Forum C: Übergänge und Förderinstrumente

Wie können Angebote der Alphabetisierung und Grundbildung in Aus- und Weiterbildung besser verknüpft werden? Welche Maßnahmen sind zur Sensibilisierung und Schulung des Personals in Betrieben und Berufsschulen erforderlich? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Präsentationen und Diskussion.

Forum C

Frank Neises ordnet die Alphabetisierungsangebote in der Berufsbildung ein.

© BMBF/ H. Scherm.

Wie können Förderinstrumente in die Regelstrukturen am Übergang Schule-Beruf integriert werden?

In seiner Einführung gibt Frank Neises, Bundesinstitut für Berufsbildung, einen kurzen Überblick über die aktuelle Situation am Ausbildungsmarkt. Dieser ist von starken Selektionsprozessen, zunehmenden Passungsproblemen, sinkender Ausbildungsplatznachfrage sowie einer nach wie vor hohen Anzahl unbesetzter Ausbildungsstellen geprägt. Diese Ausgangssituation macht deutlich, wie notwendig Unterstützungsangebote vor und während der Ausbildung sind.

Während bei der Alphabetisierung die Erreichbarkeit der erwachsenen Lernenden im Vordergrund steht, geht es in der Berufsausbildung vielmehr um die Frage, wie Lernende motiviert werden können. In seinem Impulsvortrag erläutert Dietmar Heisler, Universität Paderborn, dass das Thema Grundbildung in den vergangenen Jahren mit der Diskussion um „Ausbildungsreife“ und der Vermittlung von Fachsprache zugenommen hat. Es gibt eine gewisse Sensibilität für das Thema angesichts zunehmender (schrift-)sprachlicher Anforderungen in der Arbeitswelt. Existierende Förderansätze zielen jedoch nicht explizit auf Alphabetisierung. Geringe Literalität wurde als Ursache für Benachteiligung lange nicht wahrgenommen. Darüber hinaus ist unklar, welcher Bereich für eine grundlegende Alphabetisierung zuständig ist: Schule? Berufsbildung? Weiterbildung? Ein historischer Rückblick verdeutlicht die Bedeutung von Lesen und Schreiben als Kulturgüter und die Rolle eines „erlernten Berufs“ als Bildungswerkzeug. Für Förderangebote der Alphabetisierung am Übergang Schule-Beruf sind Individualisierung, Differenzierung und Orientierung an konkreten Entwicklungsinteressen der Auszubildenden von hoher Bedeutung. Im Kontext von Ausbildungsreife, Inklusion und der Förderung von Geflüchteten steht die berufliche Bildung vor der Herausforderung, entsprechende Ansätze zu entwickeln, die Berufsbildung und Alphabetisierung verzahnen sowie Lehrkräfte professionalisieren.

Wie können Berufsbildung und Alphabetisierung stärker verzahnt werden?

An einem praktischen Beispiel für die Bauberufe erläutern Karin Praus, Handwerkskammer Trier, und Susanne Barth, VHS Trier, die Zusammenarbeit der Handwerkskammer mit der VHS in Trier. Um Abbrüche während der Ausbildung zu vermeiden, erhalten Jugendliche im Rahmen der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung Angebote zur Verbesserung ihrer schriftsprachlichen Kompetenzen. Unterstützt werden sie durch ehrenamtliche Lernbegleiter. Lernbegleitern und Auszubildenden stehen dabei aktuell vier Lernbausteine mit Aufgabenblättern und didaktischen Erläuterungen zur Verfügung. Neben berufsorientiertem Basiswissen soll auch die Lernkompetenz gefördert werden. Gelingensfaktoren für dieses Modell sind neben der engen Kooperation von VHS und Handwerkskammer vor allem auch die Flexibilität bei der Entwicklung des Angebots sowie die gute Infrastruktur.

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© BMBF/ H. Scherm.


Wie können Alphabetisierung und Grundbildung als Regelangebote in der beruflichen Aus- und Weiterbildung etabliert werden? Welche Förderinstrumente sind nutzbar?

In der anschließenden Diskussion tauschen sich Experten/innen und Forumsteilnehmende über den Zusammenhang von Ansprachewegen und Förderinstrumenten aus. Unbestritten ist, dass in den vergangenen Jahren die Anforderungen in den meisten Ausbildungsberufen stark angestiegen sind. Dem gegenüber steht, dass etwa jeder zehnte Auszubildende als funktionaler Analphabet gilt; im Bereich der Jugendberufshilfe sind es etwa ein Drittel. Dies stellt ausbildende Betriebe ebenso wie Berufsschulen und weitere Bildungsorganisationen vor spezifische Herausforderungen. Hier sollte den unterschiedlichen Lerntypen, beispielsweise Jugendlichen, die besser praxisorientiert lernen, stärker Rechnung getragen werden. Wurde in der Vergangenheit die Berufsausbildung als Königsweg betrachtet, so kommen mit steigendem Fachkräftebedarf zunehmend die Potentiale der An- und Ungelernten in den Blick. In diesem Sektor fehlt es jedoch an Grundbildungs- und Qualifizierungsangeboten. Übereinstimmende Forderung der Diskussionsteilnehmenden ist, dass Förderinstrumente besser auf die angestrebten Ziele abgestimmt werden müssten, da sie andernfalls sogar kontraproduktiv wirken können.

Beteiligte

Einführung und Moderation
Frank Neises, Bundesinstitut für Berufsbildung

Input 1: Alphabetisierung in Förderangeboten am Übergang Schule-Beruf. Ansätze und Herausforderungen für die Gestaltung von Förderinstrumenten
Prof. Dr. Dietmar Heisler, Universität Paderborn

Input 2: Integration von Grundbildung in die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung
Susanne Barth, VHS Trier

Input3: Integration von Grundbildung in die duale Ausbildung
Karin Praus, Handwerkskammer Trier

Diskussion
Rolf Klatta, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft
Dirk Weißer, Kreisvolkshochschule Ammerland