Hessen

Landespolitische Initiativen

Die Grundversorgung mit Maßnahmen zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener ist in Hessen über das Hessische Weiterbildungsgesetzes HWBG geregelt. Sowohl die Volkshochschulen als auch anerkannte Organisationen in freier Trägerschaft können Zuwendungen aus Landesmitteln erhalten. Die lokalen Volkshochschulen decken mit ihren offenen (Regel-)Kursen eine landesweite Grundversorgung ab. Parallel dazu existieren eine Reihe von Projekten, die sich nicht nur an Betroffene richten, sondern auch Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sensibilisieren, Lehrkräfte der Grundbildung qualifizieren sowie alternativen Zugänge und Ansprachen entwickeln.

Beispiele hierfür sind:

  • Im Rahmen der Sonderförderung der landesweiten Organisationen von Weiterbildungseinrichtungen in freier Trägerschaft führen neun Bildungswerke, die u.a. von Wirtschaft und Gewerkschaften, aber auch den Landeskirchen betrieben werden,   seit 2012 ein gemeinsames Vorhaben durch. Ziel ist es, sowohl die Mutterorganisationen als auch die dort tätigen Lehrkräfte und Übungsleiter zu sensibilisieren und Grundbildung als festes Thema in den Angeboten der Bildungswerke zu verankern.
  • HESSENCAMPUS (HC) ist ein landesweites Schlüsselvorhaben, das in regionszentrierten Netzwerken unterschiedliche Einrichtungen (Volkshochschulen, Berufliche Schulen, Schulen für Erwachsenen und ggf. weitere Träger) auch im Handlungsfeld der Alphabetisierung und  Grundbildung zusammenbringt. Sie sollen sich über lokale Bedarfe austauschen, ihr Angebot daraufhin anpassen und eine entsprechende Bildungsberatung anbieten. Derzeit gibt es 15 regionale HC-Verbünde in gemeinsamer Trägerschaft und Finanzierung des Landes und der jeweiligen Kommune.
  • Die Landesarbeitsgemeinschaft Erwachsenenbildung im Justizvollzug (LAG Justiz) erhält nach dem HWBG Mittel für Maßnahmen der kulturellen Bildung sowie Maßnahmen zur Alphabetisierung in den hessischen Justizvollzugsanstalten.

Am 30. September 2016 haben das Land Hessen sowie die öffentlichen und freien Träger der Erwachsenenbildung den Weiterbildungspakt 2017-2020 unterzeichnet. Dafür stellt das Land Hessen zusätzlich 12 Millionen Euro zur Verfügung. Ausdrücklich berücksichtigt sind Maßnahmen der Alphabetisierung und Grundbildung. Die zusätzlichen Mittel fließen sowohl in die Förderung zusätzlicher Projekte als auch in die Qualitätssicherung durch erhöhte Stundensätze für das Lehrpersonal.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Landesregierung betreibt eine eigene Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Alphabetisierung und Grundbildung. Botschafter ist der erfolgreiche Kunstturner und Olympiasieger Fabian Hambüchen. Mit seiner Unterstützung will die Landesregierung auf das Thema aufmerksam machen und dem Anliegen ein Gesicht geben.

Prävention

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Prävention von funktionalem Analphabetismus. Das Land Hessen hat eine zweitägige Fortbildung für Lehrkräfte der Sekundarstufe 1 initiiert. Die Maßnahme klärt über Ursachen, Gefahren und Folgen von funktionalem Analphabetismus auf, stärkt die Diagnose-und Förderkompetenz der Lehrkräfte und stellt geeignete Unterrichtsmaterialien vor.

Koordinierungsstelle

Als Koordinationsstelle für den Bereich Alphabetisierung und Grundbildung hat das Land den Hessischen Volkshochschulverband (hvv) e.V. benannt.

Aufgaben der Koordinierungsstelle sind:

  • Fortbildungen und Tagungen
  • Projekte im Handlungsfeld Grundbildung (eigene Projekte und Kooperationsprojekte)
  • Vernetzung der Volkshochschulen
  • Hessenweiter Transfer von Ergebnissen aus Modellprojekten
  • Informations-und Produkttransfer aus dem Bundesarbeitskreis Grundbildung/Alphabetisierung des Deutschen Volkshochschulverbandes
  • Koordinierung und Verleih der Ausstellung „Lesen und Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“

Grundbildungszentren

Errichtung von regionalen Grundbildungszentren in der aktuellen ESF Förderperiode (2014 – 2020)

Seit dem 01.01.2016 fördert das Land Hessen fünf regionale Grundbildungszentren in Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kassel und Wiesbaden. Ziel ist es, betroffene Menschen in ihrem Sozialraum zu erreichen und sie mit niedrigschwelligen und alltagsnahen neuen Lernarrangements anzusprechen. Die Grundbildungszentren etablieren dafür eine regional ausdifferenzierte Unterstützungsstruktur. In einer zweiten Förderphase (2020-2022) sollen fünf weitere Grundbildungszentren hinzukommen.

Regionale Vernetzung 

Für den Transfer guter Praxisbeispiele und Lösungsansätze koordiniert das Hessische Kultusministerium seit 2012 eine landesweite offene Fachgruppe. Ihr gehören neben öffentlichen und freien Trägern sowie den HC-Verbünden unter anderem auch Vertreter/innen von Jobcentern an. Die Teilnehmenden tauschen sich über relevante Informationen aus, berichten über konkrete Aktivitäten sowie Best-Practice-Beispiele aus ihrer Region und diskutieren die Einbindung bereits vorhandener Expertise aus den Verbänden und anderen Bundesländern in die eigene Arbeit.