Der Bund

In der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (AlphaDekade) verstärkt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sein langjähriges bildungspolitisches Engagement. Da die Erreichbarkeit von Erwachsenen mit niedrigen Schriftsprachkompetenzen die größte Herausforderung darstellt, fördert das BMBF Forschungsvorhaben sowie Projekte, die den Zugang über den Arbeitsplatz und das lebensweltliche Umfeld herstellen. Zur Koordination der AlphaDekade hat das BMBF eine Koordinierungsstelle eingerichtet.

Prof. Dr. Johanna Wanka

© Heidi Scherm, BIBB

„Menschen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, fühlen sich häufig ausgeschlossen, denn in der modernen technik- und dienstleistungsorientierten Arbeitswelt sind diese Fähigkeiten das Fundament für gesellschaftliche Teilhabe und sichere Beschäftigung. Gemeinsam mit den Ländern und vielen weiteren Partnern wollen wir in den nächsten zehn Jahren erreichen, dass mehr Menschen den Mut finden, auch in späteren Lebensphasen ihre Fähigkeiten im Lesen und Schreiben zu verbessern.“

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung

Tabus abbauen und Beratungsangebote bekannt machen

Verstärkte öffentliche Thematisierung der Problematik im Rahmen der AlphaDekade soll das Thema des funktionalen Analphabetismus langfristig enttabuisieren und Erwachsene dazu animieren, entsprechende Hilfsangebote wahrzunehmen. Einen entscheidenden Beitrag zur Sensibilisierung der Bevölkerung über funktionalen Analphabetismus leistet die BMBF-Informationskampagne „Lesen und Schreiben - Mein Schlüssel zur Welt“.

Das bundesweite Infotelefon zur Weiterbildung des BMBF berät auch zur Thematik von Alphabetisierung und Grundbildung und verweist auf spezielle Beratungsangebote für Betroffene und Vertrauenspersonen, wie z. B. das ALFA-Telefon.

Grundbildungsangebote am Arbeitsplatz und im Alltag implementieren

Derzeit fördert das BMBF zahlreiche Projekte, die insbesondere arbeitsmarktnahe Themen und Zielgruppen in den Blick nehmen. Ziel ist es zum Beispiel, Grundbildung in den Kontext von betrieblichen Weiterbildungsangeboten einzubinden. Um den Mehrwert und die Potentiale von Grundbildung am Arbeitsplatz bei Betrieben bekannter zu machen, ist angedacht, künftig jedes Jahr besonders engagierte Betriebe mit einem Unternehmenspreis auszeichnen.

Mit dem Förderschwerpunkt „Lebensweltlich orientierte Alphabetisierung und Grundbildung“ fördert das BMBF zukünftig Projekte, die darauf abzielen, Menschen mit Grundbildungsbedarf in ihrer Lebenswelt zu erreichen. Das BMBF fördert in diesem Rahmen innovative Konzepte, Modelle und Maßnahmen sowie deren modellhafte Erprobung in der Praxis.

Um niedrigschwellige Angebote und offene Formate zur Alphabetisierung und Grundbildung in großer Breite zu implementieren, kooperiert das BMBF darüber hinaus mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Im Fokus der Kooperation sollen Angebote zur Förderung von Grundbildungsangeboten in Mehrgenerationenhäusern stehen.

Neue Erkenntnisse durch Forschung gewinnen

Zur Gewinnung neue Erkenntnisse fördert das BMBF die Nachfolgestudie der leo.-Level One-Studie, die 2011 den Umfang des funktionalen Analphabetismus in Deutschland bestimmt hat. Die neue Studie wird ausgeweitet um Fragen des Zusammenhangs mit gesundheitlicher, finanzieller und digitaler Grundbildung Erwachsener in Deutschland. Alle Ergebnisse fließen in zukünftige Programme und Projekte ein, mit dem Ziel, Menschen mit Alphabetisierungsbedarf besser zu erreichen und entsprechende Bildungsangebote zu optimieren.

Langjähriges bildungspolitisches Engagement in der Alphabetisierung und Grundbildung

Die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten zur Alphabetisierung und Grundbildung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat eine lange Tradition. In einem ersten Förderschwerpunkt „Forschung und Entwicklung zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“ von 2007 bis 2012 wurden vor allem theoretische Grundlagen in diesem Bereich zusammengetragen. In über 100 geförderten Projekten sind dadurch zahlreiche Ergebnisse und Erkenntnisse erarbeitet worden, die den Wissensstand zur Alphabetisierung und Grundbildung im Erwachsenenalter verbessert haben.

Die vom BMBF geförderte leo-Studie der Universität Hamburg zur Zahl der funktionalen Analphabeten in Deutschland hat festgestellt, dass von den mehr als sieben Millionen Erwachsenen mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben mehr als die Hälfte in Beschäftigung sind. Das BMBF und die Kultusministerkonferenz (KMK) haben daraufhin den Startschuss für eine „Nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland“ (2012-2016) gegeben. Ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie war der Förderschwerpunkt „Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“ (2012 bis 2015) des BMBF, der mit einem Fördervolumen von rund 20 Mio. Euro ausgestattet war. Arbeitsbezogene Lernangebote und Konzepte zur Alphabetisierung und Grundbildung haben sich als ein sinnvoller Ansatz bewährt, um Erwachsene mit niedrigen Schriftsprachkompetenzen bedarfsgerecht zu unterstützen.