungsraum. Die drei diskutieren engagiert miteinander, mit aufgeschlagenen Heften, Papieren. © Küchenmeister

Die Förderung von Grundkompetenzen am Arbeitsplatz ist eine Querschnittsaufgabe, die unterschiedliche Zuständigkeiten und Perspektiven zusammenführt. Akteure aus Politik, Wirtschaft und Bildung erkennen, dass Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen oder digitale Fähigkeiten eine entscheidende Voraussetzung für beruflichen Erfolg und Teilhabe am Arbeitsleben sind. Die AlphaDekade hat maßgeblich dazu beigetragen, dass dieses Bewusstsein gewachsen ist und sich in konkreten Strukturen niederschlägt.

Entscheidend für den Erfolg arbeitsorientierter Grundbildung ist die Anerkennung in allen beteiligten Institutionen, dass AoG ein wirksames Instrument zur Herstellung, Sicherung und Stärkung von Qualifizierungs- und Beschäftigungsfähigkeit darstellt. Diesen politischen Diskurs führen die relevanten Akteure (Bund, Länder, Bundesagentur für Arbeit, BAMF, Sozialpartner und Praxispartner) in der Arbeitsgemeinschaft Alphabetisierung und Grundkompetenzen der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS).

„In der AG 'Alphabetisierung und Grundkompetenzen' besteht Konsens darüber, dass passende arbeitsorientierte Grundbildung maßgeblich dazu beiträgt, dass gering literalisierte Beschäftigte und erwerbslose Erwachsene ihre Beschäftigungs- und Qualifizierungsfähigkeit sichern und stärken können.“

Arbeitsorientierte Grundbildung hat großes Potenzial, daher gilt es, die Strukturen flächendeckend auszubauen, Kooperationen zu verstetigen und Fördermöglichkeiten weiter auszuloten und zu nutzen.

Strukturen ausbauen – Kooperationen stärken

Um arbeitsorientierte Grundbildung nachhaltig zu etablieren, setzt die AlphaDekade auf stabile Kooperationen zwischen den relevanten Akteuren am Arbeitsmarkt. Solche Partnerschaften und Netzwerke schaffen die Grundlage dafür, dass arbeitsorientierte Grundbildung dauerhaft in die Strukturen der beruflichen Aus- und Weiterbildung integriert werden kann. Ein zentraler Ansatz liegt in der Zusammenarbeit zwischen Weiterbildungsanbietern und Arbeitsverwaltungen.

"Für uns ist der Netzwerkgedanke von ganz zentraler Bedeutung"

Quelle:: Simona Thietz, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Berlin-Neukölln

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Das Projekt AoG Köln“ entwickelte beispielsweise grundbildungssensible Beratungs- und Bildungsstrukturen weiter. Dazu gehörten auch Schulungs- und Sensibilisierungsangebote für Mitarbeitende in Jobcentern und Beschäftigungsträgern. Auch das „ALFA-Mobil“ setzte neben seinen Aktionen auf öffentlichen Plätzen auf Aufklärungsarbeit im Arbeitskontext: Es sensibilisierte Jobcenter-Mitarbeitende sowie Studierende an den Hochschulen der Bundesagentur für Arbeit für die Bedeutung von Grundbildung in der Arbeitswelt und bereitete sie so auf ihre spätere Arbeit als Fallmanager/-in vor. Ein Fernsehbeitrag aus Neumünster zeigt zudem, wie dort das Grundbildungszentrum, das Mehrgenerationenhaus und das Berufsinformationszentrum zusammenarbeiten, um gemeinsam auf die Wichtigkeit von Grundbildung im Beruf aufmerksam zu machen.

Kooperationen mit Kammern und Innungen

Ein weiterer erfolgreicher Ansatz ist die Zusammenarbeit von Weiterbildungseinrichtungen mit Kammern und Innungen. Zahlreiche AlphaDekade-Projekte tragen dazu bei, Grundbildung in Betrieben sowie in weiteren Ausbildungsstrukturen bekannt zu machen und unterstützen zugleich bei der Entwicklung und Durchführung von Angeboten. Die BasisKom-Projekte initiierten bspw. wichtige Kooperationen in diesem Bereich – und erreichten damit beachtenswerte Erfolge.

Die Erfahrungen des Projekts bei der Entwicklung der Kooperationen flossen in die Handreichung It´s a match - Kooperationen mit Kammern und Innungen entwickeln. Grundkompetenzen für die Arbeitswelt stärken ein. Zudem entstanden durch die Zusammenarbeit auch praxisrelevante Materialien wie „NachgeDACHt – Mathematik für Auszubildende des Dachdeckerhandwerks“, das in Kooperation mit dem Landesbildungszentrum des Sächsischen Dachdeckerhandwerks und dem Landesinnungsverband Sachsen entwickelt wurde.

Das Projekt „APAG II“ arbeitete eng mit der Handwerkskammer Trier zusammen, um Auszubildende mit Grundbildungsbedarf gezielt zu unterstützen. Es entstanden Lernbausteine und vernetzte Unterstützungsstrukturen, die den Zugang zu Grundbildung im Ausbildungsalltag erleichtern.

Verbesserung der Förderstrukturen

Mit dieser Zielsetzung entwickeln und erprobt beteiligte Projekte Instrumente, die Grundbildung in Qualifizierungsmaßnahmen integrieren. „AoG Köln“ erarbeitete beispielsweise Grundbildungsmodule, die in kommunalen Qualifizierungsmaßnahmen getestet und evaluiert wurden. Die Ergebnisse zeigen: Teilnehmende mit Grundbildungsbedarf können diese Maßnahmen erfolgreicher abschließen, wenn sie durch passende Lernangebote unterstützt werden. „ABConnect“ entwickelte 22 AZAV-zertifizierte branchenspezifische Maßnahmen, die über Maßnahmen der Arbeitsverwaltung finanziert werden können (siehe unten).

Entwicklungen in der Praxis

AZAV-zertifizierte branchensprezifische Grundbildungsmodule

Das Projekt „ABConnect“ entwickelte in seiner Laufzeit u.a. 22 zertifizierte AZAV-Maßnahmen mit berufsbezogenen Inhalten aus Branchen wie Bau, Pflege, Gartenbau, Logistik und Recycling. Themen sind dabei Berufsfachsprache, Fachrechnen, Kommunikation, sowie berufsbezogene praktische Inhalte. Die AZAV-Zertifizierung ermöglicht eine (Teil-)Übernahme der Kosten durch die Arbeitsförderung. Dadurch sind die Maßnahmen dauerhaft in Bildungsstrukturen integrierbar und finanzierbar. Die AZAV-Grundbildungsmodule können bei der Technischen Akademie Schwäbisch-Gmünd angefragt werden.

Grundbildungsberatung bei der Agentur für Arbeit

Aus dem Projekt #ABCforJobs heraus entstand die Idee einer Beratung zum Thema Grundkompetenzen in der Agentur für Arbeit in Frankfurt. Inzwischen findet regelmäßig jeden Dienstag zwischen 12 und 14 Uhr eine trägerneutrale Beratung statt. Dieses Angebot wird vom Projektträger GFFB auch über das Ende des Förderzeitraums von #ABCforJobs hinaus weitergeführt. Zudem hat das Jobcenter Frankfurt sich inzwischen dazu entschieden, Ergebnisse einer internen Arbeitsgruppe umzusetzen. Dazu gehören unter anderem ein grundbildungssensibles Leitsystem mit eigener Bildsprache und grundbildungsensible Dokumentvorlagen. Der Anstoß zur Bildung der Arbeitsgruppe kam ebenfalls aus der Kooperation mit #ABCforJobs.

Kooperationen im Pilotprojekt „Grundbildung am Bodensee“

Im Projekt arbeiten mehrere Volkshochschulen und Jobcenter der Region zusammen, um Erwachsenen mit geringen Grundkompetenzen den Einstieg in Beschäftigung zu erleichtern. Die Teilnehmenden lernen an drei Vormittagen pro Woche, der Kurs umfasst insgesamt 320 Unterrichtseinheiten. Inhaltlich werden die Themen Lese- und Schreibtraining, mathematisch-finanzielle Grundbildung sowie Medienbildung, Berufsorientierung und Bewerbungstraining bearbeitet. Diese Themenvielfalt stärkt die Lernmotivation und macht kompetenzorientiertes Lernen möglich. Die Teilnehmenden und die Kursleitungen profitieren sehr davon und nehmen das Konzept dankbar an. Eine sozialpädagogische Begleitung der Teilnehmenden über die gesamte Kursdauer fördert zusätzlich die Lernstrategien und baut (Lern-) Barrieren ab. Das Projekt und das Kursformat wurde von den beteiligten Volkshochschulen für das Jobcenter Bodenseekreis entwickelt, das in der Praxisarbeit einen anhaltenden Bedarf an Grundbildung festgestellt hatte.

Publikationen und Materialien zum Thema

Eine große Auswahl an Materialien zur arbeitsorientierten Grundbildung steht in der Produktdatenbank Alphabetisierung und Grundbildung zur Verfügung.

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