LEO 2018: Zahl der Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten geht deutlich zurück

Der Anteil Erwachsener in Deutschland, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, hat sich seit 2011 von 7,5 Millionen auf 6,2 Millionen verringert. Das zeigt die neue Grundbildungsstudie LEO 2018, die auf der Jahreskonferenz der AlphaDekade vorgestellt wird.

Entwicklung von Lese- und Schreibschwierigkeiten Erwachsener in Deutschland

„Die Ergebnisse zeigen, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben, um das Grundbildungsniveau von Erwachsenen in Deutschland zu erhöhen“, erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek anlässlich der Veröffentlichung der Studie. Die Maßnahmen der AlphaDekade setzen an den richtigen Stellschrauben an: im Job, in der Lebens- und Alltagswelt und bei der Sensibilisierung der Öffentlichkeit. 

Alphabetisierung und Grundbildung im Job

Die Anzahl von Menschen mit Lese-und Schreibschwierigkeiten, die erwerbstätig sind, ist von 57 auf 62 Prozent gestiegen. Die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt trägt dazu bei, dass auch gering qualifizierte Menschen bessere Chancen auf einen Job haben. Angebote der Alphabetisierung und Grundbildung am Arbeitsplatz, die gemeinsam mit Unternehmen umgesetzt werden, sichern vielen Menschen ihren Arbeitsplatz, erhöhen die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden und tragen zur Optimierung der Betriebsabläufe bei. Der Hauptgrund, sich weiterzubilden, ist für Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten der Beruf.

Anteil der Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten nach Berufsgruppen

Lernangebote im Alltag

Nicht nur bei der Arbeit, auch an vielen anderen Orten können Menschen angesprochen werden, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben: beim Arzt, in der KiTa, in der Schuldnerberatung oder im Mehrgenerationenhaus. Vor diesem Hintergrund fördert das BMBF im Rahmen der AlphaDekade 20 Projekte, bei denen Bildungsträger und soziale Einrichtungen miteinander kooperieren. Anhand von Alltagsthemen wie gesunder Ernährung, Kindererziehung oder Finanzen werden das Lesen, Schreiben und Rechnen von Erwachsenen mit Grundbildungsbedarf verbessert.

Länder stärken Netzwerke und Angebote

In den vergangenen Jahren haben die Länder Netzwerke mit vielfältigen Partnern ausgebaut und neue Kurse und Grundbildungszentren eingerichtet. „Die Einrichtung der Nationalen Dekade 2016 hat die gemeinsamen Anstrengungen von Bund und Ländern deutlich vorangebracht. Das sehen wir auch an der neuen Studie der Universität Hamburg“, erklärt der Präsident der Kultusministerkonferenz, Prof. Dr.  Alexander Lorz. „Diesen Kurs wollen und müssen wir beibehalten, um Erwachsene mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben in allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft zu unterstützen. Die Studie macht auch deutlich, dass wir das Lesen und Schreiben und die Grundbildung fördern müssen, um den Betroffenen auch einen Zugang zu den Möglichkeiten der Digitalisierung zu ermöglichen.“

Tabus brechen durch verstärke Öffentlichkeitsarbeit

Durch die Informationskampagne „Lesen und Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“ und zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten im Rahmen der AlphaDekade sind das Thema und entsprechende Beratungsangebote in der Öffentlichkeit mittlerweile bekannt und es wird viel selbstverständlicher mit dem Thema umgegangen. Das Verständnis für Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten hat sich deutlich erhöht.

Die LEO-Studie

Die LEO-Studie 2018 der Universität Hamburg ist die größte und wichtigste repräsentative Studie zu geringer Literalität von Erwachsenen in Deutschland. Sie gibt Aufschluss über Alter, Geschlecht, Herkunft, Familien- und Erwerbsstatus sowie Schul- und Berufsbildung von Menschen mit geringer Lese- und Rechtschreibkompetenzen in Deutschland. Darüber hinaus untersucht die Studie, wie sich eine geringe Literalität auf gesellschaftliche Teilhabechancen auswirkt.