Forum F: Strukturen und Förderinstrumente der arbeitsbezogenen Grundbildung

Arbeitsorientierte Grundbildung gilt als eine Möglichkeit, die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen zu erhalten und damit auch langfristig den Fachkräftebedarf zu sichern. Welche Erfahrungen haben Unternehmen und Weiterbildungsanbieter gemacht? Welche Strukturen und Förderinstrumente sind nötig, um den Übergang aus der Projektförderung in den Regelbetrieb zu ermöglichen? Welche Rahmenbedingungen muss die Politik setzen? Diesen Fragen widmete sich diese Forum

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Dr. Roland Peter, Thomas Bartelt, Dr. Peter Jansen und Kai Sterzenbach diskutieren über die Entwicklung arbeitsbezogener Grundbildung.

© BMBF/ H. Scherm.


Rund die Hälfte der Konferenz-Teilnehmenden nahmen an diesem Forum teil – ein Hinweis darauf, wie sehr das Thema der arbeitsorientierten Grundbildung die Fach- und Lehrkräfte beschäftigt. Zunächst stellten Dr. Sabine Schwarz und Prof. Dr. Michael Schemmann zehn Thesen aus der langjährigen Projektarbeit der Tandemprojekte Gruwe (Entwicklung von Konzepten zu arbeitsorientierten Alphabetisierungs- und Grundbildungsangeboten in NRW) sowie ABAG II (wissenschaftliche Begleitung und Erforschung der Prozesse im Betrieb) auf:

  1. Um Betriebe für Arbeitsorientierte Grundbildung (AoG) zu gewinnen, bedarf es eines externen Impulses, d.h. der Ansprache durch einen „Prozesstreiber“.
  2. Der externe Treiber muss komplexe Aufgaben übernehmen, den Prozess von der Ansprache, Bildungsmanagement, Bedarfsanalyse im Unternehmen über die Konzeption und Umsetzung der Angebote bis hin zu ihrer Evaluation zu steuern und zu begleiten.
  3. Bereits etablierte Strukturen innerbetrieblicher Weiterbildung sind förderlich für die Institutionalisierung von Grundbildungsangeboten im Betrieb.
  4. Als förderlich für die Institutionalisierung erweisen sich die Identifikation und Sichtbarmachung von Grundbildungsbedarfen.
  5. Wichtig ist, alle relevanten Betriebsparteien einzubeziehen.
  6. Die Einbindung der Lehrkräfte erfolgt flexibel und ist an den Lern- und Arbeitsprozess orientiert.
  7. Für die Institutionalisierung ist die Durchführung der arbeitsorientierten Grundbildungskonzepte auf höchster Qualität erforderlich. Dazu muss eine Balance und Passung zwischen betrieblichen Bedarfen und den Bedürfnissen der Teilnehmenden hergestellt werden.
  8. Es gilt den Nutzen der Weiterbildungsmaßnahmen mehrperspektivisch zu argumentieren, d.h. es werden individuelle und betriebsbezogene Effekte differenziert.
  9. Die Institutionalisierung hängt nachhaltig vom Erfolg der ersten Veranstaltungen bei den Teilnehmenden ab. Im Idealfall entwickelt sich ein Schneeballeffekt und andere Nicht-Teilnehmende werden motiviert mitzumachen.
  10. Förderlogiken sind entlang der Biografien der Teilnehmenden und nicht entlang der Zuständigkeiten für Bildungsbereiche zu denken.

Schon bei dieser Präsentation zeichneten sich Fragestellungen ab, die auch in der anschließenden Diskussionsrunde aufgegriffen wurden: Wie lassen sich Unternehmen und Weiterbildungsanbieter zusammenbringen? Welche Partner inner- und außerhalb der Unternehmen gibt es und wie sehr fühlen sich diese für das Thema Grundbildung zuständig? Wie lässt sich die Finanzierung einzelner Angebote verstetigen und welche Förderinstrumente braucht es dafür?

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Erhöhte Nachfrage bei Betrieben, viele Erkenntnisse, fehlende nachhaltige Strukturen
Nach Auffassung der Diskussionspartner hat sich die arbeitsbezogene Grundbildung in den vergangenen Jahren überraschend gut entwickelt und es wurden mit Projekten viele Erkenntnisse generiert. Laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll der Zugang zu Grundbildung verstärkt über den Arbeitsplatz erfolgen. Die Kultusministerkonferenz der Länder hat aus den Zielen der AlphaDekade einen 10-Punkte-Plan erarbeitet. In den Ländern sind Initiativen entstanden, an denen sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen beteiligen. Nach Auffassung des Podiums hat auch in den Unternehmen die Sensibilisierung für das Thema Alphabetisierung und Grundbildung spürbar zugenommen. Grundbildung wird seitens der Unternehmen verstärkt nachgefragt.

Gleichzeitig fanden die Diskutanten Beispiele dafür, dass die bestehenden Strukturen an vielen Stellen nicht (mehr) zu den aktuellen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt passen. Bisherige Strukturen und Förderinstrumente zur arbeitsorientierten Grundbildung müssten angepasst und ggf. erneuert werden. Dazu müsste eine Expertengruppe initiiert werden, in der alle wichtigen Interessengruppen vertreten sind.

Beteiligte

Moderation:                    
Kai Sterzenbach, Lernende Region Netzwerk Köln

Referierende:                 
Prof. Dr. Michael Schemmann, Universität zu Köln, Projekt ABAG II
Dr. Sabine Schwarz, Lernende Region Netzwerk Köln, Projekt Gruwe

Diskussionsrunde:
Thomas Bartelt, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Dr. Roland Peter, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
Dr. Peter Janßen, Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e.V./AG der Bildungswerke der Deutschen Wirtschaft e.V.