KogLit – Geringer Literalität entgegenwirken

Was führt dazu, dass mehr als sechs Millionen Erwachsene in Deutschland nicht ausreichend lesen und schreiben können – und damit gering literalisiert sind? Welche Hilfe kann den betroffenen Menschen angeboten werden? Das Projekt „Kognitive Grundlagen geringer Literalität Erwachsener“ (KogLit) untersucht, welchen Beitrag kognitive Ursachen zur Entstehung geringer Literalität leisten. Abgeleitet aus den Ergebnissen der Untersuchungen werden spezifische Lernmodule für Betroffene entwickelt und in der Praxis erprobt.

KogLit

Ergründung kognitiver Ursachen

Bisher ist wenig bekannt über die vielfältigen Ursachen, die zu geringer Literalität bei Erwachsenen führen. Aus Forschungsergebnissen zur Lese- und Rechtschreibstörung bei Kindern wissen wir, dass kognitive Ursachen, wie z. B. Aufmerksamkeitsprobleme oder Schwierigkeiten, sich kurzzeitig Informationen zu merken, zur Entstehung der Störung beitragen können. Inwieweit solche kognitiven Faktoren auch eine Ursache für geringe Literalität bei Erwachsenen darstellen, ist jedoch bisher weitestgehend unklar. Ein Ziel dieses Projekts ist deshalb, kognitive Basisfunktionen, die für das Lesen wesentlich sind, bei gering literalisierten Erwachsenen mittels diagnostischer Tests zu untersuchen. Diese Tests werden am Institut für Psychologie der Universität Bamberg durchgeführt.

Entwicklung und Erprobung von Lernmodulen

Die Ergebnisse der diagnostischen Tests bilden die Basis zur Entwicklung spezifischer Lernmodule für unterschiedliche Zielgruppen. Die verschiedenen Lernanforderungen der Teilnehmenden in Alphabetisierungs- und Grundbildungskursen sowie in Integrationskursen sollen Berücksichtigung finden. Eine anschließende praktische Erprobung der neuen Lernmodule soll langfristig dazu führen, die Effektivität entsprechender Kurse hinsichtlich der Vermittlung von Schriftsprachkompetenzen zu verbessern. Die Entwicklung und praktische Erprobung der Lernmodule erfolgt durch die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH, Bamberg in Kooperation mit der Universität Bamberg.

Die Zielgruppen des Projekts

Da sowohl Erwachsene mit Deutsch als Erstsprache als auch in Deutschland lebende Migrantinnen und Migranten von geringer Literalität betroffen sind, bilden diese den Personenkreis, welcher mit dem Projekt „KogLit“ erreicht werden soll. Es ist weiterhin bekannt, dass bei etwa 5% der gering literalisierten Erwachsenen eine diagnostizierte Lese- und Rechtschreibstörung vorliegt, weshalb sowohl Personen mit als auch ohne eine solche Diagnose berücksichtigt werden.

Ziele und Beitrag des Projekts

Zusammenfassend sind die Ziele des Projekts, ein kognitives Profil verschiedener Teilgruppen gering literalisierter Erwachsener zu erstellen. Kognitive Ursachen der geringen Literalität Erwachsener sollen dadurch charakterisiert werden. Weiterhin werden auf die verschiedenen Zielgruppen abgestimmte Trainingsbausteine entwickelt und erprobt.

Indem das Projekt „KogLit“ Informationen über kognitive Ursachen geringer Literalität liefert, neue Lehrkonzepte bereitstellt und die Forschungsergebnisse in praktisch nutzbare Trainingskonzepte umsetzt, wird geringer Literalität bei Erwachsenen aktiv und zielgerichtet entgegengewirkt.