Grundbildungsstrukturen aus internationaler Sicht

Warum holen in manchen Ländern viele Erwachsene eine fehlende Grundbildung nach – in anderen jedoch kaum? Prof. Anke Grotlüschen stellt im Gespräch mit der Moderatorin Bettina Kerschbaumer-Schramek einen internationalen Vergleich der Erwachsenenbildungssysteme vor. Ihr Resümee: Je enger Alltag und Lernen miteinander verknüpft sind und je durchlässiger das Bildungssystem ist, desto leichter fällt das Lernen bis ins höhere Alter. 

Tischgespräch

Prof. Dr. Anke Grotlüschen vergleicht Alphabetisierungsangebote verschiedener Länder und plädiert für eine enge Verknüpfung von Lernen und Alltag. 

© BMBF/ H. Scherm.


Die Autorin der leo-level one-Studie bezieht sich in ihrer Analyse vor allem auf die Arbeiten von Richard Desjardins. Er hatte in einer Forschungsreihe 22 Länder miteinander verglichen, darunter die USA und Großbritannien, Südkorea, Deutschland und die skandinavischen Länder. Dabei zeigen sich große Unterschiede in der Erwachsenenbildung.
 

Mehr Grundbildung und Lernen im vertrauten Umfeld
So sind etwa im skandinavischen Raum Angebote der Alphabetisierung viel enger an eine Grundbildung auch in Fächern wie Mathematik oder Biologie gebunden, als das in Deutschland der Fall ist. Ein weiterer Unterschied zeigt sich zu Ländern wie Dänemark oder Korea: Dort gibt es einen stark zentralisierten Ansatz in der Erwachsenenbildung, der Stadteilzentren und Mehrgenerationenhäuser systematisch einbezieht. In den USA wiederum ist die Erwachsenenbildung stark an den amerikanischen Traum gebunden. Ein konkreter Aufstieg, ein besser bezahlter Beruf ist hier häufiger Auslöser dafür, einzelne Qualifikationen nachzuholen.

Einen weiteren Zusammenhang sieht Prof. Grotlüschen in Bildungsstrukturen, die einen Wechsel zulassen – etwa aus dem Beruf zurück in die formale Bildung. In den Niederlanden ist das üblicher als in Deutschland. Die Teilnahme an Maßnahmen der Grundbildung liegt dort etwa doppelt so hoch, wie hierzulande. 

Beteiligte           

Prof. Dr. Anke Grotlüschen, Universität Hamburg

Moderation
Bettina Kerschbaumer-Schramek