Workshop zur Einbindung von Lernenden in die AlphaDekade

Der Dialog zwischen Betroffenen aus sieben Selbsthilfegruppen, Vertreterinnen und Vertretern der AlphaDekade von Bund und Ländern sowie Projekten stand im Mittelpunkt eines zweitägigen Workshops in Bonn. Ausgangspunkt der Veranstaltung war die Frage, wie Erwachsene mit Lese- und Schreibschwierigkeiten stärker in die Aktivitäten der AlphaDekade eingebunden werden können. Welche Projekte von und mit Lernenden haben sich in der Vergangenheit bewährt und welche weiteren Beteiligungsmöglichkeiten könnten initiiert werden? Um diese Fragen zu diskutieren und Ideen zu entwickeln, hat die Koordinierungsstelle der Dekade ins Gustav-Stresemann-Institut eingeladen.

Workshop

Marcus Henk (MENTO) und Achim Scholz (VHS Oldenburg) präsentieren Marketingstrategien.

© AlphaDekade


Die 30 Teilnehmenden brachten allesamt geschätzte 600 Jahre Erfahrung in der Alphabetisierung und Grundbildung ein. Aus diesem reichhaltigen Erfahrungsschatz wurden konkrete Ideen entwickelt sowie Vorschläge zur Umsetzung für bildungspolitische Entscheider formuliert.

Moderiert von Gudrun Zipper wurde in einer ersten Phase zunächst anhand eines Zeitstrahls die Geschichte der Alphabetisierung aus den jeweiligen Blickwinkeln der Teilnehmenden mittels Jahreszahlen und symbolhaften Gegenständen vergegenwärtigt. Die gegenseitigen Erfahrungen wurden ausgetauscht und Meilensteine benannt, die für die jeweiligen Teilnehmenden besonders wichtig waren – wie z.B. die Gründung der eigenen Selbsthilfegruppe zum funktionalen Analphabetismus, öffentlichkeitswirksame Aktionen von und mit Lernenden, die Veröffentlichung belastbarer Zahlen zum Ausmaß des funktionalen Analphabetismus oder der Austausch mit Lernendeninitiativen im europäischen Ausland. Das Engagement und die Einbindung von Betroffenen in die Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit ist vielfältig, von hohem ehrenamtlichen Engagement geprägt und findet mancherorts bereits seit vielen Jahren statt. Doch es fehlt häufig an Strukturen und Finanzierung zur Durchführung der Aktivitäten.

Workshop

Lerner fordern Unterstützung für die Selbsthilfegruppen (von links: Peter Schmitz, Bärbel Kitzing, Martina Meyer, Kerstin Goldenstein).

©AlphaDekade


In der  AlphaDekade sollen  Betroffene in den kommenden Jahren verstärkt eingebunden werden. Im Arbeitsprogramm wurden dazu bereits einige Anknüpfungspunkte formuliert.

„Bei der Entwicklung von Lern- und Unterstützungsangeboten werden funktionale Analphabeten bzw. ehemalige funktionale Analphabeten als Experten aktiv mit einbezogen, um die Nutzbarkeit und Wirksamkeit von Produkten zu verbessern. Beteiligungsstrukturen müssen dafür entsprechend optimiert bzw. neu aufgebaut werden. Die Umsetzung kann in einzelnen Projekten erfolgen – beispielsweise in Workshops, Tagungen für und mit Lernenden oder Lernlaboren.“ (Arbeitsprogramm AlphaDekade, S. 10)

„Zielgruppengerechte Lern- und Unterrichtsmaterialien zur Alphabetisierung und Grundbildung unter Einbeziehung von Lernenden werden entwickelt und erprobt.“ (Arbeitsprogramm AlphaDekade, S. 11)

So soll gewährleistet werden, dass Unterstützungsangebote für Betroffene nicht Gefahr laufen, an der Wirklichkeit der Zielgruppe vorbeizugehen.

Einige vom BMBF finanzierte Projekte arbeiten bereits aktiv mit Lernenden zusammen; wie beispielsweise die Projekte ALFA-Mobil und MENTO. Das Projekt ALFA-Mobil des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung beteiligt Lernende in der Öffentlichkeitsarbeit und bietet Medienschulungen dazu an. Das Projekt MENTO des DGB Bildungswerks beteiligt Lernende im Projektbeirat und in Schulungen für Betriebsräte.

Workshop

Tim Henning (ALFA Mobil) erklärt gemeinsam mit Martina Fidan und Urda Thiessen die Idee eines Lerner-Rates.

©AlphaDekade


Mit den Teilnehmenden des Workshops wurden Themen gesammelt und darauf fokussiert, wo Lernende ihre Erfahrungen bzw. ihr Wissen einbringen können. Diese können beispielsweise sein:

 •  Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung in Betrieben , Jobcentern und in der Öffentlichkeitsarbeit
 •  Mitarbeit bei der Gestaltung von Kampagnen
 • Orte des Austausches für Lernende finden
 •  Unterstützung von Selbsthilfegruppen (Strukturen, Ressourcen, Qualifizierungen, Vernetzung)
 •  Von Lernenden gewählter „Lerner-Rat“,
 •  Medien- und Persönlichkeitstraining für Lernende und Lernbegleitende
 •  Entwicklung und Erprobung erwachsenengerechter Lernmaterialien
 •  Umgang und Lernen mit digitalen Medien
 •  Entwicklung flexibler Lernangebote und neuer Lernformate

Die Koordinierungsstelle der AlphaDekade wird die gesammelten Ideen und Vorschläge in die Gremien einbringen und insbesondere mit BMBF und Ländern erörtern.  

In der Abschlussrunde wurde ein positives Fazit des ersten gemeinsamen Austausches gezogen. Die AlphaDekade bietet Chancen, gemeinsam viel bewegen zu können. Gleichwohl sind zur Umsetzung der Ideen ein langer Atem und weitere Abstimmung sowie angepasste Strukturen nötig.