Stiftung Lesen

Stiftung Lesen e.V.

Eingeschränkte schriftsprachliche Fähigkeiten bilden ein nachwachsendes Problem: 16,2 % der 15-Jährigen in Deutschland haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben (PISA 2016). 23 % der Schüler/innen neunter Klassen erreichen nicht die Mindeststandards im Lesen, 52 % nicht den Regelstandard der KMK (IQB Bildungstrend 2015). 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler der vierten Grundschulklassen hatten 2011 kein ausreichendes Leistungsniveau im Lesen erreicht (IGLU-Studie 2011).

Eine besondere Herausforderung der Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung besteht darin, dass unter Kindern und Jugendlichen kontinuierlich neue Generationen heranwachsen, die von funktionalem Analphabetismus bedroht sind. Ihnen fehlt eine zentrale Voraussetzung für Bildung, Entfaltung ihrer individuellen Potenziale und Zugang zum Arbeitsmarkt. Das Problem wird sich in künftige Generationen fortsetzen, wenn die heutigen Kinder und Jugendlichen selbst Eltern sind.

Die Stiftung Lesen setzt sich dafür ein, dass jedes Kind und jeder Erwachsene – unabhängig von materiellen, kulturellen oder sozialen Voraussetzungen – über die jeweils notwendige Lese- und Medienkompetenz verfügt und Lesefreude entwickelt. Sie führt dazu bundesweit präventiv wirksame Initiativen und Programme sowie Modell- und Forschungsprojekte durch, die sich ergänzen und aufeinander aufbauen. Die Programme adressieren im Bereich der frühen Förderung Kinder in ihren Familien wie auch in Kindertagesstätten, da dort das Fundament für eine gute Lesesozialisation gelegt wird. Ältere Kinder und Jugendliche werden durch schulische und außerschulische Projekte erreicht. Zu den Zielgruppen gehören neben den Kindern und ihren Eltern wichtige Multiplikatoren wie Fachkräfte in Kindertagesstätten, Schulen, Buchhandel und Bibliotheken sowie Ehrenamtliche.

Die Stiftung Lesen agiert bundesweit als Netzwerkpartner mit Akteuren aller politischen und gesellschaftlichen Bereiche. Mit dem Vorsitz des europäischen Netzwerks EU Read bündelt die Stiftung Lesen Aktivitäten von Organisationen der präventiven Leseförderung im europäischen Raum und intensiviert den Austausch von Expertise und Modellprojekten.

Projekte

Es fängt mit Lesen an

„Es fängt mit Lesen an“ ist die Botschaft einer bundesweiten öffentlichkeitswirksamen Kampagne, die die Stiftung Lesen gemeinsam mit der Deutsche Bahn Stiftung für Anfang Juli 2017 plant. Ziel der Kampagne ist es, die Bedeutung des Lesens und der Leseförderung zu stärken und zum ehrenamtlichen Engagement sowie zur Unterstützung für Projekte zugunsten bildungsbenachteiligter Kinder und Jugendlicher zu motivieren. Zum Kampagnenstart finden alle Interessierten Informationen zum ehrenamtlichen Vorlesen und zu weiteren Möglichkeiten, die Arbeit der Stiftung Lesen zu unterstützen.

Bundesweiter Vorlesetag und Welttag des Buches

Zwei bundesweite Kampagnen - der „Bundesweite Vorlesetag“ Mitte November und der „Welttag des Buches“ am 23. April - sorgen mit Beteiligung hochrangiger Akteure aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft jährlich für eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit. Beide Aktionen setzen ein Zeichen für das Lesen und wollen die Freude am Vorlesen und Selberlesen wecken, denn dadurch werden langfristig die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen erhöht. 2016 haben sich mehr als 130.000 Akteure am Vorlesetag beteiligt und beim diesjährigen Welttag des Buches erhielten über eine Million Schüler ein Buch geschenkt.

Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen

Lesestart - Drei Meilensteine für das Lesen“ ist ein bundesweites Leseförderprogramm, das Familien mit kleinen Kindern von Anfang an bis zu ihrem Eintritt in die Schule begleitet und aus drei aufeinander aufbauenden Phasen besteht. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und von der Stiftung Lesen durchgeführt. Kern der Initiative bilden die kostenfreien Lesestart-Materialien mit einem altersgerechten Buch sowie einem Ratgeber mit Tipps und Informationen zum Vorlesen und Erzählen im Familienalltag.

Leseclubs – mit Freu(n)den lesen

In insgesamt rund 400 Leseclubs in allen Bundesländern, die z. B. im Rahmen des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eingerichtet wurden, werden rund 10.000 Kinder regelmäßig erreicht, viele davon aus bildungsbenachteiligten Verhältnissen.

REACH (Reaching young adults with low achievement in literacy)

Mit dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt REACH (Reaching young adults with low achievement in literacy) sondiert die Stiftung Lesen gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern Zugangswege zu jungen funktionalen Analphabeten zwischen 16 und 35 Jahren. Die systematische Zusammenführung und Analyse unterschiedlicher Datenquellen gibt detaillierten Aufschluss über die Lebenswelten der Zielgruppe und Anknüpfungspunkte für ihre Motivation. Das bis August 2020 im Rahmen der Dekade für Alphabetisierung geförderte Vorhaben mündet in Pilotprojekte und konkrete Handlungsempfehlungen.