Lernen fürs Leben – Mehr Eigenständigkeit durch lebensweltorientierte Grundbildung

Menschen mit Grundbildungsbedarf haben oft eine doppelte Distanz zur Bildung: Zum einen fällt es ihnen schwer, eine Notwendigkeit zum Lernen zu erkennen. Zum anderen stellt der Gang in die Volkshochschule für sie eine hohe Hürde dar und sie nehmen Grundbildungsangebote kaum wahr. Diese doppelte Distanz will das Projekt „Lernen fürs Leben“ in Baden-Württemberg überwinden.

Lernen fürs Leben

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Der Volkshochschulverband und die Caritas in Baden-Württemberg setzen dabei am Wunsch der meisten Menschen an, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Projektpartner haben sich vorgenommen, mit möglichst vielen lernungeübten Menschen Gründe zu finden, warum sich Bildung vielleicht doch für sie lohnt. Dafür will das Projekt die soziale Arbeit mit einer aufsuchenden Grundbildungsarbeit verzahnen. Gerade bei der Caritas gibt es viele Angebote der Schuldner-, Arbeitslosen- oder Familienberatung. Die Caritas vermutet, dass ein hoher Prozentsatz der Hilfesuchenden nicht richtig lesen, schreiben oder rechnen kann.

Lernen beginnt bei dem Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen

Über die sozialen Beratungsstellen der Caritas werden die Menschen mit Grundbildungsbedarf angesprochen. Darüber hinaus existieren eine Vielzahl von sozialen Angeboten wie Koch- oder IT-Kurse, die oft im nachbarschaftlichen Kontext stattfinden. Hier gehen Menschen gemeinsam ihren Hobbys und dem Wunsch nach sozialen Kontakten nach. Auch hier liegen mögliche Anlässe, ins Lernen zu kommen.

Anlässe können eine drohende oder tatsächliche Obdachlosigkeit, Schulden, Arbeitssuche, die Führerscheinprüfung, der Schulabschluss oder die Ausbildung sein. Aus dem Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, lassen sich in diesen Lebenssituationen individuelle Gründe für ein Lernen ableiten.

Angebote: Rezepte umrechnen, Lernwerkstätten besuchen

An sieben Standorten in Baden-Württemberg sollen modellhaft 14 unterschiedliche Lernangebote entwickelt und erprobt werden. Zum Teil geht es darum, bestehende Angebote  um den Aspekt der Grundbildung zu erweitern. Wer einen Kochkurs gibt, könnte etwa Rezeptangaben von vier auf sechs Personen umrechnen lassen oder Einkaufszettel gemeinsam mit der Gruppe schreiben. An passenden Orten sollen aber auch festere Angebote entstehen, wie etwa Lerncafés oder Lernwerkstätten.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Die Erkenntnisse zu wiederkehrenden Lerngründen und erfolgreichen Lernangeboten werden am Ende des Projekts aufbereitet und sollen langfristig in Grundbildungsangebote der Volkshochschulen, der Caritas und anderer Trägern verankert werden.