Die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung: Ziele und Maßnahmen

In Deutschland können rund 7,5 Millionen Erwachsene nur eingeschränkt oder überhaupt nicht lesen und schreiben. Sie gelten als funktionale Analphabeten. Mit der „Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung“ (AlphaDekade) setzen sich Bund, Länder und Partner verstärkt dafür ein, die Grundbildung in Deutschland zu verbessern.

Ziele und Maßnahmen

©ra2 studio

Die Ausgangslage: Jeder siebte Erwachsene in Deutschland kann nicht richtig lesen und schreiben

Rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland sind „funktionale Analphabeten“. Das heißt, sie können zwar Buchstaben, Wörter und einzelne Sätze lesen und schreiben, haben jedoch Mühe, einen längeren zusammenhängenden Text zu verstehen. 57 Prozent dieser „funktionalen Analphabeten“ sind erwerbstätig, die Mehrheit sind Männer. Muttersprachler überwiegen mit einem Anteil von 58 Prozent. Zu diesem Ergebnis kam die "leo.-Level-One Studie" der Universität Hamburg im Jahr 2011, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Auftrag gegeben hatte.

Alphabetisierung und Grundbildung: Voraussetzung für Teilhabe und selbstbestimmtes Leben

Angesichts der voranschreitenden Entwicklungen in allen Lebensbereichen sind und bleiben Alphabetisierung und Grundbildung elementare Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes und von Teilhabe geprägtes Leben. Ein immer schneller werdender Informationsfluss sowie kontinuierliche technische und strukturelle Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft stellen Menschen, die nur über gering ausgeprägte Schriftsprachkompetenzen verfügen, vor große Herausforderungen. Gleiches gilt auch für andere Grundkompetenzen, wie z.B. dem Umgang mit Zahlen oder digitaler Technik.

Ziel der Dekade: Funktionalen Analphabetismus verringern – Grundbildungsniveau erhöhen

Mit der AlphaDekade wollen Bund, Länder und Partner im Zeitraum von 2016 bis 2026 die Lese- und Schreibfähigkeiten Erwachsener in Deutschland deutlich verbessern. Zentraler Erfolgsfaktor: mehr Grundbildungsangebote und mehr Menschen, die diese Angebote wahrnehmen. Die Frage, wie Erwachsene mit niedrigen Schriftsprachkompetenzen erreicht und zum Lernen aktiviert werden können, ist die zentrale Herausforderung aller Maßnahmen. In einem jährlich fortzuschreibenden Arbeitsprogramm hat das Kuratorium der AlphaDekade anhand von fünf Handlungsfeldern festgelegt, wie diese Ziele erreicht werden sollten.

Mit fünf Maßnahmen funktionalen Analphabetismus senken und Grundbildung verbessern

1. Öffentlichkeitsarbeit – intensivieren, informieren, Nachfrage generieren

Das Ausmaß des funktionalen Analphabetismus ist den meisten Menschen in Deutschland nicht bekannt. Betroffene und ihr soziales Umfeld wissen meist nur wenig über Hilfsangebote und Lernmöglichkeiten. Durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wollen die Partner der Dekade dazu beitragen, dass die Bevölkerung über die hohe Anzahl funktionaler Analphabeten informiert ist und die Notwenigkeit von Alphabetisierung und Grundbildung erkennt. Vorurteile sollen abgebaut, Tabus aufgebrochen und das Lerninteresse Betroffener gestärkt werden. Verstärkte Werbemaßnahmen sollen dazu beitragen, dass Lern- und Unterstützungsangebote bekannter werden.

2. Forschung – ausbauen, verdichten, Wissen herstellen

Um wirkungsvoller gegen funktionalen Analphabetismus vorzugehen, müssen Ursachen besser erforscht werden. Mithilfe wissenschaftlicher Erkenntnisse sollen auch Lernangebote passgenauer zugeschnitten werden, damit Betroffene sie häufiger wahrnehmen.

3. Lernangebote – optimieren, erweitern, in die Fläche tragen

Um die Lernmotivation von funktionalen Analphabeten zu erhöhen, müssen sich die Lernangebote an den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Lernenden zu orientieren. Lerninhalte müssen alltags-und praxisbezogen (z. B. Arbeits- und Lebenswelt, Finanzen, Freizeit, Beziehungen, Gesundheit) gestaltet sein und die große Unterschiedlichkeit der Teilnehmenden berücksichtigen.

4. Professionalisierung – ausbilden, weiterbilden, Qualität des Unterrichts verbessern

Erwachsene mit Alphabetisierungs- und Grundbildungsbedarf haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Steht für den einen die Bewältigung des Alltags im Vordergrund, benötigt der andere Unterstützung bei schriftsprachlichen Anforderungen im Job. Die individuellen Bedarfe sind eine große Herausforderung für das Lehrpersonal. Daher muss dies sowohl fachlich als auch didaktisch-methodisch gut ausgebildet sein. Hier gibt es einen hohen Qualifizierungsbedarf bei Kursleitenden in der Grundbildung ebenso wie bei Lehrkräften an Schulen sowie in der Jugend- und Erwachsenenbildung.

5. Strukturen – weiterentwickeln, aufbauen, Unterstützungsangebote optimieren

Seit 2012 sorgen Bund, Länder und Dekadepartner dafür, dass Angebote für Alphabetisierung und Grundbildung fester Bestandteil im Weiterbildungssystem sind. In Zukunft sollen sie auch mit bereits vorhandenen Weiterbildungsangeboten, zum Beispiel im beruflichen Kontext, verknüpft werden. Mitarbeitende in öffentlichen Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen, sollen darüber hinaus sensibilisiert werden, Menschen mit Alphabetisierungsbedarf zu erkennen und zur Wahrnehmung von Angeboten zu motivieren.