Grundbildung und Sozialraum – eine erfolgsversprechende Partnerschaft

20 Projekte aus dem BMBF-Förderschwerpunkt der lebensweltlich orientierten Alphabetisierung und Grundbildung sind in Bonn zusammengekommen. Der Austausch von Erfahrungen zur Ansprache von gering literalisierten Erwachsenen stand dabei im Fokus.

Auf Einladung der Koordinierungsstelle der AlphaDekade kamen 60 Vertreterinnen und Vertreter der Projekte im Universitätsclub Bonn zu einem Workshop zusammen. Im Vordergrund stand der fachliche Austausch zu den Themen der Identifizierung und Ansprache der Zielgruppe(n) sowie der Entwicklung von niederschwelligen Grundbildungsangeboten.

Die Leiterin der „Koordinierungsstelle AlphaDekade“ Karin Küßner  begrüßte die Teilnehmenden und gab einen Überblick über die vielfältige Anzahl von Kooperationspartnern innerhalb der Projekte. Ziel der Projekte ist es, in partnerschaftlicher und sich ergänzender Zusammenarbeit und Expertise, neue Lernformate und Modelle zur Ansprache von Erwachsenen mit Grundbildungsbedarf modellhaft zu entwickeln und zu erproben.

Im Anschluss daran folgten Blitzlichter aus der Projektpraxis. Kurze Inputs aus vier der insgesamt 20 aktuell laufenden Projekte.

Für viele Ratsuchende sind ihre „Lücken“ kein Tabu

Zunächst stellte das Projekt „InSole – In Sozialräumen lernen“ des Deutschen Volkshochschul-Verbandes erste Erkenntnisse aus einer Befragung von Fachkräften des Verbundpartners „Der Paritätische NRW“ und dessen Mitgliedsorganisationen vor. 87 Prozent der beratenden Fachkräfte nehmen Lese- und Schreibschwierigkeiten bei ihrer Klientel wahr oder sie vermuten diese zumindest. Häufig teilten die Personen ihnen das selbst mit, was den Schluss nahelegt, dass das Thema seitens der Ratsuchenden in diesem Kontext wenig tabuisiert wird. Umgekehrt gab mehr als ein Drittel der Fachkräfte an, die Klientel noch nie darauf angesprochen zu haben, auch wenn knapp drei Viertel der befragten Fachkräfte von entsprechenden Kursangeboten wissen, auf die sie verweisen könnten. Insbesondere für Mitarbeitende aus den Bereichen Schuldnerberatung und „Armut und Grundsicherung“ werde der Beratungsprozess durch vorhandene Lese- und Schreibschwierigkeiten bei ihrer Klientel erschwert.

Angepasste Lernbegleitung, je nach individueller Zielsetzung

Im Anschluss erläuterte das Hamburger Projekt Elb-Brücken ihr angewandtes Stufenmodell. Hierbei werden die Ratsuchenden durch ein enges Netz an unterstützenden Personen der verschiedenen Partnereinrichtungen im Entwicklungsprozess begleitet. Je nach Phase und der damit beabsichtigen Erfahrung erfolgt eine individuelle Begleitung und Unterstützung. Ausgangspunkt dafür ist ein vorher mit der Zielperson gemeinsam erarbeiteter Plan. Dieser setzt bei der Aktivierung dieser Person an und führt über kleinschrittige Erfolgserlebnisse durch die Mitarbeit an Angeboten und das Entdecken von Gemeinsamkeiten über gegenseitiges Lernen zur Entwicklung von persönlichen Zielen und schließlich auch deren Umsetzung mit der Unterstützung des gegebenen Umfeldes.

Die Arbeit in Tandems ist ein Gewinn für alle

Über eine andere Art von enger Begleitung beim Lernen durch Ehrenamtliche berichtete das Projekt 1zu1 BASICS der Volkshochschule Frankfurt am Main. Hier werden die Ehrenamtlichen durch die AWO akquiriert und von der VHS zu Lernbegleitern geschult. Diese werden dann über die sozialräumlichen Partner im Rahmen der Beratung weitervermittelt. Die Ehrenamtlichen und die Lernenden bilden dabei Lerntandems So werden Lernende gerade bei neuen Abläufen, in neuen Umgebungen oder bei Übergängen nicht allein gelassen.

Gut informierte Fachkräfte motivieren besser und nachhaltiger

Das Projekt „CurVe II“ des Deutschen Instituts der Erwachsenenbildung sensibilisiert und schult  Beratungsfachkräfte aus verschiedenen Bereichen der Sozialarbeit für das Thema Finanzielle Grundbildung. Ziel ist es, durch umfassende Sensibilisierungsworkshops die Fachkräfte darauf vorzubereiten, Klienten mit lückenhafter Grundbildung zu erkennen, sie anzusprechen und erfolgreich zur Teilnahme an entsprechenden Hilfsmaßnahmen zu motivieren. Das Workshopkonzept folgt dabei dem Dreischritt Erkennen, Ansprechen, Handeln. Im Rahmen des Projekts werden vielfältige Schulungs- und Unterrichtsmaterialien zum Thema Finanzen entwickelt.

Fachdialog über Gelingensbedingungen

Im Anschluss tauschten sich die Teilnehmenden in Gruppen dazu aus, was die Erfolgsfaktoren für eine gelungene Ansprache und Motivation der Zielgruppe durch die sozialräumlichen Partner sind. Als entscheidende Faktoren wurden hier vor allem ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen den Beratenden und ihren Klienten genannt sowie gut informierte Fachkräfte, die den Mehrwert der Vermittlung in ein Lernangebot für beide Seiten sehen. Aber auch die Wertschätzung und Unterstützung der Fachkräfte durch passende Informationsmaterialien sowie durch zusätzliche Ressourcen ganz unterschiedlicher Art sind von zentraler Bedeutung. Nach dem Mittagessen wurde die Gruppenarbeit weitergeführt, nun mit dem Fokus auf die Ausgestaltung niederschwelliger Lernangebote und der für den Erfolg wichtigen Übergange zwischen verschiedenen Aktivierungs- und Lernangeboten.