Alphabetisierung und Grundbildung in Mehrgenerationenhäusern

In einer gemeinsamen Initiative fördern Bundesbildungsministerium und Bundesfamilienministerium Angebote von Mehrgenerationenhäusern zur Verbesserung der Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeit Erwachsener. Rund 180 Mehrgenerationenhäuser erhalten hierfür zusätzliche Mittel.

Mehrgenerationenhäuser

In einem Workshop werden Beschäftige eines Mehrgenerationenhauses in Berlin für fehlende Lese- und Schreibkompetenzen sensibilisiert und erfahren, wie sie Betroffene im Alltag unterstützen können.

© BMBF/ Reiher


Betroffene nehmen klassische Alphabetisierungsangebote zu wenig wahr

In Deutschland gelten rund 7,5 Millionen erwachsene Menschen im erwerbsfähigen Alter als funktionale Analphabeten: Sie können zwar einfache Sätze lesen und schreiben, nicht aber zusammenhängende Texte wie Arbeitsanweisungen, Handyverträge oder Behördenpost verstehen. Zwar gibt es mittlerweile nahezu flächendeckend Angebote der Alphabetisierung und Grundbildung, beispielsweise an Volkshochschulen. Allerdings nehmen weniger als ein Prozent der Betroffenen diese Angebote wahr. Daher sollen im Rahmen der AlphaDekade neue Lernorte gefunden werden, die Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten in ihrem alltäglichen Leben erreichen.

Mehrgenerationenhäuser als neue Lernorte

Mehrgenerationenhäuser sind kommunal gut vernetzt und Orte der Begegnung mit zahlreichen niedrigschwelligen Freizeit-, Unterstützungs- und Bildungsangeboten. Auf diese Weise sind sie in der Lage, auch Personengruppen anzusprechen, die bisher mit herkömmlichen Maßnahmen der Alphabetisierung und Grundbildung nur schwer erreicht werden konnten. Mehrgenerationenhäuser sind in ihrem Sozialraum gut bekannt und werden intensiv genutzt. Diese regionalen Strukturen sind eine sehr gute Möglichkeit, niedrigschwellige Angebote und offene Formate zur Alphabetisierung in der Fläche zu implementieren und damit einen relevanten Beitrag zur Erreichung der Ziele der AlphaDekade zu leisten.

Konkrete Angebote im Mehrgenerationenhäusern

Die Mehrgenerationenhäuser engagieren sich in vielfältigen Projekten und Maßnahmen zur Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen. Viele Mehrgenerationenhäuser bieten Beratung und Unterstützung beim Lesen und Verstehen von behördlichen Schreiben an, installieren ein Lerncafé oder stellen Möglichkeiten für die Nutzung von Selbstlernprogrammen wie das VHS-Lernportal zur Verfügung. Darüber hinaus finden vielfältige kreative Angebote nach schriftlicher Anleitung, Vorleserunden, Theaterprojekte und spielerische Lernangebote statt. Mehrgenerationenhäuser pflegen Kooperationen zu lokalen Unternehmen und Bildungsträgern und arbeiten mit Bibliotheken zusammen. Mit Ausstellungen und Aktionstagen machen sie auf das Thema aufmerksam und sensibilisieren das soziale Umfeld.

Zwei Millionen Euro jährlich bis 2020

Das Bundesfamilienministerium fördert bundesweit rund 540 Mehrgenerationenhäuser als nachbarschaftliche Orte der Begegnung. 180 dieser im Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus geförderten Häuser erhalten vom Bundesbildungsministerium bis 2020 insgesamt zwei Millionen Euro jährlich für Angebote zur Alphabetisierung und Grundbildung.

Eine Liste aller im Sonderschwerpunkt „Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen“ aktiven Mehrgenerationenhäuser finden Sie hier.