Fit für den Job: Bund und Länder fördern Alphabetisierung und Grundbildung am Arbeitsplatz

Jede/r zehnte Berufstätige in Deutschland hat große Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Betroffen sind insbesondere Menschen, die im Betrieb einfachen Hilfstätigkeiten nachgehen und in der Regel geringe berufliche Aufstiegschancen haben. Angebote zur Alphabetisierung und Grundbildung sind in der betrieblichen Weiterbildung jedoch kaum vorhanden. 

Bund und Länder fördern Alphabetisierung und Grundbildung am Arbeitsplatz

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„Alphabetisierung und Grundbildung sollten ein selbstverständlicher Bestandteil beruflicher Weiterbildung sein. Die Qualifizierung von Menschen mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben ist ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs. Qualifizierung trägt langfristig dazu bei, den Arbeitsplatz zahlreicher ungelernter Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zu sichern“.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka anlässlich des Welttags der Alphabetisierung am 8. September 2017.

Auf den Arbeitsplatz zugeschnittene Grundbildungsangebote

Die zunehmende Digitalisierung und wachsende Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt stellen Berufstätige mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen vor große Herausforderungen. Daher fördern Bund und Länder im Rahmen der „Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung“ innovative Projekte, die Beschäftigte mit Alphabetisierungs- und Grundbildungsbedarf am Arbeitsplatz unterstützen. Die Angebote sind auf den jeweiligen Bedarf am Arbeitsplatz zugeschnitten: so lernt z.B. die Pflegehilfskraft lesen und schreiben anhand der erforderlichen Pflege-Dokumentation, der Logistikmitarbeiter mit den Arbeitsanweisungen, die er übers Tablet erhält. Die Weiterbildungsangebote gehen dabei weit über das Lesen und Schreiben lernen hinaus: digitale Kompetenzen oder Fähigkeiten zum selbständigen Lernen sind ebenfalls zentrale Themen der beruflichen Grundbildungsangebote.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert bundesweite Pilotprojekte

Das BMBF fördert im Rahmen der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung folgende Projekte, die Grundbildung und berufliche Weiterbildung verbinden:

  • Das Projekt „Mento“ qualifiziert Kolleginnen und Kollegen zu Mentoren und LernbegleiterInnen am Arbeitsplatz. Mehr…

  • Das Projekt „BasisKomPlus“ hat sich zum Ziel gesetzt, speziell Multiplikatoren wie Betriebs- und Personalräte für den Grundbildungsbedarf in ihrem Unternehmen zu sensibilisieren. Mehr…

  • Das Projekt „eVideoTransfer“ setzt interaktive Videos ein, um Beschäftigte für arbeitsplatzbezogene Abläufe zu trainieren und dabei ihre schriftsprachlichen Fähigkeiten zu erweitern. Mehr…

  • Das Projekt „ABAG II“ konzipiert für und mit Unternehmen individuell zugeschnittene und zielgruppenspezifische Angebote der arbeitsorientierten Grundbildung. Mehr…

  • Das Projekt „INA-Pflege 2“ hat eine integrierte Toolbox für angehende Pflegehilfskräfte mit Grundbildungsbedarf zusammengestellt. Die Materialien trainieren Lese- und Schreibkompetenzen und vermitteln gleichzeitig fachliche Inhalte zur Pflege. Mehr…

  • Das Projekt „KOMPASS²“ hat ein Schulungskonzept entwickelt, das vor allem Menschen auf den Alpha-Levels drei und vier erfolgreich für die Pflegehilfe qualifiziert. Mehr…

  • Das Projekt „ABCPlus“ trainiert Menschen mit funktionalem Analphabetismus in ihrer jeweiligen Fachsprache. Mehr…

  • Das Projekt „GRUBIN“ hat ein Einsteigermodul für beschäftigungsorientierte Lese- und Schreibförderung entwickelt. Mehr…

  • Das Projekt „AlphaGrund“ entwickelt zusammen mit den Bildungswerken der Wirtschaft passgenaue Weiterbildungsmaßnahmen für Beschäftigte mit Grundbildungsbedarfen in Unternehmen. Mehr…

Einen Überblick über alle Projekte der Dekade finden Sie hier.

Länder engagieren sich für mehr Grundbildung am Arbeitsplatz

Weiterbildung ist Ländersache – und die Bundesländer haben einiges in Gang gesetzt, um den Grundbildungsbedarf Beschäftigter zu decken:

  • Über das landesweite Förderprogramm „Alpha+“ fördert Bayern vor allem Angebote mit starkem Bezug zur Lebens- und Arbeitswelt der Betroffenen.

  • Arbeitsweltorientierte Grundbildung ist ein fachlicher Schwerpunkt der sieben Grundbildungszentren in Brandenburg.

  • Bremen stellt über das beschäftigungspolitische Aktionsprogramm Mittel speziell für Arbeitsuchende oder beschäftigte Menschen mit Grundbildungsbedarf zur Verfügung.

  • Mecklenburg-Vorpommern startet in Kürze mit einem Sonderprojekt, das sich an Betroffene in ihrem Arbeitsumfeld wendet.

  • Niedersachsen fördert Grundbildung am Arbeitsplatz über ein Sonderprogramm.

  • Auch Nordrhein-Westfalen fördert zwei Landesprojekte für mehr Grundbildung am Arbeitsplatz.

  • Rheinland-Pfalz unterstützt ein Netzwerk mit mehr als 120 Partnerinnen und Partnern wie Jobcentern und Weiterbildungsträgern, um Betroffene im Rahmen der Arbeitssuche oder am Arbeitsplatz zu erreichen.

  • Das Saarland unterstützt Auszubildende und Beschäftigte vor allem in kleinen und mittleren Betrieben dabei, Grundbildung nachzuholen.

  • Auch in Sachsen-Anhalt gibt es ein Sonderprojekt, das vor allem Ausbilderinnen und Ausbilder für den Grundbildungsbedarf junger Menschen sensibilisiert.

  • Schleswig-Holstein ist Partner im Projekt Mento.

  • Thüringen vernetzt landesweit Akteurinnen und Akteure aus Weiterbildung und Arbeitswelt. Unterstützung gab es auch für Sonderprojekte der arbeitsplatzorientierten Grundbildung.

Alle Länderporträts finden Sie hier.