Halbzeit der AlphaDekade – Bund und Länder ziehen Zwischenbilanz

Im Rahmen der AlphaDekade-Konferenz ziehen Bund und Länder eine Zwischenbilanz. Ein guter Anlass, die Bevölkerung zu fragen, wie wichtig das Lesen und Schreiben für ihren Alltag ist.

AlphaDekade Online-Konferenz

Bevölkerungsbefragung zur Bedeutung von Lesen und Schreiben im Alltag

Anlässlich der Halbzeit der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung 2016-2026 (AlphaDekade) wurden die Bundesbürger in einer repräsentativen Erhebung gefragt, wie wichtig das Thema Lesen und Schreiben für sie ist.

Die Befragung hat ergeben, dass 71 Prozent der Bevölkerung Lesen für eine besonders wichtige Fähigkeit im Leben halten. Für 90 Prozent ist das Lesen heute genauso wichtig oder noch wichtiger als vor 20 Jahren. Allerdings empfindet der Befragung zufolge auch jeder zehnte Erwachsene das Lesen als „anstrengend“.

„Einstellung zum Lesen“ (Allensbach-Befragung 2020  BMBF)

In der aktuellen Corona-Pandemie heißt das für zahlreiche Menschen, dass sie relevante Informationen nur schwer finden, verstehen und im Alltag anwenden können. Sie fühlen sich überfordert. Aber nur, wer ausreichend informiert ist, kann sich selbst und andere schützen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtiger denn je, ausreichende Lesekompetenz in der Bevölkerung zu gewährleisten. Lesen, Schreiben und Rechnen sind Grundvoraussetzungen, am gesellschaftlichem Leben teilzuhaben und sein Leben aktiv gestalten zu können.

Corona – Was schwer fällt“ (Allensbach-Befragung 2020  BMBF)

Mit der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung haben sich Bund, Länder und gesellschaftliche Partner das Ziel gesetzt, eine ausreichende Lese- und Schreibkompetenz für alle Menschen in unserem Land sicherzustellen. Und sie haben viel erreicht:

Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten am Arbeitsplatz erreichen

Rund 62 Prozent der Erwachsenen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten sind beschäftigt. Deshalb eignet sich die Arbeitswelt besonders gut, Menschen hier anzusprechen und zum Lernen zu motivieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert daher Projekte im Bereich der arbeitsorientierten Alphabetisierung und Grundbildung. Hier ist es gelungen, innovative Grundbildungsangebote zu entwickeln und in die Breite zu tragen. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt AlphaGrund: Das Institut der deutschen Wirtschaft verankert gemeinsam mit den Bildungswerken der Wirtschaft modellhafte Grundbildungsangebote in der betrieblichen Weiterbildung von Unternehmen.

Die teilnehmenden Unternehmen erkennen zunehmend, dass sich die Qualifizierung gering literalisierter Beschäftigter lohnt. Denn wenn Beschäftigte besser lesen und schreiben können, machen sie weniger Fehler und leisten bessere Arbeit. Oft gelingt so auch der Schritt in die berufliche Weiterbildung. Weil dieser Ansatz so erfolgversprechend ist, wird das BMBF in der zweiten Hälfe der AlphaDekade weitere Projekte im Bereich der arbeitsplatzorientierten Grundbildung fördern. Dafür werden in den nächsten drei Jahren bis zu 24 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit diesen Projekten sollen vor allem Beratungsstrukturen gestärkt und die Qualitätsentwicklung in Lehr- und Lernprozessen vorangetrieben werden. Ziel ist es, den Ansatz der arbeitsorientierten Grundbildung strukturell im System der beruflichen Weiterbildung zu verankern.

Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten im Alltag erreichen

Einen weiteren Zugang zu Menschen mit Lese- und Schreibproblemen bietet die Alltagswelt. Im Förderschwerpunkt „Lebensweltlich orientierte Alphabetisierung und Grundbildung“ werden daher niedrigschwellige Beratungs- und Lernangebote entwickelt, die Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten in ihrem Lebensalltag abholen. Der Zugang zu Betroffenen wird über Vereine, Familienberatungsstellen, Mehrgenerationenhäuser oder auch über Verbraucherzentralen gesucht. So werden Alltagsthemen wie gesunde Ernährung oder der Umgang mit Geld zum Anknüpfungspunkt, um zum Lernen zu motivieren. Für die Verankerung von vielversprechenden Projekten werden wir in der zweiten Hälfe der AlphaDekade rund zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Enrico: E-Mails machen mir heute keine Angst mehr

BMBF/ Bildkraftwerk/Kurc

Information und Sensibilisierung: Kampagne „Lesen & Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“

Die Kampagne „Lesen & Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“ trägt mit Onlineaktivitäten, TV- und Radiospots dazu bei, Lese- und Schreibschwierigkeiten im Erwachsenenalter zu enttabuisieren. Zunehmend wird das Thema nicht mehr verschwiegen, sondern offen diskutiert. So fällt es Betroffenen leichter, Hilfe zu suchen. Mit der Kampagne werden seit letztem Jahr auch gezielt Erwachsene mit Lese- und Schreibproblemen und ihr Umfeld angesprochen, um sie direkt über Beratungs- und Lernangeboten zu informieren. Die geschieht insbesondere über die sozialen Medien. Die Veröffentlichung von persönlichen Erfolgsgeschichten Betroffener motivieren andere und zeigen, dass man mit Lese- und Schreibschwierigkeiten in unserem Land nicht allein gelassen wird. Und dass es viele Lernangebote gibt, die auf die speziellen Bedürfnisse dieser Gruppe zugeschnitten sind.

Forschungsprojekte zur Optimierung der individuellen Ansprache

Trotz aller Erfahrungen aus der Praxis bedarf es weiterer wissenschaftliche Erkenntnisse, auf die sich die Maßnahmen und das politische Handeln stützen. Deshalb fördert das BMBF 14 Forschungsprojekte mit insgesamt acht Millionen Euro. Auf diese Weise sollen systematische Erkenntnisse erlangt werden, um die individuelle Ansprache der betroffenen Menschen zu verbessern. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen auch dazu führen, Lehr- und Lernprozesse weiterzuentwickeln und die Strukturen in der Alphabetisierung und in der Grundbildung zu stärken. Die zusätzlichen Erkenntnisse sollen in der zweiten Halbzeit der AlphaDekade genutzt werden.