GeLiNu – Entstehung und Entwicklung geringer Grundbildung erforschen

Das Forschungsprojekt GeLiNu hat zum Ziel, auf der Grundlage von Längsschnittdaten die Gründe zu untersuchen, warum Erwachsene in Deutschland nicht richtig Lesen, Schreiben und Rechnen können. Des Weiteren soll erforscht werden, in welcher Art und Weise sich diese Fähigkeiten im Laufe des Lebens verändern.

Ursachen für geringe Grundbildung erforschen

In Deutschland leben rund 7,5 Millionen funktionale Analphabeten, die bezogen auf ihre Erwerbsfähigkeit, Gesundheit und soziale Teilhabe erhebliche Nachteile erleben. Um der Problematik geringer Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten zu begegnen, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Diese müssen an den entscheidenden Scharnierstellen im Bildungsprozess der einzelnen Personen ansetzen. Hierfür ist es erforderlich, die vielfältigen Entstehungsfaktoren geringer Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten/ geringer Literalität und Numeralität zu untersuchen. Die bisherige Forschung zu den Ursachen stützt sich allerdings fast ausschließlich auf die Analyse von Querschnittsdaten. Sie liefert somit kaum belastbare Erkenntnisse darüber, warum und zu welchem Zeitpunkt im Leben der Erwerb von Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen beeinträchtigt wurde. Ebenso wenig ist bekannt, wie sich Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen im Verlauf des Lebens verändern, wenn diese einmal erworbenen Fähigkeiten nicht mehr trainiert oder gebraucht werden. Das Forschungsprojekt GeLiNu schließt diese Forschungslücke. An dem zum 01.11.2017 gestarteten Projekt beteiligt sind das GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften in Mannheim, die Universität Hamburg und das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg.

Erklärungen für die Entstehung und Veränderung geringer Grundbildung finden

Der Forschungsansatz des GeLiNu-Projekts verfolgt zwei Leitfragen, die auf Basis der international einzigartigen Längsschnittdaten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) beantworten werden sollen:

Was sind die Entstehungsfaktoren für geringe Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen?

Worin bestehen die individuellen und umfeldbezogenen Ursachen, die das Gleichbleiben bzw. das Erreichen oder Verlassen der geringsten Kompetenzstufe erklären? Bei der Beantwortung dieser Frage werden Faktoren wie verstandesmäßige und nicht-verstandesmäßige Grundfertigkeiten, Bildungswege, Beteiligung am Erwerbsleben sowie Familie und Lebenswelt berücksichtigt. Diese Ergebnisse können als Basis für politische und pädagogische Steuerungsmaßnahmen dienen.

Wie verändern sich Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten im Leben?

Wie hoch ist die Rate von Personen einer Bevölkerungsgruppe, die nur über geringe Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen verfügt – und wie verändert sich dieser Anteil im Verlauf der Jahre? Zur Beantwortung dieser Frage wird die Kompetenzentwicklung der Befragten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) zu Beginn des Erwachsenenalters sowie im weiteren Verlauf des Erwachsenenalters verfolgt. Auf diese Weise wird deutlich, wie viele Erwachsene im Verlauf ihres Lebens so große Kompetenzverluste oder -gewinne erleben, dass sie auf die geringste Kompetenzstufe abrutschen aus dieser aufsteigen.