Arbeitsorientierte Grundbildung

Rund 60 Prozent der Erwachsenen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten sind erwerbstätig. Grundbildung gewinnt an Einfacharbeitsplätzen durch die Digitalisierung und den großen Fachkräftebedarf zunehmend an Bedeutung. In vielen Tätigkeitsbereichen steigen die Anforderungen, so dass eine ausreichende Grundbildung zur Voraussetzung von Beschäftigungsfähigkeit geworden ist.

Arbeitsplatzorientierte Grundbildung

BMBF/AlphaDekade

In Umsetzung des Arbeitsprogramms der AlphaDekade legt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Schwerpunkt auf die Förderung von Entwicklungsvorhaben im Bereich der arbeitsplatzorientierten Alphabetisierung und Grundbildung. Dieser Ansatz ist erfolgsversprechend, da in Deutschland der überwiegende Teil der gering literalisierten Erwachsenen einer Beschäftigung nachgeht und die Arbeitswelt einen zentralen Bezugspunkt für die Zielgruppe darstellt.

Im Ergebnis liegen erprobte Modelle für die arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung gering literalisierter Beschäftigter vor, die insbesondere Ansätze zur Sensibilisierung von Führungskräften, Personalverantwortlichen und Betriebsräten, Instrumente zur Feststellung des betriebsbezogenen Grundbildungsbedarfs sowie konkrete arbeitsplatzbezogene Lehr- und Lernangebote umfassen. Einige Modelle zeigen zudem beispielhaft, wie die Lücke zwischen Angeboten der grundständigen Alphabetisierung und Grundbildung und Angeboten der Arbeitsförderung geschlossen werden kann.

Infografik Branchen Grundbildung

Betriebe fragen verstärkt Grundbildungsangebote nach. Diesen Trend hat auch eine Unternehmensbefragung des IW Köln bestätigt. Gleichwohl bleibt die Zahl der Betriebe, die arbeitsplatzorientierte Grundbildungsangebote durchführen, auch unter solchen mit einem hohen Anteil an geringqualifizierten Beschäftigten niedrig. Eine breite und strukturelle Verankerung der arbeitsplatzorientierten Alphabetisierung und Grundbildung in der beruflichen Weiterbildung und in der Arbeitsförderung ist noch nicht erreicht.

Es fehlt nach wie vor an einer strukturierten Vernetzung und Zusammenarbeit aller relevanten Akteure (Unternehmen, Kammern, Innungen, Branchenverbände, Arbeitsagenturen, Bildungsträger etc.), um das Thema Alphabetisierung und Grundbildung in vorhandene Aus- und Weiterbildungsstrukturen zu integrieren und Transparenz über vorhandene Unterstützungsmöglichkeiten, Förderinstrumente und Lernangebote herzustellen.