VOR BILD UNG - Eltern zu Vorbildern machen

Kindern funktionaler Analphabeten haben selber ein erhöhtes Risiko, nur ein geringes Grundbildungsniveau zu erreichen. Das Projekt VOR BILD UNG in Hildesheim richtet sich daher an die Eltern künftiger Erstklässler – und bereitet sie in den Räumen ihrer Kitas auf den neuen Alltag vor. 

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Wie alle anderen Eltern auch haben die meisten funktionalen Analphabeten den Wunsch, für ihre Kinder ein gutes Vorbild zu sein. Die Einschulung ist daher für Eltern mit Grundbildungsbedarf ein sensibler Moment. Viele fühlen sich an die eigenen schlechten Lernerfahrungen erinnert. Gleichzeitig sind sie für Lernangebote offener als in anderen Momenten, weil sie ihre Kinder bestmöglich im Schulalltag begleiten wollen.

Eltern wählen zwischen Schnupperkurs und Intensivangebot

Das Projekt VOR BILD UNG hat sich darauf spezialisiert, betroffene Eltern in genau diesem Moment zu erreichen. In der Stadt und im Landkreis Hildesheim wird die lokale Volkshochschule in zunächst sechs Kindertageseinrichtungen ein Angebot der Grundbildung aufbauen. Gemeinsam mit dem Kita-Personal werden sie betroffene Eltern identifizieren, sie persönlich ansprechen und ihnen mit Blick auf die Einschulung ihrer Kinder zwei kostenlose Lernangebote unterbreiten:  

Erstens können sich die Eltern entscheiden, direkt in der Kita an einem Schnupperkurs teilzunehmen. Einmal pro Woche können die Eltern etwa lernen, eine Schulanmeldung zu meistern oder einen Antrag auf Hilfen etwa aus dem Bundesteilhabegesetz zu stellen. Sie sollen diese Aufgaben selbstständig, aber mit Unterstützung bewältigen, und unmittelbar die Erfahrung machen, dass ihnen Lernen im Alltag leichter fällt, als sie selber glauben. Die Teilnahme am Schnupperkurs ist unverbindlich und sowohl kurzfristig als auch über einen längeren Zeitraum möglich.

Der eigene Alltag steht im Mittelpunkt des Lernens

Zweitens entwickelt die VHS Hildesheim einen Intensivkurs für die Alphabetisierung und Grundbildung. Er geht zwei Mal pro Woche auf Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben, Umgang mit EDV oder Gesundheitsprävention ein. Die Kurse finden in zentralen und gut etablierten Stadtteil- oder Familienzentren statt. Im Vordergrund stehen die Vernetzung mit anderen Betroffenen, nützliche Kompetenzen für den Alltag und eine engmaschige Betreuung durch das Lehrpersonal. Im Idealfall leitet die Teilnahme am Schnupperkurs in das Intensivangebot über.

Das dreiköpfige Team an der Volkshochschule kümmert sich darüber hinaus um die Vernetzung mit Kooperationspartnern wie Kitas, Familienzentren oder Stadtteilmüttern. Geplant ist auch eine regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit mit den lokalen Medien. Projekt-Flyer in leichter Sprache sollen dort zum Einsatz kommen, wo sich potenzielle Teilnehmende aufhalten: bei Kinderärzten, in logopädischen Praxen, im Bürgeramt. Das Projekt erhält zudem einen Eintrag in der Datenbank des ALFA-Telefons und eine eigene, in leichter Sprache vertonte Website.

Ziel ist es, das Angebot einer vorschulischen Grundbildung im gesamten Landkreis Hildesheim zu etablieren und damit insbesondere im ländlichen Raum eine Angebotslücke zu schließen. Als Modellprojekt soll VOR BILD UNG auch auf andere Regionen in Deutschland übertragbar sein.