Baden-Württemberg

Landespolitische Initiativen

Die Weiterbildungspolitik der Landesregierung in Baden-Württemberg basiert auf den Empfehlungen der Enquêtekommission des Landtags "Fit für das Leben in der Wissensgesellschaft – berufliche Bildung, Aus- und Weiterbildung" von 2011. Danach förderte das Kultusministerium Baden-Württemberg die Alphabetisierung und Grundbildung in den vergangenen Jahren zweifach: Öffentliche Träger der allgemeinen Weiterbildung werden entsprechend ihren Unterrichtseinheiten – einschließlich der Lernangebote zur Alphabetisierung und Grundbildung – fallbezogen bezuschusst. Darüber hinaus vergab Baden-Württemberg in den Jahren 2013 und 2014 direkte Zuschüsse an Weiterbildungsträger für die Umsetzung von Alphabetisierungskursen im Rahmen von Impulsprogrammen.

Diese Linie wird seit September 2015 mit dem Projekt „Alphabetisierung und Grundbildung als Weg zu Erfolg und Teilhabe in Beruf und Gesellschaft“ des Europäischen Sozialfonds (ESF) bis 2018 im Umfang von 1,2 Millionen Euro fortgesetzt. Der Fokus liegt hierbei auf der Arbeitsplatzorientierung. Elf Projektträger stellen dazu finanziell geförderte Kurs- und Lerngebote bereit, um insbesondere Berufstätige mit nicht ausreichendem Grundbildungsniveau und insbesondere fehlenden Lese- und Schreibkompetenzen zu unterstützen. Diese Kurse laufen teilweise auch in Unternehmen ab, um die Erwerbstätigen besser zu erreichen.

Darüber hinaus unterstützt das Land die Alphabetisierung und Grundbildung durch die Einrichtung eine W1-Professur und des bundesweit einzigen Masterstudiengangs in diesem Bereich an der PH Weingarten. Seit dem Wintersemester 2016/17 wird er als konsekutiver Masterstudiengang geführt.

Gründung des Landesbeirats für Alphabetisierung und Grundbildung

Beim Grundbildungstag Baden-Württemberg am 22. November 2017 erfolgte die Gründung des Landesbeirats für Alphabetisierung und Grundbildung Baden-Württemberg mit der Unterschrift unter eine Verpflichtungserklärung. Daran beteiligen sich zum einen fünf Ministerien (Kultus, Soziales, Wirtschaft, Ländlicher Raum sowie Wissenschaft und Kunst). Zum anderen arbeiten 23 wichtige Verbände daran mit, etwa Arbeitgeberverband, DGB und die Kommunalen Spitzenverbände.

Der Landesbeirat wird mit einem umfassenden Netzwerk die Landeskampagne unterstützen, die Öffentlichkeit für dieses Problem sensibilisieren sowie dazu beitragen, die Zielgruppen in ihren unterschiedlichen Problemlagen besser zu erreichen. Ziel ist, die Zahl der Lernenden zu erhöhen.

Fachstelle für Grundbildung und Alphabetisierung

Die im Rahmen des ESF-Projekts errichtete Fachstelle für Grundbildung und Alphabetisierung Baden Württemberg fungiert als Koordinierungsstelle des Landes. Sie ist hierbei Ansprechpartner für Lernende, Weiterbildungsanbieter und Betriebe mit Weiterbildungsbedarf gleichermaßen. Die Fachstelle ist angesiedelt bei der gemeinnützig arbeitenden  Technischen Akademie Schwäbisch Gmünd als Träger und fachlich dem Kultusministerium zugeordnet. Zu ihren Aufgaben zählen:

  • Beratung von Weiterbildungsanbietern sowie Unternehmen mit Bedarf im Grundbildungsbereich und Information der Öffentlichkeit, Ansprechpartner für die Mitglieder des Landesbeirats,
  • Zusammenarbeit mit Akteurinnen und Akteuren aus dem Komplex Bildung – Wirtschaft – Soziale Arbeit – Arbeitsverwaltung, insbesondere auch die Koordination der Aktivitäten im Rahmen des Landesbeirats,
  • Planung, Organisation und Durchführungen landesweiter Veranstaltungen zum Thema
  • Kontaktpflege zu Einrichtungen mit gleicher oder ähnlicher Aufgabenstellung aus anderen Bundesländern und nationalen Einrichtungen
  • Weiterbildung von Kursleitenden.

Weitere Informationen unter: www.fachstelle-grundbildung.de.

Integrationsprojekt BEF Alpha

Seit Herbst 2016 setzt das Kultusministerium das Projekt „Bildungsjahr für erwachsene Flüchtlinge ohne oder mit geringen Sprach- und Schreibkenntnissen“ (BEF Alpha) um, das vom Bundesbildungsministerium finanziert wird. BEF Alpha richtet sich an geflüchtete Menschen vorwiegend im Alter von 21 bis 35 Jahren. Ziel ist, den Teilnehmenden eine gute Grundlage für eine Integration zu vermitteln, um den Übergang in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Kennzeichen ist eine Verknüpfung der drei Bereiche Alphabetisierung/Sprachförderung, Berufsorientierung und politische Grundbildung/Gleichberechtigung/Alltag. Der Kurs hat einen Umfang von 980 Unterrichtseinheiten an 35 Wochen und wird mit einem fünfwöchigen Praktikum ergänzt.

BEF Alpha startete im Herbst 2016 in der ersten Tranche an zwölf Standorten mit 220 Personen. Bei der zweiten Tranche ab Frühjahr 2017 ist die Zahl der Standorte von 12 auf 16 mit rund 250 Teilnehmenden angestiegen. Die im Frühjahr 2018 beginnende dritte Tranche wird an 32 Standorten umgesetzt. Der Fokus liegt jetzt vor allem auf geflüchteten Frauen mit Kindern, so dass an den meisten Standorten eine Kinderbetreuung angeboten wird. Kennzeichnend für alle Kurse sind eine ausgesprochen große Heterogenität sowie eine besondere Motivation der Teilnehmenden.

Regionale Vernetzung

Mit Beginn des Jahres 2018 haben mit Förderung des Kultusministeriums zwei Grundbildungszentren im Land in Heidelberg (Träger: Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft) und Konstanz (Träger: Volkshochschule Landkreis Konstanz) die Arbeit aufgenommen. Unter anderem werden rund um die Standorte regionale Netzwerke für Grundbildung entstehen.

Darüber hinaus hat die Evangelische Erwachsenen- und Familienbildung in Württemberg (EAEW) am Standort Ravensburg ein Netzwerk für Alphabetisierung und breitgefächerte Grundbildung "Verbesserte Chancen - Erweiterte Teilhabe" als Pilotprojekt umgesetzt.