Motivation ist (nicht) alles – wann wird Lernen verbindlich? Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „MOVE“

Beim Arzt, im Fitnessstudio, beim Amt, bei der Arbeit – dass man zu einer bestimmten Uhrzeit an einem bestimmten Ort sein muss, gehört für die meisten Menschen selbstverständlich zum Alltag. Auch im privaten Kontext verabreden wir uns und lassen unsere Freunde nicht gern warten. Dennoch gibt es Situationen, in denen wir eigentlich verbindliche Vereinbarungen nicht eingehen, Termine nicht einhalten und andere „versetzen”. Das passiert auch im Kontext von Alphabetisierung und Grundbildung, wenn Menschen, die besser lesen und schreiben lernen wollen, Kurse frühzeitig abbrechen oder zu Lernangeboten gar nicht erst erscheinen können

Move

Anna Sullivan, Unsplash

Zielsetzung und Forschungsfragen

Mit dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt „MOVE - Motivation und Verbindlichkeit im Alltag von Erwachsenen mit Grundbildungsbedarf” untersucht das Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen, warum und unter welchen Bedingungen Verabredungen und Verbindlichkeiten eingehalten bzw. nicht eingehalten werden. Das interdisziplinäre Forschungsteam knüpft damit an die Ergebnisse aus dem ebenfalls durch die AlphaDekade geförderten Projekt „REACH“ an und möchte Erkenntnisse darüber gewinnen, wie Lernangebote zielgruppengerechter gestaltet werden können.

Das Projektteam betrachtet den Alltag von gering literalisierten Erwachsenen und untersucht, was sie motiviert, in welchen Zusammenhängen sie Verabredungen treffen und Verbindlichkeiten eingehen, und von welchen Faktoren es abhängt, ob sie sie einhalten oder nicht. Ziel ist es, Bedingungen zu identifizieren und Verhaltensmuster zu erkennen. Werden Termine eher eingehalten, wenn es um die Kinder geht? Wird ein Kurs eher bis zum Ende besucht, wenn Freunde mitmachen? Welche Rolle spielen Storno- oder Ausfallgebühren, z. B. wenn man nicht zur Physiotherapie kommt?

Untersuchungsmethoden

Um diese Fragen zu beantworten, kommen Erwachsene mit formal geringer Bildung in einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung zu Wort. Fokusgruppen mit gering literalisierten Erwachsenen sowie mit verschiedenen Berufsgruppen, für deren Arbeit Verbindlichkeit eine wichtige Rolle spielt, helfen dabei, die Fragestellung zu konkretisieren und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Ein interdisziplinäres Beratungsgremium mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis begleitet das Vorhaben über den gesamten Projektzeitraum hinweg.