REACH - Junge Erwachsene für eine bessere Grundbildung gewinnen

Junge Erwachsene für eine bessere Grundbildung gewinnen und frühzeitig das Lesen und Schreiben stärken. Die Lust am Lesen wecken. Nur wie? Mit welchen Mitteln? Mit welchen Themen? Über welche Medien? Die Stiftung Lesen führt dazu das Forschungs- und Entwicklungsprojekt REACH durch. Warum? Damit funktionaler Analphabetismus nicht zum nachwachsenden Problem wird.

Projekt REACH

© Stiftung Lesen

Formale Grundbildungsangebote erreichen junge Zielgruppen schwer

Mehr als 1,8 Millionen Menschen zwischen 16 und 35 Jahren können nicht richtig lesen und schreiben. Viele von ihnen lassen sich dem Alpha-Level 3 zuordnen. Das heißt: Sie sind zwar in der Lage, einzelne Sätze zu entziffern oder zu Papier zu bringen. An zusammenhängenden Texten jedoch scheitern sie. Gerade junge Erwachsenen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten können diese Herausforderungen mit einem Gerüst aus Tricks und Ausreden im Alltag noch gut umschiffen. Das macht es schwer, sie in dieser Lebensphase mit formalen Lernangeboten zu erreichen. Die Folge: Von Berufsbeginn an sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verringert. Außerdem besteht das Risiko, mangelnde Schriftkenntnisse an die eigenen Kinder weiterzugeben.

Zugang zu Berufseinsteigern und jungen Eltern finden

Mit ihrem Forschungsprojekt REACH rückt die Stiftung Lesen gezielt Jugendliche und junge Erwachsene in den Fokus der Leseförderung, um sie in der wichtigen Lebensphase von Berufseinstieg und Familiengründung zu unterstützen. REACH entwickelt speziell auf sie zugeschnittene Zugangswege. Dabei sollen sich diese Ansätze auch auf bereits bestehende Angebote übertragen lassen. Die Stiftung Lesen bindet daher viele Kooperationspartner in ihr Forschungsprojekt ein.

 Interviews, Analysen und drei Modellprojekte

  • Schritt 1: Die Analyse der Zielgruppe. Was prägt die Lebenswelt der 16- bis 35-Jährigen? Welche Interessen haben sie? Was spricht sie an? Was schreckt sie ab? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, wertet REACH in einem zweistufigen Verfahren bereits vorhandene Daten aus. Im ersten Schritt werden Studien, die Informationen zur Lesekompetenz enthalten (leo., PIAAC, NEPS) neu analysiert und Merkmale der lesefernen Zielgruppe identifiziert. Diese Merkmale werden dann in der zweiten Analysephase, bei der u. a. Studien zum Konsum- und Gesundheitsverhalten betrachtet werden, relevant, um die leseferne Zielgruppe auch in diesen Datenbeständen zu identifizieren.
  • Schritt 2: Die Analyse weiterer Zugangswege. Ein besonderer Schwerpunkt der Forschung liegt darauf, bereits vorhandene Zugangswege besser zu nutzen und Bezugspersonen von jungen Erwachsenen in die Ansprache einzubinden. Die Stiftung Lesen untersucht beispielsweise die These, dass die Zielgruppe Ärztinnen und Ärzte ein besonderes Vertrauen entgegenbringt und deren Ansprache eher akzeptiert, als Hinweise anderer Menschen in ihrem Umfeld. In leitfadengestützten Interviews mit Betroffenen sowie in Fokusgruppen mit Expertinnen und Experten sollen Zugangswege auf Tauglichkeit und Umsetzbarkeit geprüft werden. Potenzielle Schwierigkeiten lassen sich somit vor Projektbeginn minimieren.
  • Schritt 3: Entwicklung von Modellprojekten. Aus den gewonnenen Daten will REACH Themen, Kommunikationsmittel, Ansprachemöglichkeiten und praxistaugliche Zugangswege ableiten, die junge Erwachsene niederschwellig und effektiv erreichen. Drei Modellansätze sollen erprobt und wissenschaftlich begleitet werden.