Lernen dort, wo das Leben stattfindet: Vertraute Menschen und Orte eröffnen neue Zugänge zur Bildung!

Mehrgenerationenhäuser sind wichtige Partner der AlphaDekade. Der Film zeigt anschaulich, wie Menschen vor Ort konkret unterstützt werden. © BMBFSFJ

Genauso wie alltagsrelevante Themen tragen auch Lernangebote im vertrauten sozialen Umfeld dazu bei, dass Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen ein Bildungsangebot annehmen. Viele von ihnen haben wenig Kontakt zu klassischen Bildungseinrichtungen – ihr Schulbesuch liegt oft lange zurück oder war mit negativen Erfahrungen verbunden. Entsprechend groß ist die Distanz zu Kursen oder Schulen.

Anders ist es, wenn Lernangebote direkt im Lebensumfeld stattfinden – etwa im Stadtteilzentrum, im Verein oder im Café. Die Mitarbeitenden in diesen sozialräumlichen Einrichtungen haben meist einen guten Draht zu ihren Klientinnen und Klienten. Sie genießen Vertrauen, und ihre Empfehlungen werden ernst genommen. Für Bildungsträger eröffnen Kooperationen mit diesen Einrichtungen daher wertvolle Zugänge zu Erwachsenen mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen. Viele Fachkräfte der sozialen Arbeit begegnen dem Thema Lese- und Schreibschwierigkeiten ohnehin in ihrer täglichen Arbeit – das bestätigte eine Umfrage im AlphaDekade-Projekt „InSole“.

Vertraute Orte und vertraute Menschen senken die Hemmschwelle bei Erwachsenen mit geringer Grundbildung deutlich und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass diese Menschen sich Unterstützung suchen. Dabei ergänzen sich formelle Lernangebote wie Kurse oder Schulungen und informelle Lernmöglichkeiten wie ein Computertreff. Gemeinsam stärken sie die Lernenden.

 In der AlphaDekade sind daher zahlreiche Kooperationen zwischen Bildungsträgern und Einrichtungen im Sozialraum entstanden, um mit niedrigschwelligen und alltagsnahen Lernangeboten mehr gering literalisierte Erwachsene zu erreichen und zu unterstützen. Durch diese erfolgreiche Netzwerkarbeit ist Grundbildung im Sozialraum angekommen.


"Es braucht einen Austausch auf Augenhöhe zwischen der Erwachsenenbildung und der Sozialen Arbeit"

Quelle:: Laurentia Moisa
Referentin Abteilung Beratung und soziale Dienste, Caritasverband für das Bistum Erfurt e.V.

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Ein Beispiel sind die Projekte „Neu Start St. Pauli“ und „Neu Start St. Pauli 360°“. Im bekannten Hamburger Stadtteil arbeiteten sie mit dem Mehrgenerationenhaus (MGH) und dem Stadtteilzentrum zusammen. Gezielt wurden betroffene Menschen aufgesucht und Lernangebote vor Ort entwickelt. Zusätzlich organisierten die Projekte Stadtteilrundgänge, um informelle Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu sensibilisieren – etwa in Kneipen, Kiosken oder Fahrschulen. Auch der Fußball-Profiverein FC St. Pauli wurde einbezogen: mit Infoständen bei Veranstaltungen oder Bandenwerbung im Stadion. Viele Erkenntnisse der dortigen Arbeit sind in die „Hamburger Grundbildungs-Beratungsmappe“ und in den Leitfaden „Aufsuchende, mobile Alphabetisierungs- und Grundbildungsberatung Sozialraum“ eingeflossen. 

Beteiligung von Mehrgenerationenhäusern und Lerntreffs

Mehrgenerationenhäuser sind zentrale Anlaufstellen im Sozialraum. Sie sind regional bekannt, gut besucht und niedrigschwellig. Dadurch haben sie ein großes Potenzial für Grundbildungsangebote und erreichen auch Menschen, die mit herkömmlichen Maßnahmen bisher nicht erreicht werden konnten.

Seit 2018 wird im Rahmen des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus. Miteinander - Füreinander der Sonderschwerpunkt „Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen“ durchgeführt. Aktuell sind rund 160 Mehrgenerationenhäuser daran beteiligt, niedrigschwellige Lernangebote für Erwachsene mit Grundbildungsbedarf zu schaffen. Die Förderung des Sonderschwerpunkts wird bis zum Ende der AlphaDekade 2026 fortgeführt. Weitere Informationen zu den MGH-Aktivitäten in der AlphaDekade finden Sie auf der Themenseite Mehrgenerationenhäuser oder im aktuellen Flyer.

Seit 2023 verfolgen zudem die geförderten vhs-Lerntreffs im Quartier ein aufsuchendes und sozialräumliches Konzept. Sie ergänzen die regulären Angebote der Volkshochschulen und zeigen bereits Wirkung: Dies bestätigt der erste Ergebnisbericht der Lerntreffs.

Neue Angebote für Fachkräfte – neue Formen der Lernbegleitung

Die AlphaDekade hat auch neue Fortbildungen hervorgebracht. Sie sensibilisieren Fachkräfte der sozialen Arbeit für das Thema geringe Literalität, vermitteln Beratungsansätze und qualifizieren Lehrende für die Entwick­lung lebensweltorientierter Angebote. Beispielsweise in den Projekten

Darüber hinaus entstanden neue Formen der Lernbegleitung – sowohl mit ehrenamtlichen als auch hauptamtlichen Strukturen. Die Projekte „BIG“ und „BIG – Transfer“ schulten etwa pädagogische Fachkräfte zu Bildungscoaches, die als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für die Lernenden dienen und regelmäßig die sozialen Einrichtungen aufsuchen. Das Projekt Delta-Netz Transfer legte seinen Fokus auf die Etablierung einer sozialpädagogischen Begleitung und Beratung der Lernenden.

Wie das Format der Einzelförderung wirkt, analysierte zudem das Projekt „GEMEINSAM. GRUNDBILDUNG“ in einer eigenen Publikation. Die Ergebnisse zeigen, dass Einzelförderung zu Lernerfolgen führt, die motivierend wirken. Erwachsenen werden darüber hinaus neue Möglichkeiten eröffnet und Zugangsbarrieren zum Lernen werden verringert. Zudem führt Einzelförderung bei den Teilnehmenden zu mehr mehr Selbstvertrauen, mehr Lebensqualität und neuen Zukunftsperpektiven.

Kooperationen in der Praxis

Kooperationen für finanzielle Grundbildung

Das Grundbildungszentrum Mannheim und das Mehrgenerationenhaus Oldenburg haben gezeigt, wie Kooperationen zu niedrigschwelligen Lernangeboten führen können. Um Erwachsenen mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben die Themen finanzielle Grundbildung und Verbraucherbildung naherzubringen, arbeitete das GBZ Mannheim mit der Verbraucherzentrale zusammen, das MGH kooperierte mit der örtlichen Volkshochschule.

Offene Lerntreffs: Aktiv im Veedel

Das Projekt aktiv-S Transfer entwickelte und erprobte mit verschiedenen Kooperationspartnern wie Familienzentren, Vereinen oder Stadtteiltreffs niedrigschwellige und kostenfreie offene Lernangebote in Köln. Inzwischen werden die offenen Lerntreffs in Chorweiler, Ostheim, Porz und Mülheim im Rahmen des Programms „KomProArBeit“ fortgeführt. Themen sind dabei nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch Inhalte, die die Lernenden besonders interessieren und die sie selbst einbringen können.

Erfolgreiche Netzwerkarbeit: vhs-Lerntreffs in Dortmund

Die offenen Lernangebote in Dortmund stehen stellvertretend für die vielen neuen Angebote, die seit dem Start des Projekts vhs-Lerntreffs im Quartier in Kooperation mit Partnern im Sozialraum entstanden sind. Das Video aus Dortmund legt besonderen Wert auf die Netzwerkarbeit der Verantwortlichen, ohne die der Erfolg nicht möglich gewesen wäre. Inzwischen werden die vhs-Lerntreffs vor Ort mit Mitteln der Volkshochschule Dortmund und der Stadt Dortmund weiterfinanziert.

Publikationen (Auswahl)

Materialien (Auswahl)

Für Grundbildungsangebote im Sozialraum stehen zahlreiche Materialien zur Verfügung. Diese wurden im Rahmen der AlphaDekade mit Förderung des Bundesbildungsministeriums entwickelt und erprobt.

Eine große Auswahl an Materialien zur lebensweltorientierten Grundbildung steht in der Produktdatenbank Alphabetisierung und Grundbildung zur Verfügung.

Sie wollen mehr zur lebensweltorientierten Grundbildung wissen? Klicken Sie rein!

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