Forum F: Literalität und Weiterbildung

In Befragungen zum Weiterbildungsverhalten ist in den vergangenen Jahren ein Anstieg der Weiterbildungsquote in der Bevölkerung zu beobachten. Das Niveau und die Entwicklung der Weiterbildungsbeteiligung unterscheiden sich dabei nach beruflicher Stellung und Wirtschaftsbranche. Im Forum „Literalität und Weiterbildung“ werden Entwicklungen und Herausforderungen der Weiterbildung anhand neuer Zahlen diskutiert und bewertet.

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Im Gespräch mit Prof. Michael Heister (rechts) gibt Dr. Ulrich Raiser (links) eine erste Eischätzung zu den neuen Teilergebnissen der LEO-Studie aus Sicht der Länder.

© bmbf/h.scherm


Alphabetisierungs- und Grundbildungsangebote werden kaum wahrgenommen

Gregor Dutz von der Universität Hamburg stellt ein Kernergebnis der LEO-Studie 2018 dar. Die Weiterbildungsbeteiligung von gering literalisierten Erwachsenen ist in den letzten Jahren leicht angestiegen auf 28 Prozent. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung mit ca. 47 Prozent nimmt diese Bevölkerungsgruppe allerdings wesentlich seltener Weiterbildungsangebote wahr. Alphabetisierungs- und Grundbildungsangebote spielen für Erwachsene mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben kaum eine Rolle. Nur 0,7 Prozent der gering literalisierten Erwachsenen geben an, ein Angebot aus dem Bereich Grundbildung und Alphabetisierung besucht zu haben. „Trotz des gestiegenen Angebots und Bewusstseins zur Alphabetisierung und Grundbildung in den letzten Jahren ist die Teilnahme an entsprechenden Angeboten immer noch gering.“ kommentiert Prof. Dr. Corinna Kleinert aus dem LEO-Beirat das Ergebnis.

Berufsparadox: Anstoß und Hinderungsgrund für Weiterbildungsbeteiligung
Betriebliche Weiterbildungsstrukturen sind für Prof. Dr. Kleinert zentrale Determinanten der Weiterbildungsteilnahme. So hat LEO herausgefunden, dass insbesondere berufliche Gründe zu einer Weiterbildungsbeteiligung führen, um z. B. berufliche Tätigkeiten besser ausüben zu können. Gleichzeitig verhindern berufliche oder familiäre Verpflichtungen eine Teilnahme. Es fehlt oft die Zeit dafür. Circa 60 Prozent der gering literalisierten Erwachsenen würden jedoch einer nicht verpflichtenden Weiterbildungsempfehlung der oder des Vorgesetzten folgen.

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Prof. Corinna Kleinert zur Teilnahme gering Literalisierter in der betrieblichen Weiterbildung.

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Staatliche Förderinstrumente und Zusammenarbeit verbessern
Im Gespräch mit Prof. Michael Heister vom Bundesinstitut für Berufsbildung gibt Dr. Ulrich Raiser eine erste Eischätzung zu den neuen Teilergebnissen der LEO-Studie aus Sicht der Länder. „Es ist besorgniserregend, dass wir mit unseren Angeboten an diese große Gruppe von Menschen nicht herankommen. Leider sagt die Studie wenig darüber hinaus, wie wir die Weiterbildungsteilnahme in der Alphabetisierung und Grundbildung verbessern können.“ so Dr. Raiser. Er sieht starken Handlungs- und Abstimmungsbedarf bei Bund, Ländern und der Bundesarbeitsagentur damit Grundbildung im Arbeitskontext gefördert werden kann und Verweisstrukturen verbessert werden. Die Nationale Weiterbildungsstrategie könnte dafür ein geeigneter Anlass sein. Über die Jobcenter könnten wesentlich mehr Menschen mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben erreicht werden. Wenn die Schriftsprach- und Grundbildungskompetenzen in der Erwachsenenbevölkerung in der AlphaDekade deutlich verbessert werden sollen, müssen alle staatlichen Ebenen konstruktiv zusammenarbeiten. Es dürfe nicht um Zuständigkeiten gehen.

Moderation

Prof. Dr. Michael Heister, Bundesinstitut für Berufsbildung

Präsentation der LEO-Ergebnisse und wissenschaftlicher Kommentar:

Gregor Dutz, Universität Hamburg

Prof. Dr. Corinna Kleinert, LIfBi, Universität Bamberg, LEO-Beirat

Reflexion aus Sicht der Länder:

Dr. Ulrich Raiser, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin