Zusammenfassung der Konferenz

Wie kann Forschung die Praxis und Politik zur Alphabetisierung und Grundbildung unterstützen? Wie tragen die Ergebnisse der Konferenz dazu bei und welche Handlungsempfehlungen lassen sich ableiten? Prof. Schrader identifiziert in seiner Zusammenfassung zentrale Forschungsfelder sowie Herausforderungen.

Zusammenfassung

Prof. Dr. Josef Schrader fasst die Ergebnisse der AlphaDekade-Konferenz zusammen. 

© BMBF/ H. Scherm. 


Neue Partner: Gemeinsam statt einsam

Die bildungspolitische Initiative zur AlphaDekade ist um neue Partner gewachsen, die mit ihren Potenzialen dazu beitragen, das Netzwerk erfolgreich auszuweiten. Zur Erreichung der Dekadenziele sind noch weitere Partner und Kooperationen notwendig, die jeweilige Ressourcen und Zugänge einbringen. Die Hürden, Teil der Initiative zu werden, sollten möglichst geringgehalten werden.

Begriffsbestimmung: Verbesserung von Alphabetisierungs- oder Grundbildungskompetenzen?

Für die weitere strategische Ausrichtung von Maßnahmen zur AlphaDekade ist eine genaue Definition bzw. Abgrenzung von Alphabetisierung und Grundbildung notwendig. Je nach Definition unterschieden sich Inhalte, Zielgruppen, Zugangswege und Zuständigkeiten. Vor dem Hintergrund begrenzt zur Verfügung stehender Ressourcen spricht sich Prof. Schrader für eine engere Auslegung von Alphabetisierung und Grundbildung aus. Die Förderung von Maßnahmen sollte sich auf die Vermittlung von Schriftsprachkompetenzen konzentrieren. Die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten ist das übergeordnete Ziel. Die Vermittlung von Schriftsprache geschieht dabei beispielsweise in den Grundbildungsbereichen Politik, Gesundheit, Finanzen und Medien.

Digitales Lernen und Lehren: Forschung zur Nutzung digitaler Medien in der Alphabetisierung und Grundbildung

Im Fokus der Forschung zur Nutzung digitaler Medien in der Alphabetisierung und Grundbildung sollte es um die Frage gehen, wie digitale Technologien für den Schriftspracherwerb genutzt werden können. Es geht nach Einschätzung von Prof. Schrader demnach weniger darum, Medienkompetenz zu vermitteln im Sinne einer „digitalen Grundbildung“. Digitale Medien haben ein großes Potenzial, individuelle Lehr-/Lernprozesse zu ermöglichen, zum Lernen zu motivieren sowie zeit- und ortsunabhängig zu kommunizieren. Mediendidaktische Konzepte lassen sich für die Alphabetisierung und Grundbildung nutzen. Dafür ist ein weiterer Fachdiskurs notwendig. Herausforderungen liegen in der Verbesserung der digitalen Infrastruktur von Weiterbildungseinrichtungen und in der Qualifizierung des Lehrpersonals (Wissen, Können, Einstellungen).

Diversität: Adressaten- und Teilnehmerforschung

Um den Zugang für Erwachsene mit geringen Schriftsprachkompetenzen zu verbessern, müssen die Bedürfnisse und Lebenswelten der Zielgruppe noch besser als bisher verstanden werden. Qualitative Milieustudien tragen zur zielgruppengerechten Ansprache der sehr heterogenen Zielgruppe bei. Erforderlich ist zudem mehr Interdisziplinarität der Forschungsbereiche. Die „Re-Analyse“ von Daten der Bildungs- und Sozialberichterstattung, wie es bereits in verschiedenen Projekten gemacht wird, ist sinnvoll und sollte noch weiter verstärkt werden. Die Forschung zu Effekten aufsuchender Bildungsarbeit sowie der Lernberatung sollte noch weiter ausgebaut werden.

Qualität der Lehre: Forschung zur Qualifizierung des Lehrpersonals

Als drittes prioritäres Forschungsfeld identifiziert Prof. Schrader die Qualifizierung des Lehrpersonals. Bestehende und zu entwickelnde Qualifizierungsangebote sollten durch die Forschung evaluiert und begleitet werden, um sie daraufhin großflächig in der Praxis zu implementieren. Zur Herstellung von Schnittstellen in vorgelagerte Bereiche wie Schule, Übergangssystem und Berufsbildung ist eine noch stärkere Zusammenarbeit von Bund und Ländern notwendig. Zur Qualifizierung und Gewinnung des Lehrpersonals ist der Ausbau von Blended Learning Angeboten nützlich.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Wissenschaftskommunikation und Nachhaltigkeit von Projekten stärken

Herausforderungen der Forschungsförderung sieht Prof. Schrader vor allem in der bildungsbereichsübergreifenden und interdisziplinären Zusammenarbeit in der Forschung. Durch eine engere Zusammenarbeit von Wissenschaft, Praxis und Fachmedien müssten Forschungsergebnisse in der Fachöffentlichkeit noch bekannter gemacht werden.

Eine sinnvolle Forschungsförderung benötigt eine Abstimmung zwischen den Verantwortlichen unterschiedlicher Förderprogramme. Bei der Initiierung von Forschungsrichtlinien ist darauf zu achten, dass die institutionelle Verstetigung der Ergebnisse ein wesentliches Ausschreibungskriterium ist. Mit öffentlichen Mitteln geförderte Projekte wären damit anschlussfähig und nachhaltig.