ELB-Brücken - Erwachsene, Lebenswelt, Bildungsbrücken

Die organisierte Weiterbildung erreicht nur einen Bruchteil von Menschen mit Grundbildungsbedarf. Vielfach jedoch fehlen begleitende Strukturen und Angebote, die Betroffene im vertrauten Umfeld erreichen, die Angst vor dem Lernen abbauen und ihnen so das Lernen im eigenen Quartier ermöglichen, ohne dass sie die vorhandenen Regelkurse zum Lesen und Schreiben lernen besuchen müssen.  Hierfür will das Projekt „ELB-Brücken“ in den Hamburger Stadtteilen Billstedt und Horn erste Lösungsansätze entwickeln.

Elbbrücken

© BMBF/ Haarmann


Hochgerechnet von den Ergebnissen der LEO-Studie leben in den Hamburger Stadtteilen Billstedt und Horn ungefähr 10.000 Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Das Projekt „ELB-Brücken“ in Hamburg will mit der Entwicklung von neuen niedrigschwelligen Zugängen und Brückenangeboten die Teilnahme von Menschen mit Grundbildungsbedarf an auf ihre Bedarfe zugeschnittenen Lernangeboten erhöhen.

Es gibt in den beiden Stadtteilen bereits einige Lernmöglichkeiten für die Betroffenen. Um aber einen größeren Prozentsatz der Zielgruppe erreichen zu können müssen die jeweiligen Lebenswelten  und Lebensumstände der Betroffenen noch stärker berücksichtigen werden und die Lern- und Unterstützungsangebote deren Bedarfen angepasst werden. Auch über ein für Alphabetisierung und Grundbildung sensibilisiertes und gestärktes Umfeld sollen Betroffene zum Lernen motiviert und hingeführt werden, so dass auch lernungeübte Menschen für das Thema „Lesen und Schreiben lernen“ gewonnen werden können.

Die beiden Projektträger – der Verein Beschäftigung und Bildung e.V. als freier Träger der Jugend- und Familienhilfe und die Hamburger Volkshochschule – sind in Billstedt und Horn verortet und kooperieren mit vielen unterschiedlichen lokalen Bildungs- und Beratungseinrichtungen, die wiederum auch Kontakt zu Menschen mit Grundbildungsbedarf haben und so Zugänge zu dieser Zielgruppe erleichtern können.

ELB-Brücken auf unterschiedlichen Ebenen tätig werden:

  1. Das Projekt möchte den einzelnen Betroffenen in seiner eigenen Lebenswelt und über neue Wege zum Lernen im Quartier motivieren.  Das kann z.B. dort gelingen, wo Betroffene mit dem Thema Lernen konfrontiert werden, wie z.B.  der Schuleintritt der eigenen Kinder. Hier können Eltern mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen ihren eigenen Bildungsdefiziten kaum ausweichen. In solchen Situationen öffnen sich über Schlüsselstellen im Quartier, wie z.B. Kitas, Stadtteileinrichtungen oder eine Gesundheitsberatung Gelegenheitsfenster, die Menschen zum Lernen motivieren können.
  2. Lernen in der Gruppe fällt oft leichter als alleine. Betroffene sollen sich treffen, auf Augenhöhe gegenseitig beraten, Hilfestellungen geben und in kleinen Schritten auf kreative Weise gemeinsam lernen. Dafür geeignete Gruppenangebote sollen im Projekt geschaffen werden, um für die Betroffenen einen gemeinsamen Raum zum Austausch, zum Lernen und zur Motivation zu bieten.
  3. Die Familien und das soziale Umfeld der Betroffenen sollen ermuntert werden, Lernprozesse anzustoßen und zu begleiten. Der Familienrat ist ein in Hamburg  etabliertes Verfahren, das Familien mit gezielter Moderation dabei unterstützt, mithilfe ihres eigenen Netzwerkes (Verwandte, Freunde, Nachbarn usw.) passgenaue Lösungen für ihre Sorgen und Problem zu erarbeiten. Lösungswege werden hier gemeinsam im Netzwerk erarbeitet, die Umsetzung übernimmt jedoch der Betroffene selbst. Dieses Konzept soll auch für ELB-Brücken nutzbar gemacht werden. Der Familienrat könnte z.B. einen Lernfahrplan für Betroffene erarbeiten, eine Lernbegleitung durch Paten und Lernbegleiter*innen organisieren oder andere Hilfestellungen zur Selbsthilfe der Betroffenen geben.
  4. Das Projekt will zudem ein Konzept entwickeln, Schlüsselpersonen in Kitas, Schulen, Familienzentren, Stadtteilhäusern, Beratungsstellen oder Behörden für das Thema Alphabetisierung und Grundbildung zu sensibilisieren, über die bestehenden Schulungen hinaus. Sie lernen, wie sich ein funktionaler Analphabetismus ausdrückt, wie sich alltägliche Lernprozesse anregen lassen und welche geeigneten Ansprechpartner*innen im Umfeld der Betroffenen für eine Verweisberatung zur Verfügung stehen.
  5. Eine Online-Plattform soll Betroffenen, Angehörigen, dem interessierten Umfeld und Projektbeteiligten die Gelegenheit geben, sich unabhängig von Raum und Zeit über Ziele, Ansätze und die eigenen Erfahrungen auszutauschen und soll die entwickelten Lösungen zur Erprobung, in Kombination mit Kommunikations- und Informationskanälen, für alle Beteiligten bereitstellen.

Durch ein Verknüpfen der verschiedenen Ansätze  soll das Modell einer verzahnten, aufeinander aufbauenden Systematik (Baukastensystem) für eine nachhaltigere Wirkung entwickelt werden. Dies soll Transferlernen auf allen Ebenen ermöglichen und eine Etablierung von dauerhaften Regelangeboten im Sozialraum ermöglichen. Geplant ist, das Projekt ELB-Brücken auf weitere Hamburger Stadtteile und später auf das gesamte Bundesgebiet auszuweiten.